REISEBERICHT - Januar 2014

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Bepackt wie ein Esel

 

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Im Zug von Olbia nach Cagliari 3 1/2 Stunden

 

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SAMANTHA hängt 3 Tage in den Seilen

 

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Tagesausflug auf den nahen Hügel

 

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Sicht auf den Hafen

 

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Ein richtiger Wanderweg

 

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Es gibt sogar einen Aussichtsturm, der vor sich hinrostet. Vermutlich ein Relik aus dem kalten Krieg

 

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Rundsichtphoto

 

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Sicht Richtung Hafen

 

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Und nach Norden

 

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Es zieht zu, Zeit zum Rückzug

 

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Organisiert sind die hier, jedoch ist kein Mensch zu sehen und Vögel habe ich auch keine gesehen.

 

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Spaziergang dem Strand entlang

 

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Die Wellen sind heftig

 

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Sicht nach Süden

 

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Schöne Gegend mit spezieller Brücke

 

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Piercarlo nach getaner Arbeit

 

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Letztes Abendessen in Porto Corallo

 

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Adé Porto Corallo, dich habe ich nun 3 Wochen geniessen können (müssen)

 

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Es ist kalt da draussen

 

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Nach 2 Tagen und Nächten kommt Lipari in Sicht, der wind lässt nach

 

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Anfahrt zur Marina Pignataro

 

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Nach 3 1/2 Wochen wieder einmal ein Bierchen und WiFi in Lipari

 

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Schönes altes Stadchen mit romantischen Gässchen

 

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Überall hat es Pflanzen

Ob ich meine elektrische Zahnbürste vermisse ?
Nein. Wenn man um die Welt segeln will,sind ander Sachen wichtiger und man verzichtet auch gerne auf einige unnötige Lxusgüter und Bequemlichkeiten um dafür neue Erlebnisse und Eindrücke zu bekommen. Trotz Allem, der neuesten Elektronik, elektronischen Seekarten, Handy, Skype E-Mails etc, bleibt es immer noch ein wenig Abenteuer, wenn auch wesentlich weniger als noch zu Kolumbus Zeiten.

Ich freue mich auf diesen neuen Lebensabschnitt. Wie lange er dauern wird, das wissen nur die Götter. Ich weiss lediglich wann ich starte, und zwar "JETZT"

Schon 1968 hatte ich den Wunsch mit einem Segelboot um die Welt zu reisen doch dann kam mein Sohn Patrick zur Welt und das änderte die Pläne rasch. Dann 1972, wieder flüsterte mir der Wind zu, dass ich nun die Reise antreten soll, aber dann kam ein Jobangebot, das ich nicht ausschlagen konnte, und wieder schlugen die Wurzeln in den Boden.
2003, ich hörte mit der Arbeit in Deutschland auf, kaufte ich die AMEL SM2000 , taufte sie nach dem ersten Enkelkind auf den Namen SAMANTHA und startete im Mittelmeer, wo ich nach 6 Monaten, die SAMANTHA festzurrte und wieder nach Hause fuhr und erneut begann zu Arbeiten. Ich war noch nicht reif für den Ruhestand.
Dann aber, im 2013, einem Jahr voller Hektick, mit Teilweise bis zu 6 Projektenn gleichzeitig zwischen Genf und Zürich, kam ich manchmal an die physischen und psychischen Grenzen, und als Krönung des Jahres 2013, entschlossen wir im September, die letzten 6 Lofts in Wohlen fertig auszubauen. Mein Entschluss ist dann gereift, diese Lofts und alle Projekte bis zum 20.12.2013 komplett abzuschliessen und mich dann an diesem Freitag um 1600 in den Ruhestand zu versetzen.

Genau so habe ich es gemacht. Am 21.Dezember bin ich morgens aufgestanden und habe mich gefragt, was ich nun tun soll.
Mit PC-Aufräumen, Files sichern und Neujahrskarten verschicken habe ich die Zeit bis Neujahr verbracht. Nun war es an der Zeit, die Koffer zu packen.
Am Freitag, den 3.Januar holte uns ( Rita und mich)  Brigitte ab. Die beiden Frauen hatten sich angeboten, mich mit meinem Gepäck, ( einen grossen Rucksack, ein Rollköfferchen, eine grosse Reisetasche mit Rollen, und einem kleinen Rucksack) nach Genua zu chauffieren, wo ich um 1800 die Fähre besteigen soll.
Meine grosse Sorge war, wie ich wohl vom Quai in die etwa 2-3 Stockwerk höher gelegene Kabine kommen werde, denn mit all dem Gepäck glich ich eher einem Packesel als einem Segler.

In Genua angekommen, haben wir in der noch weihnachtlich geschmückten Altstadt einen Spaziergang gemacht, dann kam die Stunde des Abschiedes vor dem Fährterminal. Es war schwer von Rita Abschied zu nehmen, denn, es soll eine lange Zeit sein, bis Sie mich dann irgendwo besuchen kommt.

Schade ist, dass Sie das Segeln nicht verträgt und Sie mich somit nicht begleiten kann.
Leider hat auch Julia, die Tochter unserer Freunde aus Norddeutschland, mit denen wir mehrmals gesegelt sind, ihre Absicht, mich zu begleiten, absagen müssen, denn sie hat in Australien einen Studienplatz ergattern können, und die freudige Mitteilung am 20. Dezember erhalten. Nun starte ich meine Reise eben alleine. Wie es wird, so ganz ohne Begleitung unterwegs zu sein, werden wir sehen, und Ihr könnt das in den folgenden Berichten miterleben.

Noch ein letztes Küsschen, ein sanftes Streicheln über die Wange, dann eine Drehung um 180° und vorwärts Marsch zur Fähre.

Dank einer Rolltreppe und einem Lift erreiche ich ohne Mühe die Kabine. Noch ein Nickerchen, dann ein kleines Bierchen an der Bar und schliesslich bediene ich mich im Restaurant (Selfservice). Ich verstehe nicht, dass man scheinbar auf diesen Fähren nur irgendwelche (sicherlich ungelernten) Köche beschäftigt. Das was ich da auf den Teller geschmissen bekomme, dürfte in einem schweizerischen Knast nicht aufgetischt werden, die würden sonst wegen Verbrechen an der Menschlichkeit verurteilt. Was ich gegessen habe, kann ich Euch nicht sagen, es war auf italienisch angesschrieben, und beim Essen habe ich es auch nicht herausgefunden. Ausser, die öltriefenden Kartoffelstengel, die nennt man bei uns so irgendwie wie Pommes.

Die Nacht ging relativ schnell vorbei und um 0800 landete die Fähre plangemäss in Olbia. Mit einem Taxi, lasse ich mich zum Bahnhof bringen, wo ich den Zug um 0830 nach Cagliari erwische. 3 1/2 Stunden Bahnfahrt, durch wolkenverhangenes Gebirge und neblige Landschaften, dann hält der Zug genau nach Fahrplan um 1151 in Cagliari. Zur Busstation muss ich mein Gepäck nur über die Strasse schleppen. Nach Fahrplan geht der Bus um 1230, und ich bin der einzige Passagier, bis dann einige Stationen später noch 3 Leute zusteigen. Für 5€ kann man in der Schweiz nicht 1 1/2 Stunden Bus fahren ! In Muravera lasse ich mich in der nähe des Supermarktes absetzen. Hier kaufe ich noch einiges ein, damit ich die ersten Tage nicht ganz ohne Proviant bin. Nun kommt zum Gepäck noch eine volle Tragtasche dazu. Das geht mit einem Body, 2 Armen und 2 Beinen überhaupt nicht mehr. Ich rufe Giancarlo an, er soll mich mit seinem Taxi abholen und direkt in den etwa 4 km entfernten Hafen zum Schiff bringen.

