REISEBERICHT - Oktober 2014

 

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Die Algerienfahne ist grösser als meine Schweizerfahne. Dafür komme ich um die Busse von 900 USD herum.

 

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Anfahrt Annaba, die erste Station in Algerien

 

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Die SAMANTHA im Handelshafen zwischen den Grossen

 

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Ein Marine-Boot begleitet mich auf längere Zeit

 

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Delfine kommen zum Spielen

 

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Im Hafen von Jejel. Abendstimmung

 

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Langsam sieht man Afrika. Lange Dünen

 

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1200 SM algerische Küste, recht langweilig

 

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Ein kleines Matterhorn mitten im Meer

 

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Nachtfahrt bei Mondschein

 

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Sonnenuntergang im Westen

 

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Brahim in Sidi Ferruch, ist sehr hilfsbereit

 

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Abendessen mit Brahim, Mustapha und dem Coast-Guard-Offizier

 

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Der Hafenkapitän in Skikda will ein Foto mit SAMANTHA und mir, das er dann ins Facebook gestellt hat.

 

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Die SAMANTHA wieder bei den Grossen in Skikda

 

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So sieht es aus wenn die Polizei da war mit ihren Stiefeln

 

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SAMANTHA in Mostangem werden 2 Tage lang riesige Mengen Holz ausgeladen.

 

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mit 19 der jüngste Coast-Guard Offizier

 

 

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Anfahrt Oran

 

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Der Hafen von Oran

 

 

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Ein Blick von Oben

 

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Der Handelsgafen wo auch dei SAMANTHA liegt

 

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und der Militärhafen

 

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Altstadt Oran

 

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Alte Gebäude in Oran

 

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Moderne Gebäude in Oran

 

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Villen im "Neu-Oran"

 

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Ein Villenquartier in "Neu-Oran"

 

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Anfahrt Melilla

 

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Melilla hat schöne alte Gebäude

 

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Die gepflegte Promenade, wo alle Sport treiben

 

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Als Dach geschnittene Bäume in der Stadt

 

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Auf der "Bergstrasse" zwischen Melilla und Hocima

 

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Marokanischer Markt

 

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Eine spanische Insel direkt vor der Küste

 

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Guter Fisch, Sole

 

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Rita und ich in Hocima

 

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Hocima-Fischerhafen

 

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Felsen wie Kunstwerke an der Küstenstrasse

 

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Im Naturpark über Melilla

 

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Blick über die Landschaft gerade aus

 

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oder von der Terrasse nach unten

 

 

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Der Hafen von Melilla

 

 

 

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Im Hafen von Melilla

 

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Rita in ihrem Element

 

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2 wunderbare Zöpfe sind gelungen

 

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Adé Melilla

 

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Typisches spanisches Leuchtturmhaus

 

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Kleine Fischer bei der Arbeit im Morgengrauen

 

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Felskuppe vor Hocima

 

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Hocima mit dem 5-Sterne-Hotel

 

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Die typischen Farben an den Häuser

 

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Am Abend verlassen die Fischer den Hafen

 

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Eine ganze Armada läuft aus

 

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Felskuppe vor Jebha

 

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Jebha, mein Tagesziel

 

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Leider sehe ich den Hafen nur so. Ich werde weggejagt

 

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Gelandet in Ceuta, der nächsten Spanischen Enklave in Marokko

 

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Typischer spanischer Stil

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Die Promenade mit Palmen.

 

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Das Parlamentsgebäude, auch im Kolonialstil

 

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Der Katzenpark

 

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Die Festung ist imposant

 

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Ein seltener Baum

 

 

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Die Südseite der Stadt mit Badestrand

 

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Gegenüber im Dunst ist der Affenberg von Gibraltar

 

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Vor Tanger sind alle am Fischen

 

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Die halbe Stadt in den Böötchen

 

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Zu zweit bis zu viert

 

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Ein 270 m langes und 42 m breites Kontainerschiff mit ca 1700 Kontainer beladen. Eines der vielen Schiffe in der Meerenge

 

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oder der mit seinen 300m. Imposant. 20 Amels könnte man daran längs legen.

 

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Eine Flosse. Ein Hai ?

 

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Delfine sehe ich viele in der Strasse von Gibraltar

 

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Am nächsten Morgen sehe ich den Sonnenaufgang über Marokko vom Atlantik aus

 

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Auf offenem Meer

 

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Fahrt in den Morge

 

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Anfahrt von Porto Santo nach 4 1/2 Tagen

 

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Der Hafen

 

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An der Mauer verewigen sich viele

 

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Abendstimmung im HAfen

 

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Blick am Morgen aus der Lucke

 

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Der schöne Dorfkern

 

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Auf diesen Berg will ich steigen

 

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Ein Weiler oben auf einem Hochplateau

 

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Der Hafen von oben gesehen

 

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Die Insel mit dem langen Strand

 

1.10.14

 

Ich habe gut geschlafen, bin völlig ausgeruht, als der Wecker um 0500 klingelt.

Zuerst wird gefrühstückt, dann öffne ich den Niedergang und steige ins Cockpitt. Mich trifft fast der Schlag. Tausend Federn (ja Vogelfedern) liegen im Cockpitt und auf dem Deck. Dann, die SAMANTHA ist nicht mehr weiss, sondern schwarz. Ich vermute dass man in der Nähe ein Schiff mit Kohle und eines mit Federvieh beladen oder entladen hat. Eine kurze Stepvisite bei der Polizei und ich lege ab. Draussen hat es überhaupt kein Wind und auch keine Wellen. Ich hole den Schlauch heraus und schliesse ihn an. Heute bin ich doppelt froh über meine Erfindung. Ich habe nämlich die Zuleitung zur Ankerwaschanlage aufgeschnitten und ein 3-Weg-Ventil eingebaut. So kann ich nun mit dem Schlauch die SAMANTHA bequem abspritzen. Es ist zwar Meerwasser, aber das ist auch gut um den Schmutz wegzuspülen. Nach einer halben Stunde sieht die SaMANTHA wieder so aus wie es sein muss, und nicht wie ein im Dreck gewälztes gerupftes Huhn.

Das Cockpitt wasche ich dann noch mit Süsswasser aus der Decksdusche ab, so dass hier kein Salz liegen bleibt.

Da der Wind auch heute ausbleibt läuft der Motor auf Hochturen. Ich versuche unbedingt spätestens 1600 in Jejel einzulaufen, damit der Immigrationschef, der um 1700 nach Hause geht, mir noch einen "Short-Pass" ausstellen kann, mit dem ich dann in der Stadt versuche eine Prepayd-Karte fürs I-Pad zu bekommen.

Mein Hafenhandbuch ist sehr wage, was diesen Hafen betrifft. Ich bin um 1600 vor dem Hafeneingang, will da einfahren, sehe aber eine Reihe von gelben Boyen, quer über der Zufahrt schwimmen. Ich stoppe die SAMANTHA und warte auf Instruktionen per Funk. Ich habe mich ja eine halbe Stunde vor Ankunft gemeldet und die Anweisung bekommen, auf Kanal 14 auf Instruktionen zu warten. Dann aber, pfeifft mir ein Soldat von der Mole her, gestikuliert und deckt eine doppelläufige Kanone ab. (so wie ich das einschätze , ist das eine typische Örlikon ). Als der beflissene Soldat dann auch noch anfängt an dem Ding herumzukurbeln und ich plötzlich die beiden Läufe auf mich gerichtet sehe, drehe ich endgültig ab. Ein kleines Fischerboot kommt nah zu mir und gibt Zeichen, ich soll ihm folgen. Das tue ich dann auch gerne und so werde ich in einen Fischerhafen geführt, der bei mir im Handbuch so nicht vermerkt ist.

Die Coast-Guard ruft mich zu ihrem Quai, wo ich festmache. Zwei Herren kommen ins Boot und natürlich beginnt die Schreiberei. Ein sehr flüchtiger Blick vorne und hinten und speziell in der Küche. Der Herr interessiert sich speziell für die Gewürze die aufgereiht sind.

Schliesslich sieht er meine Cigarillos, die neben der Bank liegen, bedient sich, ohne zu Fragen und nimmt 4 Stück raus, 2 für sich und 2 für den Kollegen. Ist ja ok, aber fragen könnte er ja doch schon.

Fertig mit Coast-Guarde, frage ich nach dem Chef der Immigration. Den gibt es nicht hier. Bravo. DIe Polizei sei zuständig. Ich werde vom Quai weggeschickt und soll auf der Gegenseite an einer Motorjacht festmachen, die ihrerseits an einem Fischerboot angebunden ist.

