REISEBERICHT - Oktober 2012

 

 

Beim letzten Mal als ich im August auf der SAMANTHA war, stöberte ich in den Schiffspapieren und stellte fest, dass es bereits bald wieder 18 Monate her sind, seit wir die SAMANTHA von der Türkei nach Sardinien verlegt haben. Das heisst, ich muss demnächst wieder aus der EU ausreisen um dann wieder einzureisen und weitere 18 Monate in Ruhe in der EU zu sein, ohne die MWST zahlen zu müssen.

Ich frage François, mit dem ich nun schon länger nicht mehr segeln konnte, ob er dabei sei. Schnell und deutlich kam die Antwort "Ja".

Flug gebucht für 160 CHF hin und zurück von Basel nach Gagliari per Easy-Jet.

 

18.10.12

Wir treffen uns im Zug in Olten und reiten per SBB nach Basel, dann ein kurzer Trip per Bus zum Flughafen. einchecken und schon gehts los.
Der Flug ist angenehm und wir sind bereits vor dem Mittag in Gagliari. Der Bus zum Busbahnhof in der Innenstadt kommt etwas verspätet, so dass es knapp werden könnte, den ersten Bus nach Villaputzu zu erreichen. Dank dem, dass ich mich hier bereits mit den Bussen vom Törn im Frühjahr auskenne, schaffen wir es von einem Bus in den Anderen zu wechseln ohne eine Minute Aufenthalt.

Die Reise ist wie immer angenehm, ausser dass der Busfahrer vermutlich vorher ein Formel1 Rennen geschaut hat und nun animiert ist, die Bergstrecke in einem Höllentempo zu bewältigen.

Dafürf ist er nett und lässt uns in Muravera, direkt vor dem Supermarkt , zwischen zwei Haltestellen, aussteigen so dass wir noch unsere Einkäufe erledigen können, bevor wir dann in Porto-Corallo vor dem geschlossenen Mini-Markt stehen. (Wir sind nämlich bereits ausserhalb der Saison und somit gibt es in Porto-Corallo nichts mehr einzukaufen.)

Voll bepackt warten wir dann vor dem Supermarkt auf Giovanni, der mit dem Taxi, den ich vorher angerufen habe.

Giovanni ist bereits ein "alter Bekannter" und fährt uns direkt zur SAMANTHA.

Es ist erst 1500 als wir bereits den Fuss aufs Boot setzen und somit haben wir schön Zeit, alles vorzubereiten und danach im Restaurant beim Hafen ein gutes Essen zu bestellen.

Es ist draussen um die 20°C, und strahlendes Wetter, das verspricht eine gute Fahrt.

 
19.10.12

0800 , wir Frühstücken und legen los.

Schon bei der Ausfahrt aus dem Hafen merken wir, dass der Motor nicht auf Touren kommt und wir keine Fahrt machen. Das gewohnte Übel, der Propeller ist voller Bewuchs. Wir drehen um und legen am esrten Steg in der Marina seitlich an. Das Tauchzeug muss raus, aber vorher will ich noch die Wassertemperatur messen. 23°C, das ist OK, da brauche ich keine Tauchweste. Diese wäre sowieso etwas eng, denn als ich den Tauchanzug im 2003 gekauft habe, war mein Body noch nicht so stark mit einer natürlichen Schutzschicht überzogen und ich wog ca 15 Kg weniger.

Während den Tauchvorbereitungen kommt der Marinero mit dem Rad gestikulierend angespurtet und erklärt in allen erdenklichen Sprachen, dass es verboten sei im Hafen zu tauchen. Ich versuche mit verschiedensten Grunzlauten, die nach Italienisch tönen sollten, zu erklären, dass ich nur kurz den Propeller reinigen muss. Es nutzt nichts, er ruft per Handy den Hafenmeister an und macht uns klar, dass dieser sofort kommen werde, dann deht er ab und radelt davon.

SOFORT, das heisst auf italienisch , das ich genügend Zeit habe, zu tauchen und den Propeller zu reinigen.

Gesagt getan, wir legen mit gereinigtem Propeller ab. Dem Hafenmeister können wir auch noch guten Tag sagen wenn wir zurück sind.

0915. Unsere Reise beginnt. Der Wind blässt mit 16 Knoten leicht schräg von hinten, so wie es die SAMANTHA am liebsten hat. Mit vollen Segeln machen wir zwischen 6 und 8 Knoten Fahrt, direkt in Richtung Tunesien.

Die Fahrt ist sehr angenehm und ruhig. Wir schieben uns am südwestlichen Kap von Sardinien vorbei immer in gerader Linie Richtung Bizerte.

 

20.10.12

Die Nacht war ohne besondere Vorkommnisse. Der Wind hat zum Teil bis auf 30 Knoten aufgedreht aber immer aus der gleichen Richtung, so dass wir an den Segeln seit gestern nichts verändern mussten. Im 3-Stunden Takt haben wir uns abgewechselt und konnten beide genügend Schlafen. Schiffe waren kaum unterwegs und kleinere wie wir schon gar nicht.