Alles klappt bestens. Das Boot haben die von der Marina, wie per E-Mail gebeten, nahe genug an den Steg verlegt, so dass ich ohne Probleme die SAMANTHA bereits um 1500 entern kann.

Nachdem alles auf dem Boot ist, verstaue ich die Nahrung, die Klamotten und alle anderen Mitbringsel. Bereits um 1700 ist alles soweit bereit, dass ich aufschnaufen und die Anreise als beendet melden kann. Wasser und Strom sind vorhanden, leider aber funktionier das WIFI schon wieder nicht. (Ich habe hier höchstens einmal erlebt, dass das WIFI-Netz funktioniert hat).

Abends koche ich eine Portion Teigwaren (Müscheli) die noch als eisene Reserve in einem Schaps liegen.

Um 1900 ist es bereits dunkel, die Temperatur liegt draussen bei 12°, dank der gut funktionierenden Heizung habe ich im Boot angenehme 20°.

Ich wollte noch einige Zeilen lesen, schlafe aber sofort ein. Scheinbar ist der Stress bereits von meinem Körper und Geist abgefallen.

Gute Nacht.

 

5.1.14

So ganz gut habe ich noch nicht geschlafen. Ungewohnt sind die Geräusche noch. Knierschende Leinen, klappernde Teile usw, so dass ich nicht ganz ausgeruht aufwache. Die erste warme Dusche weckt die Lebensgeister endgültig auf.

Zuerst baue ich das Winterdach über dem Cockpitt auf. Damit habe ich über dem Cockpitt ein grosses Zelt, das mich von dem draussen tobenden stürmischen Regenwetter angenehm schützt.

Das Frühstück geniesse ich, obwohl der Kaffee aus der Expressomaschine noch etwas schal schmeckt. Die Bohnen sind noch vom August und haben trotz Tuperware scheinbar etwas von ihrem Geschmack verloren. Mit rumdöseln, umräumen und aussortieren von altem Kram verbringe ich den Sonnteg. Als die Wolkendecke am Nachmittag aufreisst, wage ich einen Spaziergang in der Nähe, werde aber böse verregnet. Genüsslich mache ich mich danach im warmen Schiff breit. So eine Heizung weiss man bei Aussentemperaturen von 12-13° zu schätzen.

Zum Nachtessen koche ich einen Eintopf von Reis und Erbsen, dazu gibt es Fischstäbchen, bei denen man nicht weiss aus was sie sind und nach was sie schmecken sollten. Das Paket ist auf italienisch beschriftet und somit weiss ich nicht was genau die Erzeuger damit bewerkstelligen wollten.

 

6.1.14

Heute ist (wäre) eigentlich der erste Arbeitstag im neuen Jahr, nach all den Festtagen , endlich wieder Zeit etwas zun tun. Nicht so aber in Italien. Heute wird noch nicht gearbeitet, man geht das Jahr langsam an. Ich kann heute auch nichts tun, denn die Werft ist geschlossen. Abwarten.

Abends marschiere ich ins nächste Dorf, 2 km, um dort einen Fisch zu essen. Nichts ist, auch diese Pizzeria ist geschlossen. Zurück, und selber kochen. Es gibt Spaghetti und Hamburger. Nicht schlecht.

 

7.1.1

Es ist bereits 0900 als ich eine sich langsam abzeichnende Aktivität in der Werft festelle.

Ich find dann auch Giuseppe, der Werftmeister, mit dem ich das weitere Vorgehen bespreche. Die Marina-Leitung hatte den Kran für heute reserviert, und so kommt Luca ins Spiel. Er ist der Kranführer. Zusammen holen wir die SAMANTHA unter den Kran und dann wird sie herausgehoben. In den Seilen hängend wird geputzt und geschruppt. Unglaublich was sich da wieder an Müschelchen und Bewuchs festgekrallt hat.

Ich fange an mit dem Ausbau des Bugstrahlruders ( ein Propeller an der Spitze des Schiffs, mit dem man das Boot seitlich bewegen kann).Statt ca 20 Minuten brauche ich ganze 2 Sunden für diese Arbeit, denn alles ist total eingerostet und verrottet. Zusammen mit Giuseppe bauen wir das Teil auseinander um festzustellen, dass die Innereien komplett kaputt sind. Die Kugelleager sind gebrochen und die Kügelchen fallen heraus wie Erbsen aus einer Konservendose. Das sieht gar nicht gut aus. Giuseppe will Morgen nach Cagliari fahren und die notwendigen Ersatzteile holen.

Diese Nacht bleibe ich auf der SAMANTHA, die in den Kranseilen hängt.

Abends, nach einer Platte Spaghetti Pommodore, einem Whisky und einer Birne zum Dessert, schaue ich erstmal einen Film auf DVD an.

Marylin Monroe, nicht schlecht.
Die Nacht ist ruhig. Keine Leinen die knierschen.

 

8.1.14

Aufgestanden mit dem erwachenden Tag. Genüssliches Frühstück. Mein erster Kaffee hat die Lebensgeister geweckt. Ich bin eben dran den 2.Kaffee rauszulassen, da stellt die Maschine ab. Ein Arbeiter hat das Kabel rausgezogen um seine Maschine anzustellen. Pech, wäre ich früher aufgestanden !
Nun beginnt das Warten, Guiseppe kommt irgendwann von Cagliari mit den benötigten Teilen. In Italien kann das dauern, auch wenn Cagliari nur eine Stunde weg ist. Nachmittags um 1500 kommt Guiseppe. Er hat alle Teile und beginnt auch gleich mit dem Zusammensetzen. Als er fertig ist und das Bugstrahlruder wieder ins Boot eingebaut werden könnte ist Luca, der Kranführer bereits nach Hause gefahren.

Also wird es Morgen. Nochmals eine Nacht in den Seilen.

 

9.1.14

Für heute habe ich mit dem Arbeiter ausgemacht, dass er den Stecker erst zieht, wenn ich mit meinem Kaffee fertig bin. So bekomme ich ein gutes und komplettes Frühstück zwischen die Zähne.

Gleich danach beginne ich mit dem Einbau de Bugstrahlruders, ich sagte beginne ! Ich werde halb verrückt, das Teil will einfach nicht mehr an seinen Platz, und wie beim Ausbau muss ich mit einiger sanfter Gewalt dran, bis dann endlich die Schraubenlöcher aufeinander passen und dann nanch ca 2 Stunden der Testlauf beginnen kann. Es funktioniert ,

Halleluja !!!!

Nun aber schnell zurück ins Wasser. Vorher habe ich mit Guiseppe noch den Einsatz für einen neuen Geschwindigkeitsmesser im Schiffsboden eingebaut. Das war allerdings kein Akt.

Wieder im Wasser und am Steg am gewohnten Platz festgemacht, baue ich das neue Beibot (Dingi) hinten auf das Sonnendeck. Das alte Dingi ist für 8 Personen und viel zu gross als dass ich es an Deck platzieren konnte und mitziehen ist so eine Sache, wenn Sturm aufkommt, dann kann das Dingi schon mal zu einem Drachen werden und vom Wasser abheben, eine nicht ungefährliche Situation. Das neue kleinere Dingi für 4 Personen kann ich leicht handhaben und eben, an Deck verzurren.

Ich spanne 2 Life-Leinen (das sind Leinen die beidseitig vom Boot an Deck vom Bug bis Heck gespannt werden), wo ich meinen Hacken einpiecken kann, wenn ich ausserhalb des Cockpits muss. Alleine auf dem Boot kommt einem niemand zu Hilfe wenn man über Bord geht, deshalb ist alles an Sicherheit zu beachten um nicht von Haien gefressen zu werden.