Klappt alles gut. Freundlich werde ich vom Motoorbotbesitzer empfangen.

Nun aber ab, zur Polizei, die sei am Hafeneingang. Ich muss meine Bewilligung bekommen bevor der Chef seine Mami zu Hause begrüsst.

Ja.... das ist ein Problem.... aber man wird eine Lösung finden... nur Geduld.

Um 1800 wird der Telekom Shop schliessen. Um 1750 stehen 9 Mann mit Uniform um mich herum, aber ein kleiner stinkiger Offizier mit 2 Sternen auf den Patten schüttelt immer wieder den Kopf, obwohl ihn alle drum herum beschwöhren.

Schliesslich gehe ich mit Fazil, einem guten Typ, der auch im Hafen arbeitet und der heftig versucht hat, eine "Lösung" zu finden, zur SAMANTHA, wo wir einen trinken und die Adressen tauschen. Er möchte mich auf Facebook verfolgen.

Der Vice-Hafenmeister, der sich ebenfalls heftig eingesetzt hatte, fragt mich, was ich den alles einkaufen möchte. Ich soll ihm die LIste geben, er werde alles besorgen. Ja... ausser Brot , Gemüse, Salat und sonstige kleine Dinger, die müsste ich aber selber auswählen können. " Es macht nichts, ich verhungere nicht", lehne ich sein Angebot dankend ab.

Zwischen zwei Gewitterschauern, begebe ich mich an den Hafeneingang, wo ich das Wifi des nahe gelegenen Hotels empfangen könne. Leider ist das Signal zu schwach um damit etwas anfangen zu können, so kehre ich zurück zum Boot. Dort bekomme ich vom Schiffsnachbar ein Broot, das der Vice-Hafenmeister für mich gebracht hat. Ist das denn nicht rührend?, eine solche Gastfreundschaft. Bis jetzt habe ich nur sehr nette Leute kennen gelernt, Sowohl in Tunesien, aber noch heftiger in Algerien. Fischer draussen auf dem Meer, Arbeiter in den Häfen, alle Beamten, jeder grüsst, winkt und heisst einem "Willkommen in Algerien" ( Wir Schweizer könnten da doch etwas lernen ).

Am Abend nach dem Nachtessen, telefoniere ich noch mit Philippe, der mir mitteilt, dass Sophie zu ihrer im Sterben liegenden Mutter gereist ist. Es tut mir so leid, dass ich so weit weg bin.

Der Schiffsnachbar und ein paar seiner Freunde bestehen darauf dass ich mich noch für einem Drink zu ihnen setzte. Small talk, aber sehr nett.

Um 2200 hau ich ab,unter die Decke, denn um 0500 wird der Wecker klingeln.

 

2.10.14

Ich erwache eine Minute bevor der Wecker klingelt. Dusche, Frühstück, Boot bereit machen und Ablegen. Es ist 0545. Im Hafen ist schon heftiger Betrieb. Alle Fischerboote laufen ein, ich laufe aus. Der Tag ist lang, die Sonne blinzelt hin und wieder zwischen den Wolken durch. Auf der Wetterstation sehe ich dass es 26° warm ist und eine Luftfeuchtigkeit von 87% hat. Kein Wunder dass zwischenduch auch ein paar Tropfen fallen. Ich muss heute noch den Hafen von Dellys erreichen. Dies ergibt einen Tagesritt von 92 SM. Der Motor läuft auf Hochturen. So schnell und so lange hat mein Yanmar seit 2003 noch nie arbeiten müssen. Aber er schnurrt wie eine zufriedene Katze. Um dem Motor etwas zu helfen ziehe ich die Segel raus. Hart am Wind , die Segel platt gezogen macht dies doch ein bis einenhalb Knoten aus. Ich werde in Dellys um 1700 einlaufen. Das ist gut so. Dann passiert es. Versehentlich komme ich an den Knopf vom Vorsegel, dieses rollt sich etwas ein, aber da die Schot schon voll gestreckt ist, macht es schr... und ich habe einen Schranz in der Genua.

Schei....e.

Nur mit Gross und Besan gehts weiter. Eine halbe Stunde vor dem Einlaufen im Hafen surrt die Angelrute. Es hängt ein Fisch dran. Aber da ich die SAMANTHA nicht abgebremst habe, reisst der sich wieder los.

Heute ist nicht mein Glückstag.

Im Hafen werde ich von der Coast-Guard mit einem Dingi abgeholt und zwischen all den Fischerbooten hindurch an einen Platz, direkt vor der Guarde National gelotst. In diesem Hafen liegen sicher hundert Boote, alle an Boyen, oder im Päcklein der Mole entlang. Noch nie habe ich sowas gesehen.

Die Einklarierungsprozedur ist wie gewohnt. Drei mal Formulare ausfüllen und das für die Coast-Guard, dann wieder für die Polizei, dann nochmals für den Zoll. Hier git es keine Immigration, also etwas weniger Papier. Alle Beamten sind auch hier sehr nett, und keiner ist gierig. Der letzte der kommt, ist der Mann vom Zoll. Easy. Er fragt ob er kurz ins Schiff hineinschauen dürfe. Natürlich. Er reisst die Augen auf als er die SAMANTHA betritt. und meint, "das ist ja alles so sauber und ordentlich " Er sähe ja oft Segelboote, aber das sei dann schon nicht immer so.

Aus dem Hafen kann ich natürlich nicht. Es gäbe auch nichts spezielles zu sehen, und wenn ich ein Visum hätte, könnte ich auch nur in Begleitung einer bewaffneten Escorte den Hafen verlassen. Es sei eine etwas spezielle Gegend, meint der Herr Polizist.

Nach dem Nachtessen hocke ich noch einen Moment im Cockpitt und geniesse einfach die Ruhe. Es war ein ermüdender Tag. Die Wellen und die dauernde Schaukelei machen einem müde. Ab 1900 ist es dunkel. Um 2000 geh ich ins Bett und lese noch ein paar Zeilen dann falle ich in einen Tiefschlaf.

 

3.10.14

Wie schon gestern klingelt der Wecker um 0500. Der gewohnte Mogenablauf. Im Moment wo ich den Kopf aus dem Niedergang strecke höre ich ein paar Tropfen fallen. Das ist ja viel versprechend. Trotzdem, mache ich die Leinen los und schlängle die SAMANTHA zwischen den Booten durch und aus dem Hafen. Nach ca 20 Minuten Fahrt werde ich von einem Gewitter eingeholt. Es blitzt, donnert und schüttet wie aus Kübeln. Der Wind steigt kurz bis auf 20 KN, und weht von achterlich, so dass es im ganzen Cockpitt nass wird und ich auch den Niedergang schliessen muss. Innert Minuten triefe auch ich. Ich ziehe die Klamotten aus und stecke mich in meinen geliebten Musto-Anzug, der seit März ungebraucht im Schrank hängt. Gegen 0700 fängt es an zu dämmern und so langsam kann ich etwas von der Umgebung sehen. Da sind tatsächlich zwei Fischer in einem etwa 5 m langen Böötchen hier draussen, bei diesem Sturm und diesen Wellen. Die haben Mut, den ich nicht hätte. Da bin ich doch mit meiner 16 m langen SAMANTHA wesentlich besser dran.

Etwas später sehe ich rechts vorne eine Laterne heftig blinken. Das könnte jemand sein mit Problem. Ich drehe etwas ab und steure auf das Licht zu. Wie ich dort ankomme, ist es auch ein kleines Böötchen mit 2 Mann. Ich fahre ran und frage ob sie ein Problem hätten. "Mafi mushkidel" (kein Problem ). Gut, ich drehe wieder ab und gehe auf Kurs, Richtung Algier. Es hätte ja sein können.

Schon recht früh bekomme ich ein SMS von Madame Laila. Laila ist ein Kontakt der mir der Motorbootsbesitzer , mein Hafennachbar, in Jejel gegeben hat. Ich habe sie angefragt ob sie mir arrangieren könne, dass ein Segelmacher mir die Genua in Sidi Ferruch reparieren kann. Sie hat mir nun Adressen durchgegeben, von Leuten die sich um mich kümmern werden. Ist doch nett. Es wird allerdings schwierig sein, etwas reparieren zu lassen, denn Morgen beginnt das Fest Al Eid, das mit unserem Osterfest zu vergleichen ist. Al Eid ist das Fest zum Ende des Ramadan ( Muslimische Fastenzeit). Am heutigen Tag ist es Brauch, dass in Medina der Teufel gesteinigt wird. 2 Millionen Pilger werfen Steine gegen einen Hügel, wo der Teufel hocken soll. Das wird schon seit 1500 Jahren getan und trotzdem gibt es diesen Teufel immer noch. Ein hartnäckiger Bursche ! Morgen werden Millionen Schafe als Opfer geschlachtet und es wird gegessen was das Zeug hergibt, Familie wird besucht und danach liegt man mindestens 3 Tage mit vollem Magen faul herum. Keiner arbeitet, alle Läden, Restaurants etc sind geschlossen. Es ist nicht der beste Moment für mich hier anzulanden. Aber, Mal sehen.