Im Morgengrauen taucht aus einer Dunstwolke dann die Küste von Tunesien auf. Wir müssen einen Schlag nach Osten machen und segeln der Küste entlang um dann um eine Landspitze herum, Bizerte zu sehen.

Die Marina, in der wir vor Jahren schon einmal waren, gibt es nicht mehr. Es wird gebaut und zwar an einer neuen Marina, die grösser und schöner als die von Hammamed werden soll. Warten wir es ab.

Es ist 1015, als wir in den alten Fischerhafen einlaufen. Hier ist weit und breit kein Platz zum festmachen.

Wir drehen im Hafen einige Kreise und spähen nach einer Möglichkeit unsere SAMANTHA festzumachen. Von einem Katamaran, ein riesen Ding von ca 15x20 Meter, ruft uns ein Einheimischer zu, wir sollen hier längs gehen. Dieser Kat ist auch schon an einem anderen Schiff festgezurrt.

Freundlich werden wir begrüsst und der Einheimische erklärt, dass er der Hafenmeister sei und für uns die Behörde rufen werde. Danke.

Kurz vor Mittag bekomen wir Besuch vom Zollbeamten . Er will umsverrecken seine schmutzigen Schuhe nicht ausziehen. Ich lasse Ihn aber so nicht ins Schiff. Schliesslich beugt er sich , denn er will an eine Tisch sitzen, und den gibt es nur im Salon, und dieser wiederum wird nicht mit dreckigen Schuhen betreten. Basta.

Die Papiere füllt er dann sehr geübt absolut selber aus. Er weiss, wass wir alles an Bord haben, von der angebrauchten Whiskyflasche bis zum Borkomputer bis und mit Handy und so weiter. Ich muss nur nicken.

Dann kramt er den Stempel hervor. Der will sich aber nicht aufs Papier drücken lassen, denn in der Hand liegen noch keine Dinars. Erst meint er, so 1000 Euro wäre das schon wert. Irgendwie wurde er dann doch etwas verunsichert, als ich Ihm mit einem breiten Grinsen und auf Arabisch erkläre, dass ich schon einmal hier war, die Gepflogenheiten kenne und es übrigens verboten sei, Bakshish zu nehmen.

Ich werde Ihm gerne für seine Dienste 50€ geben, aber das sei es dann. Als ich die 50€ aus dem Portmonnay krame, sieht er dass ich noch weitere 20 habe und luchst mir diese mit solchem Charme auch noch ab, so dass ich nicht widerstehen kann:

Dann gibt er uns die Papiere, geht und hinterlässt noch eine Art Duftmarke indem er mir rät, dem Polizisten der dann käme, höchstens 20 € zu geben. Das zu Freunschaften unter Beamten !

So ca 4 Stunden später kommt dann wirklich der Polizist.

Auch er füllt Papiere aus und tut unheimlich wichtig mit seinem Stempel, nur um Geld fragt er nicht. Dafür, so smart wie er ist, bietet er uns an, uns mit in die Stadt zu nehmen, da der Weg sehr weit sei. Er sei mit seinem Privatauto da, da das Polizeiauto kaputt sei.

Wir nehmen das Angebot gerne an, denn in die Stadt wollen wir sowieso.

Auto ? Bei uns findet man solche Gefährte nur auf dem Schrottplatz. Wegen einem Stau vor der im Umbau befindlichen Brücke streigen wir aus, denn es ist heiss. 25°C. Ich will die Türe aufmachen und habe gleich die Türfalle in der Hand. Da unser Polizist auf der anderen Seite ausgestiegen ist, kann ich unbemerkt die Türfalle vorne auf den Fussboden legen. Nichts getan, nichts gesehen.

Nach längerem Warten erreichen wird dann den Polizeiposten, wo wir die Pässe lassen sollen, um diese dann später am Abend, bevor wir zurück zum Schiff gehen, abzuholen. Es sei nicht erlaubt, das Entry- und das Exit-Visum gleichzeitig in den Pass zu drücken. Als ich dann eine 50 er Euronote in den Händen drehe, geht es dann doch und wir verlassen das Büro mir allen Papieren und Stempeln Richtung Altstadt. Noch vielen Dank für die Fahrt. Zurück werden wir zu Fuss gehen,denn ein wenig spazieren tut uns sicher gut und mehr als 15-20 Minuten Fussmarsch sind es kaum.

Zuerst gehen wir in die Altstadt, setzen uns am alten Hafen in ein Teehaus und geniessen den süssen arabischen Minztee.

Bald wird es dunkel und wir fragen nach einem guten Restaurant, wo wir ein Couscous essen können. Wir haben beide noch das feine Essen von nunserem letzten Besuch in Bizerte in Erinnerung.

Gleich hier, nebenan im Restaurant, das in einem nachgebauten Seeräuberschiff untergebracht ist, sei es gut und nicht allzu teuer, rät uns der Teehausbesitzer.

Wir wagen es.

Nachdem wir ein super gutes Couscous, mit Lamm, einer guten Flasche Rotwein, und Desserts genossen haben, bezahlen wir ganze 33 Dinar für alles. (Umgerechnet ca 16,50 CHF) .