Um 1700 habe ich Giancarlo bestellt. Er soll mich zum Supermarkt fahren damit ich meinen Grosseinkauf machen kann. Es ist das erste Mal in meinem Leben dass ich mit einem Taxi zum Einkaufen fahre.

(Es gibt bei uns in Wohlen, Sozialhilfe-Bezüger, die regelmässig mit dem Taxi vom Einkaufen kommen, warum soll ich nicht auch mal so einkaufen gehen ?)

Es ist unglaublich, was dieser neue Supermarkt (EUROSPIN) alles zu bieten hat. Ich fülle einen ganzen Karren, so dass ich für die nächsten 6 Wochen keinen Mangel haben werde, und das kostet mich alles zusammen gerade Mal 143€. Unglaublich. Sogar der Whisky hat nur 3,75€ gekostet.

Ich verstaue alles im Boot und mache mir ein herrliches Abendessen.

Mit einem Konzert von David Gerret, beschliesse ich einen gemütlichen Abend. An Musik fehlt es mir nicht, ich habe auf einer Harddisk gegen 1300 Musikstücke dabei.

 

10.1.1

Freitag ist es. Ich habe nichts weiteres zu tun als zu warten, bis ich die Kettenverlängerung bekomme. Die soll am Montag geliefert werden. Ich will zu den 60 m Ankerkette noch 30 m anhängen, denn es gibt viele Orte, wie in der Karibik wo der Strand steil abfällt und man bei relativ grosser Wassertiefe den Anker setzen muss, da sind die 60m einfach zuwenig. Weiter ist es ein Sicherheitsaspekt, wenn mal der Wind auf Sturm aufdreht, dann sind lange Ketten von grossem Vorteil.

Gegen 1030 lege ich vom Steg los um aufs Meer hinauszufahren. Obwohl es fast kein Wind hat und ich rumdümple, bekomme ich das gute Gefühl vom Segeln.

Ich bin gerade unten in der Kabine und am Bericht schreiben , als ich ein dumpfes Motorengeräusch höre. Ich schau raus und da kommt die Guarda Financa angerauscht. Sie umkreisen mich erst, wie es auch die Haie um ihr Opfer tun, dann kommen sie näher und verlangen alle Papiere zu sehen. Wie üblich gebe ich diese ins hingehaltene Netz und dann beginnt das Warten. Was die mit meinen Papieren eine halbe Stund gemacht haben, ist mir schleierhaft, aber danach bekomme ich alles zurück, mit den kurzen Worten, "Touti OK" und "arive derschi".

Und schon ist der Akt vorbei.

Zurück im Hafen kommt Guiseppe und meldet, dass die Kette bereits heute geliefet wurde und das sei ungewöhnlich. Scheinbar haben sich die Italiener nun doch vogenommen sich 2014 zu bessern und wieder zu schaffen um sich aus der Kriese zu boxen.

Zum Abendessen gibt es panierte Fischfilets, Bratkartoffeln, Fenschel an Buttersauce und zum Dessert 2 Pralinen..

Danach geniesse ich ein Elvis-Konzert das fast 2 Stunden dauert.

Morgen , obwohl Samstag, will Guiseppe die Kette montieren.

 

11.1.14

Heute Samstag, gleich nach dem Frühstück verhole ich die SAMANTHA in die Werft, wo Giuseppe die 30 zusätzlichen Meter Kette montiert. Dank einem neuen Mitnehmerrad an der Ankerwinch werde ich in Zukunft kein Problem mehr haben den Anker hochzuziehen.
Nachmittags ist grosse Besprechung wegen der Elektronik. Pierre Carlo ist aus Cagliari gekommen und wir erörtern die verschiedenen Möglichkeiten der Aufrüstung. Meine Anlage ist nun 11 Jahre alt, und das ist in der Elektronik eine lange Zeitspanne.

Sicher will ich eine TV Antenne, die es erlaubt, auch dann Fernzusehen, wenn ich in einer Bucht vor Anker liege. Dann wird überlegt, ob ich einen neuen Kartenplotter brauche, denn die Disketten, die ich im Moment habe, gibt es nicht mehr. Weiter brauche ich eine neue Funkanlage VHF, denn meine jetzige ist am Ende ihres Lebens angekommen. Wenn ich dann noch AIS habe, das mit der Funkanlage gekoppelt ist, kann ich dann am Radar die Informationen über die Schiffe abrufen, die ich auf dem Radar sehe. Über jedes Schiff, kann ich dann erfahren, wie gross es ist, was für ein Typ Schiff es ist, wohin es fährt, wie schnell es fährt und die Richtung. Das ist ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, und gehört zwischenzeitlich zu einer modernen Ausrüstung. Montag werde ich wissen was die einzelnen Komponenten kosten und werde dann entscheiden, wie die SAMANTHA aufgerüstet wird.

Da ich nun weiss, dass ich sicher noch 10 bis 14 Tage hier im Hafen bleiben muss, bis alles installiert sein wird, hole ich meine Parabol-Antenne heraus und montiere diese am Steg. Alleine die Einrichtung der Antenne vorzunehmen ist ein Challange. Raus aus dem Schiff, 5 mm drehen, rein ins Schiff, kucken ob das Bild erschienen ist, raus aus dem Schiff........ und so 100 Mal.

Schliesslich sehe ich einen Mann daherspazieren, der sieht wie ein Segler aus. Ich spreche ihn an, er spricht gut französisch. Er kennt sich mit solchen Antennen aus, hatte selber eine, und ist bereit mir zu helfen.

Er dreht aussen an der Antenne und ich glotze auf den Bildschirm. Nur Ameisen. Schliesslich schraube ich den Fernseher aus der Halterung, und stelle fest, dass der Stecker der Antenne hinten gar nicht eingesteckt ist. Ich muss jedes Mal den Stecker wechseln, wenn ich von DVD auf Antenne umschalte. Hatte ich vergessen. Nun, da der Stecker sitzt, bekomme ich auch sehr schnell das Bild und kann mich auf gemütliche Fernsehabende freuen.

Nachmittags nutze ich die Zeit um die erste Wäsche zu machen. Abends ist alles gewaschen, getrocknet und säuberlich verräumt. An mir hätte jede Hausfrau ihre Freude.

Es ist bereits 1830, als all dies funktioniert, und nun ist Zeit zu kochen.

Es gibt eine Spargelcrèmesuppe, danach Reis und gebratene Garnelen, dazu Erbsen. Die Garnelen sind irgendwie komisch. Die riechen stark nach Fisch und gar nicht nach den gewohnten Crevetten.

Auch dieses Packet ist auf italienisch angeschrieben und somit bleibt es ein Mysterium, was ich hier gerade esse.

Nun. alles, fertig, den Abwasch gemacht, schaue ich mir einen amüsanten Film an " Ein Sommer in Rom" auf ARD. Im ganzen habe ich die Wahl zwischen ungefähr 30 Kanälen, aber einer ist schlimmer als der andere. Also bleibe ich bei den bekannten, deutschen Programmen.

Zum ersten Mal, gehe ich heute vor dem Einschlafen nochmals raus und schütte etwas Spüli, über die Anmacheleinen, so wie das Rita immer gemacht hat, und siehe da, es knirscht und knarrt nichts mehr, ein ruhiger Schlaf ist garantiert.

 

12.1.14

Es scheint nicht der richtige Tag zu sein. Es ist zwar Sonntag, aber der beginnt nicht wie man es gerne hätte. Mein Aftershave-Flacon fällt mir aus der Hand und knallt in die WC-Schüssel, natürlich in 1000 Scherben. Das heisst, heute wirst Du das WC auseinanderbauen und die Scherben rausholen.

Dann wird Frühstück gemacht. Natürlich geht das Gas aus, bevor das Frischbackbrot knusprig ist. Gas wechseln. Aus dem Kühlschrank kommt ein komischer Duft, die Prüfung des Eisfaches ergibt, dass es dort kein Eis hat. Kühlschrank ausgestiegen ? Ich schraube auf eine höhere Stufe und werde später prüfen.