Es ist 1000 und die Sonne kommt hervor, es wird alles wieder normal.

Scheinbar freuen sich auch Fliegen an dem Wetterwechsel. Ich habe eine Fliegeninvasion. Nun treibe ich etwas Sport. Mit der Fliegenklatsche bewaffnet gehe ich auf Jagd. Nach 10 Minuten sind es bereits 12 Kadaver die ich über Bord schmeisse als Fischfutter.

1600, ich werde angerufen von Brahim, dem loklalen Kontakt, durch Laila organisiert. Man erwartet mich am Hafeneingang. In 3 Minuten bin ich da.

Brahim winkt und deutet an, in der Mitte der Einfahrt zu fahren. Hopla, aufgesessen. Nochmaliger Versuch, ganz rechts, es klappt, knapp mit nur noch 20 cm unter dem Kiel aber ich komme durch. Gleich dahinter ist es genug tief. Eine Sandbank mitten in der Einfahrt. Toll.

Anlegen an einem Empfangssteg. Begrüssung durch Brahim und seinem Sohn Mustapha. Behördenkram, 10 x gleiche Papiere ausfüllen, wie üblich. Diesmal aber wird das Boot nicht gefilzt. Scheinbar mache ich einen seriösen Eindruck. Man erzählt mir, dass eine russische Crew versucht hat Zigaretten zu schmuggeln, die wurden erwischt und haben jetzt ein Problem. Deren Katamaran ist an der Kette und die ganze nächste Woche ist Eid-Urlaub, da geht gar nichts.

Djamel, der Segelmacher kommt und holt die Genua ab. Mustapha geht mit Ihm, um sicher zu sein, dass er die Reparatur auch ausführt.

Brahim und ich haben geplant, in einem Restaurant typisch Algerisch zu essen, das geht aber nicht, weil alle Restaurants geschlossen sind. Schlussendlich koche ich, diverse Vorspeisen, Spagetthi Bolonese und Salat. Der Coast-Guard Offizier lässt sich überreden, auch mit an den Tisch zu kommen, so dass wir zu viert sind. Es ist eine nette Runde. Um 2100 kommt Djamel mit der reparierten Genua zurück, die wir auch gleich hissen. Gott sei Dank, ich kann nun wieder segeln.

 

4.10.14

Ich habe geschlafen wie ein Murmeltier. Erledige heute ein paar Kleinigkeiten und faulenze bis 1500. Gerade wollte ich einen Rundgang im Hafen machen, da kommt Brahim. Wir gehen zusammen und beschauen uns die leider sehr vernachlässigte Marina. Im 1972, als ich hier war, war das ein wunderschöner Ort, mit viel Flair umd einer tollen Ambient. Nun... halb tot, alles vergammelt und die Läden zu. Wir haben Glück, dass wir in einem Café noch einen O-Saft bek ommen.

Mustapha kommt um 1830 mit einer riesigen Tüte. Die Restaurants seien alle geschlossen, so hat er von zu Hause ein Cous-cous mitgebracht. wir sitzen wieder zu viert, (Brahim, Mustapha und der Coast-Guard und ich) am Tisch und geniessen dieses feine, hausgemachte Cous-cous.

s nimmt mich mit zum Auto, er will mit mir ins Dorf fahren um Einkäufe zu machen. Einige Läden haben trotz dem Feiertag offen. Ohne Scham fährt er am Kontrollposten vorbei, raus aus dem Hafen. Mir ist nicht ganz wohl. Ich habe keine Papiere dabei und auch kein Visum und der Polizeichef, ein unangenehmer, rothariger, arroganter Algerier wollte mir keine Bewilligung geben, den Hafen zu verlassen. Leider finden wir nicht alles, was ich suche, aber macht nichts, verhungern werde ich nicht, denn ich habe von den beiden Mahlzeiten, soviel in den Tuperware, dass ich weiss was ich die nächsten 4 Tage essen werde.

Damit ich morgen in der Früh kein Problem habe auszulaufen, legen wir die SAMANTHA um, ohne Anker leinen wir sie an einer Mole an. (Brahim hatte Angst, dass der Anker sich in der Mooringkette im Hafen verfangen hat. Das war aber nicht der Fall. Wir konnten den Anker ohne Problem heben, aber besser ist es so.

Der Abschied ist so herzlich, dass ich das Gefühl habe, die beiden super tollen Menschen schon ewig zu kennen. Wir werden un sicher im Himmel wieder treffen.

 

5.10.14

Wecker 0500. Erst noch 10 Minuten schlummern, dann ganz langsam ein Auge nach dem anderen öffnen. Ich habe tief geschlafen und kriege die Augen kaum in die richtige Position. Duschen, Frühstücken, Boot vorbereiten und um genau 0600 gehts los. Ich kenne die Ausfahrt, da ich ja eingefahren bin. Aber, was ist denn hier los ? Auf der gleichen Spuhr wo ich eingefahren bin laufe ich auf. Die Sandbank hat sich verändert. 4 Mal versuche ich es, jedesmal etwas verschoben, aber es klappt nicht. Schliesslich gebe ich voll Power, die SAMANTHA schiebt sich langsam durch den Schlick und... der Tiefenmesser zeigt 20..30...40 cm unter dem Kiel. Geschafft. Die Reise zum nächsten Hafen, in 70 SM Entfernung, kann los gehen.

Die Ankunft in Tenes, im Handelshafen ist unspektakulär. Die üblichen Formulare x-mal ausfüllen, dann bin ich kaputt. Esse eine Portion der in Sidi Ferruch übrig gebliebenen Spaghetti und ab gehts, in die Haya.

 

6.10.14

Der Wecker klingelt wieder um 0500. Ich mach mich gleich auf den Weg Richtung Mostangem. Es sind 75 SM geplant. Das Meer ist flach, der Wind nicht stark aber direkt auf der Nase. Es ist ein langweiliges schippern entlang einer nichts aussagenden Küste. Einmal bekomme ich Besuch von einem Militärboot, das eine Zeitlang parallel zu mir mitfährt. Per Funk plaudern wir ein wenig, dann verabschieden sie sich und wünschen mir gut Reise.

Es ist schon 1800 als ich im Hafen einfahre. Zuerst muss ich bei der Coast-Guarde festmachen. Hier bekomme ich Besuch von 2 jungen Uniformierten, beide bereits in höherem Rang. Der eine erklärt mir, dass er mit 19 Jahren der jüngste Coast-Guardist sei. Er hat die Schulen im Eiltempo durchschritten und ist hier bereit, sich auf den Beruf eines Kapitäns eines Tug-Bootes vorzubereiten.

Dann, nach dem üblichen Papierkram verlege ich an eine Pier nahe einem Handelschiff. Dort angebunden kommen all die Anderen. Zum ersten Mal rege ich mich auf. Ob ich Devisen hätte, und wieviel. "Ja ich habe etwa 500€ und 27000 Dinar", gebe ich an. Wo die Devisendeklaration sei ? " Was ist das ?" frage ich. "Ein Formular wie dieses, was er mir unter die Nase hält. " Kenn ich nicht. Ich bin nun im 7. Hafen in Algerien und sehe das das erste Mal. Also, es wird wieder ein Formular ausgefüllt. Dann will er meine Geldbörse sehen. Leert die aus und fängt an zu zählen. Ich hätte falsche Angaben gemacht meint er dann, es seien nur 370€ und 22400 Dinar. "Ja, die anderen Euros sind wohl in irgendwelchen Taschen. Muss ich die nun suchen gehen ?" " Und von den Dinars habe ich ja auch schon beim Einkaufen etwas gebraucht."

Langsam aber sicher füllt sich mein Hals und der Kragen wird zu eng. Schliesslich merkt er meine Missstimmung und sein Kollege schreitet ein. "Sie hätten halt einen strengen Chef und deshalb müssten sie so genau sein" ist seine Entschuldigung. Es wird eine neue Deklaration ausgefüllt, die alte zerrissen , die Dinars nicht erwähnt und die soll ich schön verstecken. Dann hauen sie endlich ab.