Draussen ist es katzgrau, windstill und bewölkt, ich werde heute das Fahrrad herausholen und auf eine Tour gehen.

Natürlich hat das Fahrrad 2 platte Reifen. Die Pumpe, die ich dafür gelagert habe bricht gleich beim ersten Versuch auseinander. Aber... es gab da eine Zeit, da hat Rudolf gebastelt und eine Pumpe gebaut, die ich an der Tauchflasche anschrauben kann, und somit kann ich, ohne schwitzen (wäre bei 13° zwar keine Gefahr) die Reifen auf Betriebsdruck bringen. Genial. Strampelnd und hechelnd erreiche ich Villaputzu, das einem Totendorf gleich kommt. Kein Mensch zu sehen (ich will ja gar keinen sehen) und das Café ist geschlossen. Umdrehen und zurückfahren. Den Abend versüsse ich mir mit einem Film. (Rosamund Pilcher , ha ha...)

 

13.1.14

Heute warte ich auf das Angebot für die neuen Installationen, das mir Piercarlo für heute versprochen hat. Natürlich vergeblich, wie wäre das in Italien auch anders möglich. Ich lese im Buch , "Mafia AG" weiter. Es ist erschreckend zu verstehen, wie unterwandert und verrottet das ganze System in diesem so schönen Land ist. Die werden nie wieder auf einen grünen Zweig kommen, das kann man auch hier im Hafen feststellen. Da gibt es eine grosse Halle, die ist eigentlich für die Werft gebaut worden. Da sich aber einige lokale Beamte nicht über die Zuständigkeit einig sind, steht die Halle leer und die Werft arbeitet draussen im Freien. Dann ist das neue Hafengebäude, das wurde vor 3 Jahren begonnen, ist eigentlich fertig, aber steht leer. Dort gäbe es alles was eine gute Marina braucht. Aufenthaltsräume, Wäscherei, Büros, Sanitäranlagen etc. aber auch das Gebäude steht, wird aber nicht genutzt. Es stinkt nach Mafia, obwohl das hier verneint wird. Jemand hat Geld verdient um die Anlage zu bauen (es gehört der Kommune), nun liegt es brach und bringt kein Geld. Das ist in Italien leider überall so, deshalb werden die sich nie erholen, wenn so weiter gewirtschaftet wird. Und es wir so weiter gewirtschaftet. Es lebe die Staatsverschuldung die Milchbrust der Mafia.

 

14.1.14

Ich warte immer noch. Um die Zeit zu vertreiben, mache ich die Leinen los und gehe vor dem Hafen etwas segeln. Abends esse ich zur Vorspeise eine Advocado, danach feine Spagetthi Bolognese. Mit einem netten Film beschliesse ich den Abend.

 

15.1.14

Immer noch kein Angebot aus Cagliari. Wenn das so weiter geht, verzichte ich und starte endlich meine Reise. Da bekomme ich ein SMS mit der Mitteilung dass ich heute das Angebot bekommen werde. Ich laufe aus und geniesse den herrlichen Wind. Endlich, das erste Mal so richtig segeln. Die SAMANTHA läuft mit 7-8 Knoten ( 13-14 Km ) nach Villasimius und zurück.

Um 1600 bin ich zurück an meinem Platz, hole das Angebot im Büro ab und regle die Rechnung von Guiseppe. All die Arbeit, die Kettenverlängerung, das neue Winchrad, die Teile fürs Bugstrahlruder, das neue Dingi etc kostet gerade Mal 1500€. Alleine die Arbeit berechnete er nur mit 180€, das kostet bei uns ein Anwalt in 54 Minuten.

Zum Nachtessen koche ich ein Lauchreis und dazu gibts gebratene Hähnchenschenkel. Den ganzen Abend bin ich vertieft in ein neues Buch, "Die Analphabetin die rechnen konnte". interessant.

 

16.1.14

Wieder 9 Stunden geschlafen. Die Sonne scheint aber es geht ein kühler Wind. Kaum ist das Frühstück fertig, ruft mich Antonio, der Harfenchef an und meldet, dass Giuseppe bereits die Detailpläne für die TV-Antenne bekommen habe. Ich schlendere zur Werft, wo mir Giuseppe die technische Zeichnung zeigt, die er bekommen hat. Ich traue meinen Augen nicht. Da zeigt der Bildschirm einen Mast von 8 cm Durchmesser und die Antenne soll etwas über 70 cm im Durchmesser sein. Was hat sich da Piercarlo wohl dabei gedacht ? Ich hab doch keine Riesen-Hochseejacht, noch ein Kreuzfahrtschiff !
Sofort rufe ich an, er soll ja nicht dieses Teil bringen. Eine übliche Grösse frür meine Samantha liegt so bei 25-30 cm Durchmesser.

Alleine für den Betrieb dieser Grossantenne müsste ich dauern den Generator laufen lassen. Das kann doch nicht wahr sein. Irgendwo ticken diese Italiener doch nicht ganz richtig. Piercarlo nimmt meine Anrufe nicht entgegen und hat immer die Ausrede, dass er beschäftigt sei. Komisch, nicht ?. Die Telefonate von Antonio beantwortet er.

Ich bekomme ein SMS das besagt dass er eine kleinere Lösung suche.

Frustriert gehe ich zurück ins Boot. Draussen ist es saukalt, wegen dem Wind. Ich baue den Kartenplotter auseinander, und suche den Pipser, den ich anzapfen möchte um die Alarme über einen Aussenpiepser, in meine Kabine zu leiten. Das Problem ist, dass ich die Ankeralarme nicht höre, wenn ich in meiner Kabine schlafe. Mit dem Aussenpiepser könnte ich das Problem beheben. Das entsprechende Kabel, hab ich bereits vor Tagen gezogen, nun müsste ich nur noch den Piepser installieren. Im geöffneten Kartenplotter höre ich zwar den Alarm, aber von welchem Teil das generiert wird bleibt mit schleierhaft. Nichts sieht so aus wie ein Piepser, nur lauter kleine Teile sind auf der Platine aufgelötet. Mist. Ich war doch so sicher dass ich das auch kann, denn Gestern habe ich den Speedometer mittels Buch auch selber angeschlossen und kalibriert. Er funktioniert wunderbar und gleichzeitig bekomme ich noch gemeldet wie warm das Wasser unter dem Schiff ist. ( Das Thermometerentlein hatte sich ja letztes Jahr davon gemacht und bei Patrick ist dann auch der Wasserthermometer in die Brüche gegangen. Nun weiss ich, dass das Wasaser 15,3°C hat, zu kalt zum Baden. (Letzteres hätte ich auch gewusst, ohne diese Installation, aber sie ist nun halt mal Bestandteil des Speedometers, und ganz praktisch.)

Das Demontieren des Plotters war gar nicht schwer, auch die Wiedermontage. Nur, als der Potter wieder an seinem Platz sitzt, bleibt der Bildschirm schwarz. Mist. Erneut nehme ich das Teil auseinander (es hat sehr viele Schrauben), und finde auch ein Verbindung die nicht sauber gesteckt ist. Nun aber müsste es klappen. Nein, tut es nicht. Immer noch bleibt der Bildschirm schwarz. Alles nochmals von vorne, und diesmal finde ich den kleinen fiesen Stecker, der sich nicht selber wieder eingesteckt hatte. Jetzt klappt es. Die Maschine läuft wieder wie zuvor.

Was habe ich denn den gamnzen Tag lang gearbeitet und was damit erreicht ? NICHTS. Das können sich wirklich nur Rentner leisten ! Dabei habe ich sogar vergessen dass es eine Zeit am Tag gibt, die man Mittag nennt, und der begüterte Mensch sich dann etwas zwischen die Zähne schiebt. Ausser 3 Datteln, gabs eben heute nichts, ich hatte keine Zeit !

Abends koche ich mir ein Filet aus dem Tiefkühler, es steht "Suino" drauf, aber da ich kein Internet habe, kann ich auch nicht nachschauen, was ich mir hier für ein Tier koche. Macht nichts, es wird gegessen was auf den Tisch kommt, wie früher bei Mama. Die Ofenpommes, erkenne ich an deren Form, gebacken sind die nicht, auch nach 15 Minunten im Backofen nicht. Hingegen die selber gemachte Pilzsauce ist eine Wucht. Lediglich habe ich die Vermutung, dass ich anfänglich ganz feines Paniermehl erwischt habe um die Bejamel-Sauce zu machen, denn die Sauce ist ganz leicht körnig, (so wie feiner Sand) aber der Geschmack ist lecker. Zum Nachtisch gibt es (Caramelköpfli), die aber erst etwas später, denn ich habe auf der Packung gelesen, dass man diese nach dem Kochen, 2-3 Stunden im Kühlschrank auskühlen müsse.

Es ist ja sowiso nicht gesund, alles so schnell herunterzuschlucken, da lege ich eine kleine Pause zwischen den Hauptgang und dem Dessert.

Wärend dem Kochen, höre ich Gräusche von aussen. Es ist ein Segelboot mit Norwegern, die sich neben die SAMANTHA legen.

Die schauen komisch aus der Wäsche als sie vernehmen, dass das nächste Restaurant 4 km weit weg ist und die nächste Einkaufsgelegenheit 5 km. Ob die wirklich bis Samstag bleiben ?

 

17.1.14

Heute sind es genau 2 Wochen seit ich von zu Hause aufgebrochen bin und es wird ein ereignisreicher Tag. Ich bekomme Informationen über die TV-Antenne, die klar zeigen, dass es für mich nicht die gewünschte Lösung gibt. Entweder ich nehme eine Antenne, die mindestens 55 cm im Durchmesser ist und den Gebrauch des Generators oder Motors voraussetzt, oder ich nehme eine kleine Antenne, von 30 cm, die ich mit den Batterien betreiben könnte, aber im Mittelmeer nur ganz beschränkt Satelitenempfang habe. Die Sateliten sind, scheinbar so ausgerichtet, dass sie dorthin strahlen, wo Menschen leben nämlich auf dem Festland.
Somit ist für mich nun die Idee einer Antenne, nach über einer Woche warten, gestorben. Es ist doch erstaunlich, dass man mit Warten, gescheiter werden kann. Es bleiben nun noch der Ersatz des Kartenplotters und der Funkanlage. Dafür warte ich nun noch einmal bestimmt eine weitere Woche. Wenn ich mich selber so analysiere, erstaunt es mich, wie geduldig ich geworden bin. 3 Wochen hier warten bis diese Kleinigkeiten erledigt sind, das gabs in meinem Leben noch nie. Um 1630 sattle ich das Fahrrad und radle ins Dorf um noch einige Kleinigkeiten einzukaufen. Unter Anderem, brauche ich Regeneriersalz damit ich den Geschirrspüler in Betrieb nehmen kann. Eigentlich hatte ich vor, diesen auszubauen und an seiner Stelle eine Vorratskammer zu erstellen, aber, solange das Ding tut, soll man es auch würdigen und gebrauchen, und genau das mache ich nun.

 

18.1.14

Draussen ist es nicht sonderlich kalt, als ich nach über 10 Stunden Schlaf endlich die Rübe aus der Lucke strecke. Warum ich so viel schlafe ? Vermutlich muss ich immer noch meine Batterien aufladen. Oder ist es deshalb, weil ich die ganze Nacht sanft hin und her geschaukelt werde? Endlich hört auch meine Nase auf zu triefen. Brauchte ich anfäglich noch eine ganze Küchenpapierrolle pro Tag, so hat sich das nun auf eine pro Woche reduziert. Um die Wartezeit zu verkürzen, mache ich die Leinen los und fahre hinaus aufs Meer. Leider hat es dort keinen Wind und nur grössere Wellen, so dass ich einfach während einigen Stunden dahindümple und richtig durchgeschüttelt werde. Auch das ist Warten, nur eine andere Art.

Ich habe mir eine Liste von kleinen Arbeiten angelegt und von Zeit zu Zeit erledige ich die eine oder andere. Das erinnert mich an die Mängellisten auf den Baustellen, nur dass hier keine Hetze ist um diese zu abzuarbeiten. Was nicht heute gemacht wird, wird ein andermal erledigt.

Heute koche ich" Penne di Mare" und den restlichen Blumenkohl, denn der wird schon leicht braun aussenherum. Dessert gibt es keines.

 

19.1.14

Draussren ist ein Sauwetter, es stürmt und dazwischen prasselt Regen auf das Deck. Ich verbringe die Zeit mit Lesen, eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Eigentlich hätte ich noch so einige Punkte auf dem Zettel, die ich abarbeiten sollte, aber eben, im Moment habe ich keine Lust dazu. Neuartig ist, dass ich die kleinen Arbeiten nur dann erledige, wenn ich Lust dazu habe. Früher habe ich das immer gleich getan, wenn ich etwas entdeckte. So kann man sich scheinbar im Rentenalter verändern ! Irgendmal komme ich auf die Idee, den Fernseher einzuschalten, aber oh, da ist kein Signal. Bei dem stürmischen Wind wurde die SAMANTHA zum Teil vom Steg weggedrückt und das Kabel hat an der Antenne gezurrt, so dass diese nun verstellt ist. Erst versuche ich die Antenne neu zu orientieren. Nach dem 50.Mal rein ins Boot, raus aus dem Boot, Antenne um 5 mm verschieben, rein ins Boot, raus aus dem Boot...... komme ich doch zur Einsicht, dass es alleine so nicht zu schaffen ist. Ich rufe Luca, den ich in der Nähe sehe. Er hilft mir. Zu zweit müsste es eigentlich gehen. Einer schaut auf den TV, der andere fummelt an der Antenne herum. Aber auch das bringt nicht den gewünschten Erfolg. Schliesslich baue ich die ganze TV Anlage draussen im Cockpitt auf um direkten Blickkontakt zum Bildschirm zu haben. Schon nach kurzer Zeit ist die Mühe durch Erfolg gekrönt. Nun könnte ich Fernsehen, habe aber keine Lust. Ich ziehe die Ausgangsschuhe an un unternehme einen Spaziergang in der Umgebung. Das Wetter hat aufgeklart und die Sonne blinzelt durch Wolkenlücken. Ich habe schon vor einiger Zeit eine Ruine auf einem nahe gelegenen Hügel ausgemacht. Von dort müsste man einen schönen Rundblick haben. Wie ich mich aber dem Ort nähere höre ich überall Schüsse. Es scheint, dass man hier auf der Jagd ist. Nun, durch die Pampa und die Büsche zu schleichen, scheint mir doch etwas gefährlich. Es könnte ja ein überfleissiger Jäger, in mir einen alten Bock erkennen und sein Jagdglück ausprobieren. Da ich glaube, keine Hörner zu haben, aber eine schwarze Jacke trage, wäre es möglich mich mit einem Schwarzwild (Wildschwein im Jägerlatein) zu verwechseln. Ich bleibe auf der Landstrasse und marschiere gute 3/4 Stunden in einem Bogen zum Hafen zurück. Der Himmel hat sich nun in ein wolkenloses blaues Firmament verwandelt. Ich geniesse noch den Sonnenuntergang im Cockpitt mit meinem E-Boock, einem Campari-Orange und einer Cohiba-Zigarillo.