Ich bin gerade daran, die letzte Portion Spaghetti aufzuwärmen und dazu ein Ei zu braten, als noch einer kommt. Die Polizei. Der ist allerdings so easy, wie noch nicht erlebt. 5 Fragen auf einem Papier beantwortet. Gute Nacht. "Schliesse alles zu und wenn es ein Problem gibt, anrufen auf Kanal 16" meint er noch. Danke und gute Nacht.

Gestört werde ich nicht durch irgendwelche Menschen, nein, es sind streunende Katzen, (vierbeinige) die mir das Leben schwer machen. Die Scheissviecher entern die SAMANTHA und verdrecken das ganze Deck mit ihren schwarzen Pfoten. Mit Wasser und einer Leine gelingt es dann die Invasoren vom Deck zu verjagen. Danach ist die Nacht ruhig.

 

7.7.14

In den letzten Tagen habe ich viel Diesel verbraten und will heute auffüllen.

Um 0400 würde die Tankstelle öffnen. Denkste. Als ich um 0700 dort anlege ist keine Sau da. Ich rufe die Kapitanerie an und erkundige mich. Nach einer Weile bekomme ich die Meldung, dass der Tankwart in der Firma noch nicht erschienen sei, man hoffe er käme in einer bis einenhalb Stunden. Inshallah.

Ich prüfe nochmals genau den Tankinhalt und stelle fest dass ich noch etwa 50 Liter habe. Das genügt bis Oran. Also hau ich ab, denn ich will vor dem Einnachten dort sein. Per Funk melde ich mich beim Hafenkapitän ab, bekomme aber ein Verbot, den Hafen zu verlassen. Zuerst müsse nochmals die Polizei kommen. Oh.. Neues Anlegen bei der Coast-Guarde. Der Polizist kommt, füllt ein Formular aus und ich bekomme die Erlaubnis auszulaufen. Das tue ich dann auch mit Vollgas.

Es ist 1700 als ich in den Hafen von Oran einlaufe. Zuerst muss ich wieder bei der Coast-Guarde anlegen. Hier sind wieder 2 junge Beamte. Der Höhere kommt mit den Formularen. Ich schreibe und schreibe , wie immer. Dann fragt er, ob er die Inspektion durchführen könne. "Natürlich", aber er müsse die Schuhe ausziehen. Dass er dann auch die Socken auszieht und seine nicht ganz sauberen Füsse präsentiert, hatte ich nicht gemeint.

Die Inspektion ist in 5 Minuten gemacht, dann aber diskutiert er über Gott und die Welt. Ich habe das Gefühl, er müsse genüged Zeit auf dem Schiff verbringen, um seine Arbeit zu demonstrieren.

Danach werde ich an einen Quai dirigiert, wo mein Boot jedesmal an die Pier geworfen wird, wenn ein Schiff ein- oder ausläuft. Die restlichen Formalitäten gehen easy von statten. Am Schluss kommen die Herren von der Hafenkapitänerie. Die erlauben mir, die SAMANTHA zu verlegen an einen Platz wo ich ruhiger liege. Mir wird auch versprochen, dass man morgen um 0900 vorbeikommen würde um mein Dieselproblem zu lösen.

Ich schlafe ganze 11 Stunden wie ein Murmeltier. Irgendwie bin ich müde.

 

8.10,14

Was für ein Tag.

Erwachen tue ich erst um 0800. Nach dem Frühstück ist es 0900, Zeit dass die Hafenkapitäne erscheinen. Ich warte und warte.... um 1100 nehme ich das Heft selber in die Hand. Ich lege ab und verlege die SAMANTHA in den Fischerhafen zur Petrolstation. Er dürfe mir keinen Diesel verkaufen, denn ich sei Ausländer. Drüben am anderen Quai sei eine andere Station wo sie fremde Schiffe bedienen. OK, ich lege ab und fahre an den angegebenen Ort. Keine Petrolstation. Ein Mann, auf einem am Quai liegenden Schiff frage ich nach der Dieselpumpe. Hier, dieses Schiff, sei es. Ich mache die SAMANTHA fest.

Er dürfe mir kein Diesel abgeben. Ich müsse ins Büro um einen "Bon de Commande" abzuholen. ich marschiere los, in die Richtung die man mir angegeben hat, um im Büro diesen "Bon de Commande" zu holen. Das ist aber nicht einfach, (wie nichts in Algerien). Man werde mich um 1300 auf dem Boot besuchen, mit Zoll usw. Ich marschiere die 15 Minuten zum Boot zurück.

Ich warte bis 1330, dann kommt der Bürochef mit seiner (sehr netten) Assistentin. Ich müsse mit Ihnen zum Zoll. Ich will die Papiere holen, dann ruft der Kapitän , ich müsse ablegen, denn sie würden auslaufen. Ich lege ab. er läuft aber nicht aus. Langsam regt mich dieses Scheissgehabe auf. Ich fahre zurück zum ursprünglichen Platz und vertäue die SAMANTHA wieder. Nun marschiere ich zurück zum Platz wo ich vorher war und der Chef der Tankstelle wartet. Hier werde ich mit dem Auto mitgenommen zum Zoll. Irgendwie schafft es die nette Assistentin , den störrischen Zöllner zu überzeugen, dass ich Diesel brauche. Mit fraulichem Geschick ergattert sie einen Stempel auf einem Formular. Ich unterschreiebe 10 mal irgend etwas, dann fahren wir zurück. Ich gehe wieder zum Boot und warte. Man hat mir erklärt, dass ich 200€ für den Camion zahlen müsse. Da ich nur 370€ Devisen ( € ) deklariert hatte, konnte ich dann noch für 150€ Diesel bunkern. Das ergab 280 L total. Ich machte meinen Unmut bekannt. Ich finde das nicht in Ordnung.

Als dann alle Formulare fertig waren, flüsterte mir der Chef im Auto zu, dass er einige Liter dazu geben werde. Ich bin ja bereit die zusätzlichen Liter zu bezahlen. Nein, das sei ein Geschenk. Der Chauffeur des Tankers, meldete dann dass 500 L geflossen seien. Ok, noch 50 dann ist der Tank voll. Kaum gesagt sprudelte es bereits aus dem Einfüllstuzen. Der Tank ist voll, und das nun für die 350 €. Das ist doch wieder korrekt.

Bei der Immigration war ich heute morgen kurz vorbeigegangen und habe gefragt, ob ich eine Erlaubnis bekommen könnte, um Oran zu besuchen. Kein Problem. Innerhalb 10 Minuten hatte ich ein entsprechendes Papier, musste aber meinen Pass hinterlegen. Um 1700 +- eine halbe Stunde müsse ich zurück sein, und ich solle ein Taxi nehmen und nicht zu Fuss in die Stadt.

Nachdem ich dann endlich um 1500 einen vollen Dieseltank hatte verhandelte ich mit einem Taxifahrer, dass er mir die Umgebung und die Stadt zeigt und mit mir einkaufen geht. Um 1700 müssen wir zurück sein. Wir einigen uns auf 2500 Dinar, ca 25 €. Ich hatte eine wunderbare Stadtrundfahrt und wir sind auch nach Santa Cruz, dem nahen Hügel mit Kirche und Burg gefahren, von wo man einen unglaublichen Blick über die Häfen und die Stadt hat.

Einkaufen waren wir an verschiedenen Orten, so dass ich voll beladen um 1700 zurück im Hafen bin.

Oran ist grösstenteils vergammelt. Es hat einige alte Gebäude, die von besseren Zeiten zeugen. Überall liegt Müll, vor allem blaue Plastiksäcke. Auch der Hafen ist voll von schwimmendem Müll. Schade, das hinterlässt keinen guten Eindruck.

Endlich einmal ein Beamter, der sich nicht geziert hat, mir einen Short-Pass auszustellen. Ich fragte, warum ich bis jetzt nie einen bekommen hätte. Er meinte das seien halt alles nur Bauern, die sich als Beamte an die Küste verpflichtet hätten. Er möge die auch nicht. Da kann ich ihm nur zustimmen.

 

9.10.14

Kaum Mitternacht vorbei, draussen ein riesen Radau, und jetzt werde ich auch noch herausgerufen. Ein neues Schiff soll neben mir anlegen, ich müsse eventuel wegfahren. Aber zuerst einmal abwarten. Nach einer halben Stunde liegt der 150 m lange Frachter neben mir und ich kann wieder schlafen gehen.