 

20.1.14

Nach 10 Stunden Schlaf erwache ich endlich. Wie üblich ein kleines Frühstück, dann will ich ins Dorf um mir eine Prepayd-Karte zu kaufen, damit ich endlich ins Internet komme. Das Versprechen von Antonio, dem Hafenchef, dass letzte Woche das Internet repariert sei, war wieder so eine Luftblase. Ich hole das Fahrrad ins Cockpitt und suche das kleine Loch, das die Luft innert einem Tag aus dem Hinterreifen entlässt. Schnell werde ich fündig und verklebe dieses und baue das Rad wieder an seinen gewohnten Platz zurück. Dann, sattle ich das Pferd und strample dem Dorf entgegen. Der Wind blässt mir voll ins Gesicht und ich muss im 1 Gang gegenankämpfen. Ganz schön anstrengend. In Villaputzu suche ich den Vodafon-Laden auf, um mir da ganz freundlich erklären zu lassen, dass man hier die gewünschte Karte nicht im Sortiment hätte. Schweissgebadet begebe ich mich mutig auf den Weg zum nächsten Dorf. Das ist ja nur 4 Km weiter. Auf der Brücke, wo kein Windschatten mehr ist, pustet es mich fast vom Rad und ich lande mit einem ungewollten Schwenker, mitten auf der Fahrbahn. Was dann ein Italiener im Auto dahinter tut ist klar, er hupt wie ein Wilder. Soll er doch froh sein, dass sein Gefährt nicht so bösartig auf Wind reagiert. In Muravera werde ich dann auch fündig. Ich verstehe zwar nicht, warum mir die junge, nette Verkäuferin ein Abo mit unbeschränktem Zugang zum Internet anbietet, das 20€ kostet, aber mit einem Rabatt auf 12€ heruntergesetzt ist, ich dann aber doch 32€ zahlen muss. Scheinbar sind in Italien, nicht nur in Regierungskreisen die Berechnungsarten etwas unverständlich für Europäer nördlich der Alpen. Wie dem auch sei, ohne zu verstehen, gehe ich mit 10 Gigabites aus dem Laden, profitiere noch, in der Apotheke und im Supermarkt meinem Rucksack etwa 5 Kg Gewicht zu geben.

Nun kommt wohl der schönere Teil der Fahrt, denn logischerweise habe ich ja jetzt den Wind im Rücken wenn ich den vorher im Gesicht hatte. Denkste, der Wind hat zwischenzeitlich abgestellt ! Trotzdem bin ich nach 2 Stunden zurück beim Schiff, mit dem Gefühl, 2 Stunden harten Fitness getan zu haben.

 

21.1.14

Draussen weht ein kalter stürmischer Wind und man würde keinen Hund vor die Hütte jagen. Ich lese und lese und plötzlich ist es wieder Abend. Es ist unglaublich, wie die Tage nur so dahinflitzen, wenn man morgens erst um 0900 aufsteht und es am Abend bereits um 1800 dunkel wird.

 

22.1.14

Heller Sonnenschein. Wolkenloser Himmel. Kein Lüftchen. Heute wird etwas unternommen. Zuerst erstelle ich eine Verbindung mittels Skype zu Rita her. Es klappt, und das erste Mal können wir uns lange und ausgiebig unterhalten und dabei bemerke ich auch auf dem Bild dass sie eine neue Frisur hat. Gut sieht sie aus und wir planen schon, wo sie mich demnächst Besuchen kann.
Dann, ziehe ich los. Mein Ziel ist ein naher Hügel, von dem aus man sicher eine tolle Rundsicht hat. Der Weg dorthin führt über das Dorf Porto Corallo, aber dann endet der Weg an einem Zaun und ich komme erst nicht weiter. Über eine steile Böschung, die ich erklimme erreiche ich den Hang unter dem Aussichtspunkt. Es ist wie im Jungel. Ich kämpfe mich durch dieses ekelhafte Gebüsch. Die zum Teil mit Dornen bewehrten Sträucher reissen mir nicht nur die Schuhbändel auf, sondern auch die Haut. Nun stehe ich vor einer Schlucht, es geht nichts mehr, weder nach vorne noch zurück und neben mir ist ein 2 m hoher Zaun. Wie komme ich da weiter ? Hinter dem Zaun ist das Gelände wesentlich lichter und hat nicht so viele kleine Büsche. Ich muss da rüber um weiter zu kommen. Wie ich mich umdrehe, sehe ich, man kann es nicht glauben, ein riesiges Loch im Zaun durch das ich ohne Mühe durchschlüpfen kann. Ich bin überzeugt, vorher war das Loch noch nicht da. Solche Wunder soll es doch geben ? In den Märchen war es früher auch immer so.

Auf der anderen Seite des Zauns komme ich wesentlich besser vorwärts, und wären diese blöden Dornenbüsche nicht, wären meine Hosen und meine Haut jetzt noch ganz.

Nach grösser Anstrengung, stehe ich dann doch plötzlich oben auf dem Gipfel. Eine wunderschöne Aussicht rundum ist der Lohn der Mühe. Den ersten Gipfel habe ich erreicht, nun will ich noch auf den nächsten etwas höheren. Auch den erreiche ich und finde dort einen Aussichtsturm. Dies muss ein geplantes Ziel für Touristen sein, nur im Januar gibt es die nicht.

Der Rückweg gestaltet sich sehr beschaulich, denn ich finde den Weg, der vom Dorf zu diesem Aussichtsturm führt. Nach 3 Stunden Wanderung bin ich zurück auf der SAMANTHA, kaputt und durstig. Was könnte da schöner sein als der Genuss eines kühlen Biers ?

 

22.1.14

Warten, warten

 

23.1.14

Es regnet, es regnet, lesen, lesen. Irgendwann werde ich soviel neues wissen, dass ich noch einen Doktortitel bekomme. Das Buch über die Profiler, (Polizeiliche Ermittler) ist schon sehr spannend und erinnert mich daran, dass ich als Bub immer gerne Detektiv geworden wäre. Heute würde mir das nichts nutzen, denn auch als bester Detektiv würde ich nicht wissen wann die Firma endlich mir die neuen Geräte installieren wird. Per mail wurde mir angekündigt, dass es am Freitag geschehen soll.

 

24.1.14

Heute ist Freitag. Draussen stürmt es wie verrückt und der Windmesser schwankt ständig zwischen 15 und 35 Kn Wind. Im Hafen ist das unangenehm, denn das Boot kann nicht weichen und verhält sich wie ein scheuendes Pferd. Ich erwarte, dass heute die Installationen gemacht werden. Ha...ha..ha.., stattdessen bekomme ich von der Sekretärin des Hafens die MItteilung, dass der Techniker wegen dem schlechten Wetter nicht hierherfahren würde. Er käme dann am Montag. Das sind Italiener !!!!!

Die Frust ist gross. Da ich aber nichts, ja gar nichts gegen diese Schei....kerle machen kann, beginne ich mich mit Kleinarbeiten abzuregen. Schliesslich funktioniert der Schalter im Kühlschrank wieder, Alle Chromteile im Boot sind vom Grünspann befreit und glänzen wieder, und die alte Funkanlage ist abgebaut. Lediglich die Handbilgenpumpe die kann mir mal. Die mache ich dann wenn Patrick oder Philippe bei mir ist, denn alleine ist das unmöglich, weil man sowohl vom Motorraum aus als auch vom Cockpitt aus schrauben muss. Das kann warten. Abends kann ich den Fernseher nicht benutzen, denn der stürmische Wind verdreht ständig die Antenne und lässt das Bild verschwinden. Ich schalte um und schaue eine DVD an, solche habe ich ja in grösserer Zahl auf dem Flohmarkt gekauft und mitgenommen.