0800, ich stehe auf, mach mich bereit zum Abreisen. Per Funk fordere ich die Polizei an, um die Ausklarierungsformalitäten zu erledigen. Gemütlich anspaziert kommen die eine halbe Stunde später, zu dritt. Das Boot wird nochmals durchsucht. Diesmal verlange ich, dass die Stiefel ausgezogen werden. Der eine Polizist, fragt ganz unbekümmert nach einer Flasche Whyski. Ich antworte freundlich aber bestimmt, dass ich in Algerien nicht bereit sei Bakshish zu bezahlen. Daraufhin lädt er mich ein, beim nächsten Besuch, ihn zu sich nach Hause zu begleiten. Nur eine Stunde Autofahrt. Ich sage natürlich nicht, dass es vermutlich kein nächstes Mal geben wird. Ich will nur noch weg von Algerien, ich habe nun genug erlebt.

Ich muss nochmals bei der Coast-Guarde vorbei, bevor ich die Erlaubnis bekomme, auszufahren. Hier will der fleissige Beamte Fotokopien von all den Papieren die ich beim Tanken bekommen habe. Ich muss warten, bis er ins Büro am anderen Hafenende gefahren ist und Photokopien gemacht hat. Vermutlich wird dann im Winter mit all diesem Papier die Bude geheizt.

Es ist bald 1000 und ich bekomme die Erlaubnis, den Hafen zu verlassen.

Draussen habe ich guten Wind und segle ans nächste Kap. Dann aber bekomme ich den Wind auf die Nase und muss den Motor dazunehmen.

Den ganzen Tag, nichts besonderes. Ein einziges Fischerboot treffe ich an, sonst bin ich weit und breit das einzige Schiff.

 

10.10.1

Nach meiner Uhr ist es 0815, als ich die SAMANTHA in die Marina von Melilla einsteuere. Ein netter Bursche empfängt mich und weisst mich ein, nimmt die Leinen ab und erledigt danach die Formalitäten im Büro. Kein hübsches Girl an der Reçeption und wenig Personal. Das lässt versprechen. Und in der Tat, für 8 Tage buche ich den Platz, bezahle pro Tag 15€, inkl. Strom und Wasser, sonst wäre es noch günstiger. Die Marina ist Top und ruhig. Sofort beginne ich mit der Putzerei. Erst innen, dann aussen und zuletzt hieve ich noch das Dingi ins Wasser und gehe die schwarzen Striemen,die die grossen Gummipuffer in den algerischen Häfen hinterlassen haben, wegpolieren.

Das Bett ist gemacht, die SAMANTHA ist wieder sauber, Rita du kannst kommen !

Da es noch früher Nachmittag ist und Rita erst um 1800 landet, spaziere ich in die Stadt und besuche einen Supermarkt. Mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, als ich das Sortiment sehe, und erst recht, als ich die Preise sehe. Eine Flasche J&B, 1 Liter kostet ca 8€. Eine Literflasche Gordon Gin 6,55.

Ich kaufe ein, was das Zeug hällt, muss aber aufhören, als mein Rucksack voll ist. Zurück zum Schiff, abladen und nochmals hin.

Nach dem zweiten Mal, habe ich soviel gebunkert, dass ich damit vermutlich bis in die Kanarischen genug zu Essen und zu Trinken habe.

Noch eine Stunde, dann kommt Rita. Ich schaue blöd aus der Wäsche, als sie bereits im Taxi anfährt, sowie ich zurück auf dem Schiff bin. Ich habe nicht die Uhr um eine Stunde vorgestellt, wie ich das hätte tun sollen. Fast hätte ich sie noch verpasst. Das wäre vermutlich nicht gut angekommen.

Zum Apéro werden wir auf das Nachbarschiff eingeladen. Es sind zwei Franzosenpäärchen, die kurz nach mir eingefahren sind. Sie sind auf dem Rückweg von der Bretagne nach Toulon.

Etwas beschwipst, ziehen wir uns auf die SAMANTHA zurück, kochen noch etwas und verbringen einen schönen Abend. Ich schlafe danach wie ein Murmeltier, denn seit gestern Morgen um 0800 war ich auf den Beinen.

 

11-13.10.14

Ein bisschen spazieren, ein bisschen einkaufen, bummeln und einfach das Leben zu zweit geniessen. Die Stadt Melilla hat einen alten Stadtkern mit recht vielen schönen, zT neu renovierten Jugendstilhäusern. Ei grosser Park mit viel verschiedenen Bäumen hilft, sich zu orientieren, denn von diesem Platz aus gehen die Strassen Sternförmig auseinander.

Die Läden sind von 0900 bis 1400 und von 1700 bis 2100 geöffnet.

Auffallend ist, wie viele Leute, Jung und Alt, an der riesig langen Promenade entlang ihren Sport treiben. Wir haben noch nie eine solch sportliche Bevölkerung angetroffen. Hier ist am Abend alles auf dem Jogging-oder Fahrradtrip.

 

14.10.14

Für heute haben wir gestern in einem Reisebüro ein Taxi angeheuert. Für 140€ werden wir um 1000 am Boot abgeholt, es regnet zwar, aber im Auto macht das ja nichts. Zuerst besichtigen wir die Stadt Nador. Dazu überschreiten wir die Grenze von Melilla nach Marokko. Der Grenzübertritt ist ein Spektakel. Diese Leute ! Zu Hunderten hetzen sie schwer beladen von Melilla nach Marokko zurück. Melilla ist ja eine Spanische Enklave an der Marokkanischen Küste. Alles ist hier billig und deshalb kommen sie alle zum Einkaufen.

Die Stadt Nador sei die reichste Stadt in Marokko, da hier das Handelszentrum liegt. An der Atlantikküste ist mehr Tourismus angesiedelt.

Es gibt wirklich einige sehr moderne Gebäude, aber auch viel billige Wohnquartiere.

Von Nador fahren wir die alte Strasse durch die Berge nach Hocima. Auf dem Weg queren wir einige Dörfer oder Kleinstädte, die aber alle total ausgestorben scheinen. Viele sind noch im Bau, bei anderen sind überall die Läden geschlossen. Bergstrasse, So sieht es bei uns aus wenn man von Zürch nach Bern fährt. Es hat zwar links und rechts Hügel, aber die Strasse ist meistens kerzengerade. Ganz am Schluss, kurz vor Hocima befahren wir dann doch noch einen Pass, so dass wir den Begriff Bergstrasse doch noch verstehen.

Hocima ist ein ganz spezielles Städtchen. Es trohnt oben auf dem Hügel, ist absolut sauber und gepflegt und all die farbigen Häuser ergeben ein anmutigendes Bild.

Im Hafen bringt uns der Fahrer zu einem Fischrestaurant. Ich bestelle Crevetten, Rita Sol. Rita bekommt 5 Sols und ich einen ganzen Berg Crevetten. Dazu brngt man uns einen leckeren Salat, einen Teller Paelia und Pommes. Alkoholisches gibt es nicht. Wasser und Cola müssen es tun.

Ich verlange die Rechnung. 215 Dinar. Ich möchte in Euro bezahlen. OK, 215 Euro. Ne, ne.... es gibt einen Wechselkurs. Nein, sie würden die Dinar 1:1 wechseln. Ich bin nicht einverstanden, denn so gut das Essen auch war, 215€ wäre dann doch etwas übertrieben. Also 20€. Jetzt sind wir wieder Freunde.

Patrick schickt mir ein SMS mit Angabe des Wechselkurses. Es sind 110 Dinar für 1 Euro. Also stimmen die 20€ für das Essen wieder, es ist sogar ..s e h r.. günstig.

Die Rückfahrt der Küste entlang wird nun von Sonnenschein begleitet. Die Reise auf der neuen Strasse bringt uns durch eine unglaubliche Natur. Die Felsformationen und die verschiedenen Farben, von Schwarz, über Grau, Oker bis Tiefrot wird uns alles präsentiert.

Ganz zum Schluss will der Fahrer unbedingt noch über den Hügel hinter Melilla abstechen. Ja, es ist den Umweg wert. Von Oben haben wir einen wunderschönen Blick über ganz Melilla und die Gegend drum herum. Das Ganze schein wie ein Nationalpark zu sein.

Fast zurück im Tal, sehen wir ein Polizeicamp, in dem hunderte von Schwarzen wohnen. Dies seien Imigranten, die versuchen über Marokko nach Melilla, Spanien, nach Mitteleuropa zu kommen.

An der Grenze verweilen wir dann wieder über eine Stunde bis wir zurück in Melilla sind. Das Spektakel ist genau so faszinierend wie am Morgen.

 

15.-16.10.14

Wir nehmen es gemütlich. Basteln dies und das am Boot, spazieren in die Stadt, essen ein Eis und besuchen die alte Festung. Die Zeit rast nur so vorbei. Am Abend marschieren wir zu einem Restaurant, das von Einheimischen gern besucht wird. Es ist 2030, und wir sind die ersten Gäste. Vor 2 Minuten wurde aufgeschlossen und der Kellner ist noch nicht in seiner Arbeitskluft. Es dauert ein wenig, aber wir bekommen eine wunderbare Paellia serviert. Diese mit einem Rioja begossen, wird es ein herrliches Abendessen. Als wir uns verabschieden , ist die Bude voll.

 

17.10.14

Noch dies und das erledigen, dann kommt das Taxi und holt Rita ab. Schade, die Zeit ist so schnell verfolgen.

Heute werde ich alles vorbereiten um Morgen weiterzureisen.

 

18.10.14

 

Tief habe ich geschlafen und erwache um 0545. Draussen ist von der Disco her noch immer Hally-Gally. Noch schnell einen Kaffee geniessen, dann wird der Strom abgekoppelt, die Leinen losgeworfen und die SAMANTHA an die Tankstelle gefahren. Hier bekomme ich 100 L Diesel für 109€. Es ist noch dunkel und ich fahre aus dem Hafen und nehme Kurs zum nächste Kap. Überall sehe ich kleine Böötchen, die von Melilla die Grenze umschiffen und nach Marokko fahren. Am Ufer blinken immer wieder Laternen auf und geben Zeichen. Dies sind die Anlaufstellen für die Schmuggler. Die Grenze über Land ist streng bewacht, aber hier kümmert sich scheinbar niemand um den florierenden Schmuggel. Vortgestern wollten 300 Immigranten den Grenzzaun übersteigen Wir hörten die Schiesserei und sahen die Helikopter. Wir wussten nicht was los war, bis Rita dies im Internet auf "20 Minuten" gelesen hat.

Erst gegen 0800 wird es langsam hell. Ich merke dass der Herbst heranrückt und die Tage kürzer werden. In Hocima werde ich die Uhr wieder um eine Stunde zurückdrehen, dies macht dann den Tag etwas länger. Die Ankunft in Hocima ist unspektakulär. Da auf Kanal 16 niemand antwortet fahre ich in den Fährhafen ein und suche ein Platz zum Anlegen. Platz ist knapp, aber hinter dem TUG-Boot sind die paar Meter, die ich brauche frei. Ein Hafenmeister kommt angeschwirrt und nimmt die Leinen ab. Die Formalitäten mit Zoll, Immigration und Polizei sind schnell und unkompliziert erledigt. Läner dauert es um den Hafenplatz zu bezahlen. Es muss extra ein Administrator herkommen um die 22€ zu kassieren. Die Wartezeit verbringe ich mit dem Hafenmeister, der mich im ganzen Hafen umherführt und alles erklärt. Nach gut einer Stunde ist auch die letzte Hürde genommen und ich gehe dierekt ins Restaurant, wenn ich schon gleich nebenan bin. Vorher aber genehmige ich mir ein Bierchen in der Bar daneben, denn da wo ch essen will gibt es kein Alkohol. Die haben dafür keine Lizenz. Zum Bierchen, für 2 € bekomme ich noch einen kleinen gemischten Salat und 5 frisch fritierte Sardienen angeboten.

Im Restaurant begrüsst man mich sehr herzlich. Ich habe doch beim letzten Besuch gesagt, ich käme vorbei zum Essen.

Für 10€ esse ich einen gemischten Salat, Brot, einen Teller Paellia, einen Fischteller mit 5 verschiedenen Fischen, Calamari und Crevetten drauf. Zum Trinken Cola und Wasser. Danach wird mir noch ein Tee serviert. Der Chef setzt sich zu mir an den Tisch und wir plaudern über Gott und die Welt. Sicher ist, dass die Marokaner die Algerier nicht mögen. Auch für die ist die Grenze zu und sie können nur mit einem Visum und mit dem Flieger einreisen. Das schon seit 1964.

Der Rückweg zum Boot ist kein Problem, geht aber durch den dunklen Fischerhafen. Hier soll ab 0400 volles Programm ablauifen, wenn die Boote zurückkommen und die Versteigerung der Fänge beginnt.

 

19.10.14

0700 klingelt der Wecker. Draussen beginnt es gerade zu tagen.

Erst Frühstücke ich, dann marschiere ich zur Immigration um den Pass zu stempeln. Keiner, ausser mein sympathischer Hafenmeister ist da. Er ruft bei der Polizei an. Man sagt ihm , dass um 0830 einer käme. Mir wurde doch gestern versichert dass um 0800 jemand da sei. Marokaner !!!!!

Der Hafenmeister versucht mir die Zeit so kurz wie möglich zu machen. Als dann um 0830 immer noch niemand da ist, geht er mit mir zum Fischerhafen, dort ist auich ein polizist. Dem sehe ich schon in den Augen an, dass er meinen Pass nicht stempeln wird. Schliesslich ruft er aber bei seinen Kollegen an, und vermeldet, dass bald einer komme. Wir Marschieren zurück in den Fährhafen. TFatsächlich, nach 10 Minuten fährt der Uniformierte an.  Stempel und OK.

Nein... ich muss noch die Gendarmerie haben, die mir die Bootspapiere zurückgeben. Er ruft an. Ich soll zum Boot gehen, die kämen dann. als nach weiteren 15 Minuten immer noch niemand erschienen ist, wandere ich wieder zum Herr Grenzbeamten. Er versucht wieder zu telefonieren, 10 Mal, aber es ist besetzt. Als es nach 15 Minuten immer noch besetzt ist. Frage ich wo diesse Gendarmerie sei. Ganz am anderen Ende des Fischerhafens. Wandern ist ja bekanntlich des Müllers Lust, aber nicht meine. Dort angelangt, gibt man mir die Papiere. Ich frage ob einer nun käme um das Boot zu inspizieren. Dabei hoffe ich natürlich, dass ich dann zurückfahren kann. Nein, aber wenn ich wolle, könne er einen Kollegen anrufen, der dann direkt zum Boot käme , direkt von zu Hause. Nein Danke. Das höhrt sich schon fast wie Mittag an.Nach 2 Stunden nerviger Prozedur, kann ich endlich loslegen.

Es lebe Nordafrika. In Algereien brauchte man 1000 Formulare, in Marokko viel Zeit.

Das Meer ist wie eine Öllache und die leichte Brise die weht, ist natürlich auf der Nase, wie sollte es auch anders sein. Ich bin erstaunt wieviele Fischerboote da vor der Marokanischen Küste die Gewässer leerfischen. Das kann doch nicht ewig so dauern und der eine monat Schonzeit, die es gibt, wird wohl kaum langen um die Fischbestände nachwachsen zu lassen.

Da ich heute einen kurzen Schlag bis Jebha, einem kleinen Fischerhafen geplant habe, komme ich dort auch bereits um 1700 an.

sowie ich in den Hafen einfahre, stürmt ein braun-grau Uniformierter herbei und ruft mir zu, dass ich verschwinden müsse. Dies sei ein Fischerhafen und für Privatboote verboten. So steht es aber in meinem Hafenbuch nicht. Es steht da, dass man wohl anbinden könne und dass die Behörden sehr freundlich und nett seien. Ha... das ist ja wohl ein Witz. Davongejagt werde ich, wie ein sündiger vor dem Himmelstor.

Ich dürfe in der nahe gelegenen Bucht Ankern. Danke. Ich drehe ab und bereite mich auf eine Nachtfahrt vor zum nächsten Tagesziel, Ceuta, in der Strasse von Gibraltar. Dort gibt es eine Marina, und Ceuta ist Spanische Enklave, wie Melilla.

Die Nacht durch habe ich leichten Wind und kann segeln. Allerdings sind die Wellen recht hoch, woher das auch kommt.

Auf dem Radar und dem AIS sehe ich keine Schiffe, so dass ich mir zwischendurch doch etwas Schlaf gönne, wie immer mir der Eieruhr in der Tasche.

 

20.10,14

Kurz vor dem Ziel reduziere ich die Segel, damit ich etwas langsamer werde und erst vor dem Hafen stehe wenn der Tag erwacht ist.

Die Uhr muss ich nun wieder vorstellen, von Marokkanischer auf Spanische Zeit. Um 0700 Spanische Zeit kann ich die Umrisse der Halbinsel erkennen und um 0730 sehe ich klar. Ich fahre um 0800 in die Marina ein, obwohl auf dem Funk niemand geantwortet hat. Ein winkender Marinero schleust mich an einen Platz und ich kann dort die Leinen belegen und die Mooringleine aufnehmen. Ein Spaziergang ins Hafenbüro um die Formalitäten zu erledigen, dann frühstücke ich ausgiebig und lege mich dann aufs Ohr. Nach 22 Stunden Tiefschlaf geniesse ich die tägliche Dusche, zieh mich an und wandere in die Stadt. Unglaublich was hier für ein Rummel ist. Es gibt eine Einkaufsmeile , wie die Bahnhofstrasse in Zürich, und obwohl es Montag vormittag ist, ist die Srasse voll.