 

25.1.14

Strahlender Sonnenschein. Jetzt will ich einmal das neue Dingi ausprobieren und sehen ob das mit dem relativ grossen Motor auch funktioniert. Es funktioniert bestens und ganz stolz kurve ich im Haven umher, um danach alles wieder an seinem Platz zu verschnüren.

Mittags schaue ich das Abfahrtsrennen von Kitzbühl. Leider kann sich Didier Defago nur ganz knapp unter die ersten 10 schmuggeln. Wir haben wirklich keine Rennmannschaft mehr. Aber was soll's ich muss warten und kann nur hoffen dass das Wetter am Montag dem Herrn Techniker genehm ist. Morgen bin ich nämlich bereits seit 3 Wochen hier "gefangen".

Eine Stunde marschiere ich dem Sandstrand entlang, bis es nicht mehr weiter geht, ohne dass ich einen Bach durchschwimmen müsste und dazu hab ich keine Lust. Eine Stunde im Sand sind wie 2 Stunden auf normalen wegen. Zurück auf der SAMANTHA bin ich schweissgebadet, schliesslich ist es draussen Frühlingshaft und18°C.

Mit Antonios Hilfe profitiere ich von einer Flaute, um mit der SAMANTHA zur Dieselstation zu verlegen und dort den Tank aufzufüllen. Es passen 240 Liter ins Reservoir und die Kosten dafür sind 420€. Schön war es noch als der Liter nur 70 cts kostete.

Heute Abend werde ich nach Porto Corallo (2 Km) radeln und zur Abwechslung im Restaurant essen. Am Wochenende soll es ja offen sein. Es ist offen, aber ich bin um 2000 immer noch der erste Gast. Andere kommen erst eine halbe Stunde später. Das Essen ist richtig gut. Zuerst ein Insalata di Plovo (Tintenfischsalat ) dann ein Fileto di Manzo con Pepe verde (Rindsfilet mit grüner Pfeffersauce) und Pommes, die jedem MC Donnald den Rang ablaufen können. Das ganze mit einem Glas Rotwein (1/2 l) begossen und zum Schluss alles mit einem Grappa hinuntergespühlt. Das war lecker.

Im Fernseher, der in einem südlichen Restaurant ein Muss ist, zeigen sie meinen alten Freund Silvio. Gepudert und mit Botox vollgespritzt scheint der tatsächlich wieder aufzutauchen wie ein alter Krake aus der tiefe der Meere. Nanu, Italien wird sich eben nie ändern.
Die Rückfahrt mit dem Fahrrad dauerte dann auch nur wenige Minuten und der Schlaf glich einem Tiefschlaf, wie schon länger nicht mehr erlebt. Es war auch das erste Mal dass ich ein Essen mit einem alkoholischen Getränk begossen habe. Bis jetzt gab es höchstens Mal einen kleinen Apero in Form eines kleinen Whyski oder eines Campari Orange. Selig ist der tiefe Schlaf und somit der Wein zur Medizin deklariert.

 

26.1.14

Wie ich den Vorhang in meiner Koje ziehe, sehe ich grau, das heisst schwarz. Drausen kämpfen graue Wolken und blauer Himmel in einem unbändigen Kampf. Windböhen bis zu 40 Kn schütteln das Boot und legen es auf die Seite dass selbst die Pfanne den Herd verlässt und durch die Kombüse segelt. Erst gegen 1500 legt sich der Wind etwas, so dass ich endlich einen Spaziergang wagen kann. Mit 20°C ist es schön warm und nun hat auch die Sonne gesiegt, so dass ich im T-Shirt draussen hocke. Natürlich hat der Wind wieder die TV-Antenne verstellt, so dass ich ungewollt wieder meine Fitnessübung starte, damit ich mir heute Abend den Tatort reinziehen kann. Auf dem Speiseplan stehen heute Abend eine MInestrone, dann Avocados, gefolgt von einem Risotto al Fungiu (Pilzrisotto) und Endivisalat.

Morgen muss ich das erste Mal früh aufstehen, denn Piercarlo wolle mit den Geräten bereits um 0800 hierherkommen, so hat mir das Antonio mitgeteilt.

 

27.1.14

Das erste Mal seit ich die Schweiz verlassen habe, werde ich durch einen Wecker aus dem Schlaf geholt. Es ist 0700. Toilette, Dusche, anziehen, Frühstücken. eigentlich wie jeden Morgen, nur etwas früher.

Tatsächlich, um 0800 steht Pierecarlo vor dem Boot am Steg freudenstrahlend, denn er hat alles dabei. Kaffee will er nicht, aber sofort mit der Arbeit beginnen möchte er. Ich habe nichts dagegen einzuwenden. Einiges habe ich ja schon vorbereitet und er kann direkt mit der Installation des neuen Funkgerätes beginnen. Ich schaue ihm über die Schulter und muss bemerken, dass er sehr professionell arbeitet. Alle Drahtverbindungen werden sauber gelötet und isoliert, nichts wird dem Zufall überlassen. Gut so, ich bin beruhigt.

Neu installiert wird eine VHF-Funkanlage mit AIS, das erlaubt mir auf dem Plotter und Radar die Schiffe besser zu sehen und zusätzlich die Information zu bekommen, um was für ein Schiff es sich handelt, wie schnell und welchen Kurs es fährt. Dies ist ein wesentlicher Sicherheitsfaktor, den ich in Kürze noch Schätzen lerne. Der neue Plotter bringt nicht viel, ausser eben, dass ich die AIS-Informationen auf dem Bildschirm habe. Wichtig ist auch, dass Piercarlo dank dem neuen Plotter einen externen Alarm-Boozer in meiner Kabine einrichten kann. Damit werde ich ruhiger schlafen können, wenn ich vor Anker lieg und die Ankerwache (Ankeralarm ) hören kann. Dies war bis jetzt nicht der Fall, da dier Alarm nur beim Navitisch klingelte und ich in der Kabine ruhig schlief. Auch das ist für mich ein wichtiges Sicherheitselement.

Dann, um 1600, ist Piercarlo fertig. Alles ist getestet und scheint zu funktionieren. Er verabschiedet sich und ich gehe ins Hafenbüro zu Romina, um die Schlussabrechnung zu machen. Ich finde es sehr grosszügig, dass mir die Tage im Hafen nicht berechnet werden. Es sei ja nicht meine Schuld, dass ich so lange hätte hierbleiben müssen.

Danke.

Dann, es ist 1800, und schon dunkel, werfe ich die Leinen los und steche in See. Das Zeitfenster mit Wind und Wetter sind günstig für die nächsten 2 Tage. Und ob, der Wind blässt von schräg hinten, ich setze nur die Genua und rausche ständig mit 8-9 Knoten in Richtung Liparische Inseln, die noch in 250 SM Entfernung liegen. Ich hatte berechnet, dass ich ca 45 Stunden brauchen werde und deshalb die Abfahrt auf den Abend gesetzt. somit werde ich zu Tageszeit in Lipari sein und nicht riskieren, irgandwann in der Nacht anzukommen.

Die Nacht ist heftig. Der Wind ist mit 20-25 Kn OK, aber die Wellen sind recht hoch und es schaukelt ständig. Nach einem etwas dürftigen Nachtessen positioniere ich mich halb sitzend, halb liegend auf der Bank am Esstisch, mit den Instrumenten direkt im Blick. Auf dem Radar setze ich die Entfernung auf 24 SM und einen Wachkreis in 6 SM Entfernung. Kein Schiff weit und breit zu sehen. Mit der Eieruhr an meiner Seite, beginne ich den Nachtrythmus. Alle 25 Min klingelts, Blick auf die Instrumente und weiterdösen. Das Nächste Mal, aufstehen, Logbuch schreiben, weiterdösen. So geht es die ganze Nacht bis dann um 0700 der Tag erwacht. Die SAMANTHA läuft, es ist eine Freude. Zwischendurch surft sie eine grosse Welle hinunter und erreicht bis zu 10 Kn Geschwindigkeit. Der Autopilot arbeitet wunderbar. Nicht einmal habe ich das Ruder berühren müssen. Nur Nachts, als der Wind etwas heftiger wurde, habe ich die Genua etwas reduziert. Ich muss ja kein Rennen gewinnen und mit kleinerem Segel ist alles etwas komfortabler.