Nachmittags, bastle ich am Boot, räume den Dingimotor und das Dingi in die Bagskiste, denn für den Atlantik brauche ich das Dingi nicht.

Morgen werde ich einen Ruhetag einschalten und übermorgen gehts los, raus auf den Atlantik. 1.Ziel Madeira, das ich in ca 1 Woche Fahrt erreichen sollte. Die Wetterprognosen sagen wenig Wind von achterlich an. Mal sehen, ich lasse mich dann überraschen. Es war ja geplant, dass Philippe mich auf diesem Abschnitt begleitet, leider ist er aber verhindert und kann nicht kommen. Kurzfristig jemand zu finden der diese Woche mitfahren würde ist schwierig.

 

Hier in Ceuta beginnt ein neues Kapitel meiner Reise.

Zwischen Mostangem und Oran habe ich den Meridian Mittags überschritten und seit dem segle ich nicht mehr auf der Osthälfte der Erdkugel sondern in der Westlichen.

Am 29.Januar 2014 bin ich von Porto Corallo losgesegelt, nach Italien, Kroatien, Monte Negro, Griechenland, Türkei, Cypern, Israel, Libanon, Türkei, Griechenland, Kreta, Italien, Tunesien, Algerien und nun Spanien (Strasse von Gibraltar)

Dabei habe ich im Gesamten genau 7'001 SM gefahren ( 12'569 Km ), davon ca 4000 per Segel und 3000 mit Motor.

Die Hafengebühren sind mit 5200 € zu Buche geschlagen.

An 123 Orten habe ich mindestens 1 Mal angelegt oder geankert,

Ab Morgen, dem 22. 10. 2014 geht die Reise weiter und es beginnt ein neues Kapitel. " Der Atlantik, mit Madeira und Kanarische Inseln "

 

22.10.14

Völlig ausgeschlafen stehe ich um 0900 auf. Nach dem üblichen Frühstück beginne ich mit den Vorbereitungen zum Auslaufen. Strom wird abgekoppelt, der Wassertank aufgefüllt und die Passerelle eingepackt. Auf dem Nachbarschiff begrüsst mich eine Dame aus Genf. Sie ist auf einem Übungstörn mit 4 andren und dem Skipper.

Sie fragt mich wohin ich gehe und ob ich alleine sei. Als ich ihr meine Pläne schilderte, wäre sie am liebsten gleich rübergekommen und mitgefahren.

Nach dem Ablegen steure ich die Tankstelle an und fülle nochmals 60 Liter Diesel für 64€ auf. Es ist schliesslich genau 1100 als ich den Hafen von Ceuta verlasse. Die Durchfahrt der Strasse von Gibraltar ist immer ein Erlebnis. Vor 11 Jahren fur ich in der umgekehrten Richtung und bei Nacht. Diesmal habe ich volle Aussicht. Unglaublich wie viele vion diesen grossen Schiffen sich hier durchzwängen. Ein Kontainerschiff von 300m Länge und 41 m Breite, beladen mit etwa 1700 Kontainern kommt mir ganz nahe. Beeindruckend. Entgegen allen Voraussagen habe ich den wind nicht von hinten sondern auf der Nase. Erst wird mit dem Motor geschoben, dann als er etwas dreht segle ich. Trotz 10 Knoten Wind fährt die SAMANTHA nur 1-2 Knoten, Teilweise sogar nur 0,8 Knoten vorwärts. Habe ich etwa vergessen die Mooringleine im Hafen zu lösen ?

Hin und wieder ist das Wasser ganz ruhig und glatt, dann plötzlich ganz krabbelig. Der Wind kommt von Westen, die Wellen reiten nach Westen, eine komplett verrückte Welt. Es dauert bis späten Nachmittag, bis ich auf der Höhe von Tanger bin, sich die Enge auftut und sich die Welt normalisiert. Jetzt kommt auch der Wind aus der Richtung, wie die Voraussagen waren. Ich setze nur die Genua und lasse die SAMANTHA durch das Wirrwar von ein- und auslaufenden Schiffen ziehen. Teilweise zähle ich bis 30 Schiffe auf dem Plotter. Jetzt an Schlaf zu denken, wäre etwa zu vergleichen mit einem Spaziergang auf der Auobahn, kurz vor Zürich, mit Ohrstöpseln und verbundenen Augen.

Gegen 2300, 12 Stunden nnach dem Start abe ich gerade mal 42 Meilen hinter mich gebracht. 600 liegen noch vor mir.

Schliesslich erreiche ich das Ende der äusseren Seefahrtsstrasse und es wird ruhig um mich, so kann ich dann doch noch ein paar kurze Nickerchen machen. AIS und Radar -Alarme sind eingeschaltet.

 

23.10.14

Nachts hat der Wind aufgefrischt auf 16 Knoten. Die Richtung ist regelmässig und von hinten. Die Wellen 2-3 Meter hoch, lassen die SAMANTHA schlingern. Damit die Fahrt etwas ruhiger wird, Baume ich die Genua aus und setze das Grossegel auf der anderen Seite. Papillon oder Schmetterling nennt man das. Nun reitet die SAMANTHA mit den Wellen. Den ganzen Tag, regelmässiger Wind, Wellen von 3-4 Meter. Mit 7-8,5 Knoten tanzt SAMANTHA gegen Westen Richtung Madeira.

 

24.10.14

Diese Nacht habe ich recht gut bgeschlafen. Kein Schiff, ausser ein Segelboot in 4 SM (ca 7 Km ) Entfernung. Mein Radar zeigt auf 24 SM ( über 40 Km ) weit kein einziges Schiff. Da kann man sich schon einmal etwas Ruhe gönnen. Natürlich sind AIS- und Radar-Alarm eingeschaltet. Aber nichts, die ganze Nacht nichts, so dass ich am Morgen beim Sonnenaufgang um 0800 aus den Federn krieche.

DIe Uhr habe ich seit Ceuta nicht mehr umgestellt. Die Zeit und den Tagesablauf richte ich nach Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. NAch meiner Uhr ist Sonnenuntergang genau 2000 und Sonnenaufgang um 0900. Je mehr ich nun nach Westen komme umso mehr verschieben sich diese Zeiten.

Der Wind steht den ganzen Tag wunderbar und es ist einn Vergnügen zu segeln. Gegen Abend dreht er dann über Norden nach Westen und ich muss mkeinen Kurs anpassen und kann nicht mehr direkt Madeira ansteuern.

Langsam überkommt mich die gleiche Gemütsverfassung, wie ich sie schon 2002 bei der Atlantiküberquerung erlebt habe. Die Zeit spielt keine Rolle mehr und geht einfach mir nichts, dir nichts vorbei. Irgend mal, nach dem Sonnenaufgang, der wie immer ein spektakel ist, kommt der Sonnenuntergang, der auch jeden Tag sehenswert ist und einem erfreut. Jedes Mal ist es etwas anders. Mal mit Wolken in gelb, rosa, purpurrot oder dunkelrot bis violett. Manchmal ohne Wolken einfach so. Ich habe das Gefühl, dass meine Seele an einem Faden aufgehängt ist und einfach mit dem Schiff im Takt baumelt. Weit und breit keine Seele, nichts, als Wasser und Himmel. Es überkommt einem ein Glücksgefühl, das nicht zu beschreiben ist, könnte aber in etwa mit dem Gefühl nach Einnahme von Drogen, vergleichbar sein (wenn die Beschreibungen, die man liest stimmen ), oder mit dem eines Bergsteigers, der oben auf einem hohen Gipfel steht und die ganze Welt vor sich hat.

Zum Abendessen koche ich einen Goulasch und selbst gemachten Kartoffelstock, Die Kartoffeln muss ich brauchen, denn die haben begonnen auszuschlagen. Ich mache genügend Kartoffelstock, damit ich morgen etwas ganz spezielles machen kann.

 

25.10.14

Die Nacht war nicht so ruhig wie gestern. Dreimal wurde ich durch den AIS-Alarm gerufen. Grosse Schiffe fuhren recht nahe vorbei, drehten aber jedesmal ab, wenn sie in der Nähe waren. Das zeigt, dass die mich auf ihren Bildschirmen sehen und anständigerweise ausweichen.