 

28.1.14

Wie der neue Tag verflogen ist, weiss ich nicht. Etwas lesen, etwas dösen, zwischendurch kochen und essen und einfach das Dasein geniessen. Es ist draussen 13° aber mit dem Wind schon saukalt. 5 Layers ( Unterleibchen, T-Shirt, Pullover, Windjacke und Mustoanzug), habe ich auf dem Leib und friere nicht. Lediglich nachts, beim Dösen, fröstelt es und ich mulme mich in die Wolldecke ein. Ich beende mein 4.Buch. (Das Bysantinische Reich) und beginne gleich mit dem Nächsten. Gegen Abend wird es mir etwas mulmig im Magen. Ob ich Seekrank werde ? Nach einer feinen Platte Spaghetti und einem Kottlett, geht es mir wieder gut. Scheinbar habe ich meine Ernährung etwas vernachlässigt. Die Nacht beginnt wie die letzte, nur dass ich mich nun getraue die Eieruhr auf 55 Minuten zu stellen, denn ich bin in Nirwana, ziemlich genau in der Mitte zwischen Sardinien und Lipari.

Ich schlafe dann auch tatsächlich mehrere Stunden, lediglich unterbrochen durch Fehlalarme, die durch hohe Wellen verursacht werden, die mein Radargerät als Objekte erfasst und die Eieruhr, die mich ermahnt, das Logbuch alle Stunden nachzuschreiben.

 

29.1.14

Es ist um die 0300, als der Alarm mich aus meinen Träumen holt. 2 Schiffe sind auf dem Bildschirm und das erste hat meinen Alarmkreis erreicht. Es funktioniert. (Beruhigend). Nur, mit AIS kann ich sehen, dass das Schiff, eine Fähre von 126 m Länge direkt Kurs auf mich, sich mit 15 Knoten nähert. Jetzt heisst es aufpassen. Mit dem Scheinwerfer gebe ich Signale, aber der Kerl tut keinen Wank.

Es wird spannend. Schliesslich ist das Monster schon ganz nahe beim mir und fährt direkt auf mich zu. Es wird Zeit zu handeln. Ich drehe soweit ab, dass ich direkt auf seinen Ars..... ziele. Und mit dem gestarteten Motor flüchte ich aus dem Gefahrenbereich. Dann rauscht er knapp 100 m vor mir durch, gemütlich in seiner Spur nach Palermo. Hätte ich nicht abgedreht, es wäre noch recht spannend geworden. Vielleicht ist ja der Kapitän ein Bruder von dem, der die Costa Concordia vernichtet hat.

Das 2 Schiff, nähert sich auch direkt hinter dem ersten genau in dessen Kielwasser. Auch hier fuchtle ich mit dem Scheinwerfer in der Luft herum un beleuchte die Segel. Er dreht leicht ab und rauscht dann in anständiger Entfernung hinter mir durch. Ouff....

Danach ist wieder Stille und kein Schiff mehr auf dem Radar. Ich versuche noch etwas Schlaf zu bekommen, was mir auch gelingt.

Dann, das Highlight des Tages. Raus aus all den Klamotten und eine schön warme Dusche, es gibt nichts schöneres auf der Welt ! ( Nicht dass ich mich einen Warmduscher nennen würde, aber in diesem Moment kann ich nachfühlen, wie es ist, einer zu sein !) Neue Klamotten, ein gutes Frühstück mit Eier und Speck und der neue Tag kann kommen.

Den ganzen Tag lang, bei schönstem Sonnenschein und idealem Segelwetter, ziehe ich an den ersten Inseln vorbei, bis dann hinter der Insel Lipari, der Wind abflaut und zusätzlich noch auf die Nase dreht.

Die letzten Meilen zwischen 1600 und 1700 steure ich per Motor die Marina Pignatio nördlich der Stadt Lipari an. Es ist kein Mensch zu sehen. ich suche die erste beste Lücke und schiebe mich zwischen eine Segeljacht und ein SAR-Rettungsschiff. Es ist keine Mooring mehr frei. Die beiden Schiffe links und rechts haben alle verfügbaren Moorings geklaut. Ich binde die SAMANTHA ganz einfach an den beiden Booten an. Nach einer herrlichen Dusche (nicht mehr so warm).Ziehe ich die Laufschuhe an und wandere in die Stadt. Den Weg kenne ich von früheren Besuchen hier. Es braucht eine Viertelstunde, dann bin ich mitten drin. In einer Bar bestelle ich ein Bier, bekomme dazu die hier üblichen Tapas. Wir sind zwar noch in Italien und nicht in Spanien, aber die Zugaben zum Getränk sind hier üblich und lecker. Als der Kellner bemerkt, dass es mir schmeckt, bringt er gleich noch eine Ladung und danach noch eine Schüssel Chips. Dank dem WiFi, kann ich per Skype mit Rita telefonieren und Neuigkeiten austauschen. Schön. Mit einer Pizza und dem halben Fussballmatch SV Stuttgard gegen Bayern München beschliesse ich meinen Ausflug. Der Rückweg scheint kürzer zu sein als der Hinweg. Ob es der Rotwein war, der die Schuhsohle geölt hat ?

Gute Nacht.

 

30.1.14

0800 und es klopft an meinem Schiff. Ich werde aus einem Tiefschlaf aufgeweckt und muss erst die Augen in die richtigen Löcher schieben.

Draussen sind 2 Marinero, die mir klarmachen, dass ich das Boot wegen dem aufkommenden Wind, nicht hier lassen kann und auf die andere Seite vom Steg verlegen muss. Kein Pardon. Ich wechsle das Pijama gegen Hosen und Jacke aus und auf gehts. Alles wird losgemacht und schon bald bin ich auf der Gegenseite neu verzurrt. Schön war, dass die beiden Marineros so richtig Freude an der Sache hatten und alles selber gemacht haben. Es sind Winde bis 40 Knoten für heute und Morgen angesagt, und da ist es besser richtig vertäut zu sein. Um 1000 mache ich dann auch Bekanntschaft mit dem Hafenkapitän, eine ruhige Seele, der mich die Formulare ausfüllen lässt und erklärt, dass der Tag 40€ kostet. Ganz im Gegenteil sind die beiden Marineros. Die schreien sich ständig und stundenlang an. Nein, die erzählen sich nur Geschichten (wie 2 Waschweiber) aber wir sind halt schon etwas näher am Orient hier.

Komfortabel ist es hier, mit WiFi und der Stadt nur 2 Km entfernt. Ich werde kein Risiko eingehen und bei diesem Wind, der direkt aus der Richtung von Messina kommt, und somit mir direkt auf die Nase blasen würde, die nächste Etappe anzugehen. (In der Strasse von Messina sei der Wind dann mit flotten 50KN unterwegs, meinen die hier. Am Samstag dreht der Wind auf Nord, und das wird günstig für meine nächste Etappe.

Den Tag verbringe ich mit Allerlei,Aufräumen und vielen Stunden im Netz. Es werden über 150 Mails erledigt, die Rechner auf den neuesten Stand mit Updates gebracht. Es ist schön wieder in der Zivilisation zu leben.

Kaum zu verstehen was Kolumbus gemacht hat, wenn er Flaute hatte , denn da gabs, glaube ich noch kein Internet, e-mails und solchen Kram der einem auf Trab hält.