Ein anderer Segler, mit dem ich schon 2 Tage parallel fahre mit einer Distanz von ca 5-6 SM, kam auch näher ran. Dann mitten in der Nacht erwachte ich, weil sich das Verhalten der SAMANTHA verändert hat. Es ist erstaunlich, wie man mit dem Boot absolut eins wird. Ich gehe ins Cockpitt und stelle fest, dass der Wind nachgelassen und auf die Schnauze gedreht hat. Zuerst versuche ich es mit Kurswechsel. Dann aber fahre ich komplett gegen Süden, statt nach Westen. Der Motor musste her und die SAMANTHA Richtung Madeira schieben. Auf dem Bildschirm war köstlich zu betrachten, dass der andere Segler genau die gleichen Manöver gemacht hat. Unsere Track-Linien auf dem Bildschirm verlaufen parallel, wie zwei Räder an einem Karren.

Nach dem Frühstück um 0930 hat sich dei Situation noch nicht verändert. Der Wind, mit 9,8 KN  soweit ok, steht aber genau auf meiner Kurslinie. 40° nach Süden oder Norden müsste ich abweichen, das ist viel und würde die Überfahrt um 2 Tage verlängern. Will ich das?

Mal sehen, wie es sich über den Tag verhält.

Ja, den ganzen Tag habe ich super Wind, der dann schliesslich nach Süden drehte, so dass ich ihn querab habe. Gegen Abend flaut er ab um dann gleich nach Sonnenuntergang nochmals bis zu 20 Kn aufzudrehen, allerdings nur für eine Stunde, bevor er dann, wi ich schlafen geht. Die Nacht durch muss der Yanmar arbeiten. In meinem Umfeld, genau gesagt im Umkreis von 24 SM ist kein Boot auf einem meiner Geräte zu sehen. Obwohl, der andere Segler, der muss in der Nähe sein. So wie es aussieht hat der seine AIS-Anlage ausgeschaltet. Das tun viele auf dem Atlantik um Strom zu sparen. Ich finde das verrückt und nie im Leben würde ich an einem Sicherheitsrelevanten Teil sparen. Heute koche ich etwas ganz spezielles. Ich mache einen "Gummelikuchen". Das ist eine Muetitaler-Spezialität. Ein Blechkuchen mit Kartoffelstock, Speckwürfel und mit Käse überbacken. Dazu verwende ich den übrig gebliebenen Kartoffelstock von gestern. Gummjelikuchen,kenne ich aus meiner Kindheit. Die Mutter von meinem Freund hat den immer gemacht und ich mochtr den so gerne, konnte aber meine Mutter nie dazu bringen, auch so einen zu machen. Nun habe ich das nachgeholt. Er war lecker. Da ich auch noch etwas Teig übrig habe, backe ich noch einen Apfelkuchen. Damit brauche ich endlich den letzten Apfel im Kühlschrank auf. Äpfel hat Rita noch in der Türkei gekauft.

Nachts beginnt es leicht zu regnen, was mich aber nicht stört, denn ich bin unter Deck.

 

26.10.14

Wieder einmal mehr diese Nacht erwache ich, weil die SAMANTHA verändert reagiert. Es ist nach meiner Uhr bereits 0715. Stockdunkel ist es noch. Der Wind ist wieder aufgestanden und ich kan wieder die Segel setzen und den Yanmar von seiner Nachtschicht befreien. Die Sonne geht um 1000 erst auf. Wir sind doch schon ziemlich weit im Westen und nur noch 40 SM von Madeira entfernt. Bald werde ich "Land in Sicht" rufen können, stupid, denn es höhrt es ja niemand.

Nach meiner noch gültigen Bordzeit ist es genau 1600 als i9ch in den Hafen von Porto Santos einlaufe. Der nette Marinero, der mich empfängt erklärt mir dass es für meine Schiffslänge im Moment keinen Platz an den Stegen hat. Ich muss, wie etwa 6 andere Boote im Hafen ankern. Nach einem wohlverdienten Bierchen hole ich das kleine Dingi aus der Bagskiste, Pumpe dieses auf und ab ins Wasser damit.

Nun stelle ich die Uhr um auf Lokalzeit und "gewinne" damit 2 Stunden am heutigen Tag. Dies gibt mir die Zeit an Land zu rudern und dort im neuen Café ein Bierchen zu genehmigen und mit Philippe und Rita zu Skypen.

Das Abendessen fällt spartanisch aus, da ich noch ein Stück vom "Gummelikuchen" habe. Dafür trinke ich heute 2 Gläschen Wein, was mir die entsprechende Bettschwere gibt. Ich bin müder als ich gedacht habe. Nun, da ich sicher im Hafen liege, fällt die ganze Spannung ab und die aufgestaute Müdigkeit, die ich draussen nicht gespürt habe, kommt hervor. Ich falle wie ein Stein ins Bett.

 

27.10.14

11 Stunden ruhigen Schlaf haben mich wieder auf Vordermann gebracht. Heute will ich die Insel besuchen und etwas sehen.

Mit dem Fahrrad, das ich aus der Bagskiste buxiere, fahre ich los. Die Insel ist etwa 3 Km lang, hat einen Fahrradweg paqrallel zur Strasse und ausserhalb des Dorfes ist ein Quartier mit etrwa 4 Hotels.

Entlang des Weges sehe ich zum Teil sehr moderne Villen, die auch irgendwo in Zentraleuropa stehen könnten. Daneben einige typische portugieische alte Gebäude und viele, viele verwarloste, halb zerfallene Gebäude. Dann, auffallend ist, wieviele Häuser leer stehen oder geschlossen sind. Am ende der Insel geht es nicht mehr weiter, die gleiche Strecke muss ich zurückstrampeln. Ein Wegweiser unterwegs zeigt die Richtung zu einem Golfplatz und zum Flughafen an. Ob es hier im Sommer viele Touristen hat, wage ich zu bezweifeln, denn die Insel bietet wirklich nicht viel. Nur 40 SM entfernt liegt ja Madeira, und dort soll es besonders schön sein. Warum denn hierher reisen?.

Im Dorfkern sind einige wunderschöne, neu renovierte Gebäude im portugiesischen Stil, aber es ist ein kleines, verschlafenes Dorf, mit mehr Banken als Kneipen.

Im Hafenbüro erkundige ich mich nach einem Platz in Madeeira. Vor dem 1.November keine Chance, sagt man mir. Man will die Anfrage per Mail machen, denn es ist die Gleiche Firma die auch in Madeira die Marina betreibt. (und die Segler ausnimmt).

 

28.10.14

Heute nehme ich die Wanderschuhe aus dem Schrank, zieh sie an und stiefle den Berg hinter dem Hafen hoch. Von oben hat man einen schönen Rundblick und gute Sicht auf Madeira. Nach dem Abstieg zweige ich auf halber Höhe ab und drehe eine Runde zum Dorf und von dort zurück zum Boot. 2 Stunden zügiger Marsch tut meinen Beinen gut.

 

29.10.14

Heute drödle ich einfach so dahin, bis mich die Unruhe packt und ich die Waschmaschine auseinanderbaue um zu erforchen, warum die letzthin nicht mehr richtig gewaschen hat. Ich finde nichts aussergewöhnliches, bauze sie wieder zusammen und an den Platz, wo sie nun wieder steht. Vielleicht könnte ich ja mal dei Gebrauchsanweisung holen und lesen. Schnell finde ich heraus, dass ich den einen Schalter in einer falschen Stellung habe. Nachdem das korriiert ist, funktioniert sie auch wieder. Idiot !

Vom Hafenbüro bekomme ich die Nachricht, dass für michg ab 1.11.14 nun ein Platz in Madeira reserviert ist.

 

30.10.14

Warten, Scheiben polieren und sonst einige Kleinigkeiten erledigen. Fahrt ins Dorf und zurück mit dem Fahrrad, Die Zeit einfach vorbei bringen. Am frühen Nachmittag kommt eine Spanische Yacht eingefahren. Die Mannschaft, 2 Frauen und 4 Männer stemmen gleich die Tassen hoch. Nach 1 Stunde gehen sie ins Hafencafé, trinken Whisky-Cola, bis sie völlig besoffen sind. Eins der Weiber ist so blau dass sie nicht mehr ohne Hilfe auf den Beinen stehen kann. Nach einer Weile bringen sie die anderen aufs Schiff, wo sie freudig über die Reeling kotzt.

Sowas von primitiv ! Auch das gibt es leider.

 

31.10.14

Gleich in der Früh ins Netz und Mails erledigen, dann warten, warten, warten....

Morgen ziehe ich endlich weiter.

 

   
   

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