Der Rückmarsch zum Boot war dann doch etwas länger als wir angenommen haben, aber die Nacht ist angenehm und wir konnten nach dem Spaziergang herrlich schlafen.

 

21.10.12

Es ist 0756 als wir die Leinen loswerfen und aus dem Fischerhafen von Bizerte steuern.

Der Wind hat gedreht und blässt uns nun in Richtung Gagliari mit 8-9 Knoten Windstärke, das ist nicht viel aber gemütlich. Wir haben Zeit.
Späten Nachmittag dreht der Wind so dass wir kreuzen müssen, etwas mehr Arbeit die ganze Nacht hindurch. Trotzdem keine besonderen Vorkommnisse und wir wechseln wieder alle 3 Stunden ab, bis wir dann um Mitternacht Regen bekommen.

 

22.10.12

Der Vormittag ist trüb und regnerisch. Auch die angenehme Temperatur der Vortage ist weg und wir müssen uns richtig warm anziehen.

Es ist bereits 1435 als wir in Gagliari in der Marina am Steg längsseits anlegen. Ein Spaziergang um den ganzen Hafen herum bringt uns zum Zoll, wo wir uns wieder in der EU zurückmelden. Der Beamte füllt Papiere aus, als hätte er Aktien bei einer Papierfabrik. Dann wird unsere Ankunft noch zusätzlich in 3 grossen Büchern eingetragen, mit Stempel Unterschriften und allem was so zu einer offiziellen Eintragung gehört. Wir werden genau gleich registriert wie ein Luxusleiner von 300 m länge, obwohl wir mit unseren 16 m gerade mal Rettungsbötchengrösse haben.

Wir haben Zeit.

In der Stadt, unter den Arkaden, gibt es gutes Bier vom Hahn und dazu Chips. Auch das Treiben lässt hier keine Langeweile aufkommen. Wir sitzen da und geniessen das Leben, bis wir dann zur SAMANTHA zurückkehren um zu duschen und uns für den abendlichen Ausgang vorzubereiten.

Zwischendurch erledige ich noch die Bezahlung des Platzes und bin erstaunt, dass man sich an unsere SAMANTHA erinnert, waren wir doch vor 18 Monaten letztes Mal hier!

In den alten Gassen von Gagliari kann man gut essen, das wissen wir und so lassen wir es uns schmecken. Danach soll uns ein Besuch im Pub, wo ich mit meinen Söhnen war, etwas Abwechslung bringen. Da war ausser dem Barkeeper niemand. Nach 2 Bier wird es uns zu langwelig und noch 2-3 Stunden zu warten, bis dann eventuel Betrieb ist, stinkt uns.

Ab ins Bett.

 

23.10.12

Nach 10 Stunden herrlichem Segeln mit 5-7 Knoten Fahrt erreichen wir wieder Porto Corallo.
Hier entscheiden wir uns, die Pizzeria in Porto Corallo zu besuchen und nicht dierkt am Hafen zu essen. Der Entscheid war gut, das Essen hervorragend und eine professionelle, sehr freundliche Bedienung (Tochter des Besitzers, die einige Jahre in Deutschland gelebt hat) war immer für ein Spässchen aufgelegt.

 

24.10.12

Vormittags hängen wir herum, Nachmittags fahren wir aus und kreuzen vor der Küste, dem Wind aus Süden angepasst.

Gemütlich.

Abends wieder Spaziergang zur Pizzeria. Wir werden schon fast wie Stammgäste begrüsst.

Wieder gutes Essen, aber diesmal mit etwas mehr Wein hinterlegt, so dass die Strasse zurück zur SAMANTHA etwas krümmer war als beim Hinweg.

 

25.10.12

Gleiches Szenario wie gestern, nur dass der Wind von der anderen Richtung kommt und wir südwärts segeln.

Heute ist mein Tag. Ich setze die Angelleine und hole alles in allem 4 Fische heraus (alle ca 40 cm lang). 2 haben sich von der Angel losgerissen, sonst wären es 6 gewesen.

François Gesicht wurde immer heller bei jedem Biss, denn er weiss dass ich gerne Fisch esse, er aber nicht diejenigen die ich herausziehe.

Damit kein Unfriede aufkommt, wird einer der Fische an den Marinero, der uns die Leinen abnimmt verschenkt.
Einen soll der Koch in der Pizzeria für mich kochen, dafür bekommt er die restlichen Zwei. Der Handel gelingt und alle sind zufrieden.

 

26.10.12

Heute ist Putztag. Gemütlich wird die SAMANTHA winterfest gemacht. Einzige Sorge ist, dass es dauernd regnet und wir die Genua nicht bergen können, wegen zu starkem Wind und Regen. Doch gegen 1600 gibt es plötzlich eine ruhige Minute ohne Regen. Schnell bergen wir die Genua, müssen sie aber durch die Salon-luke einholen und auf dem Tisch ausbreiten.

Sonst ist bis zum Abend sauber gemacht, gewaschen und getrocknet (dank der guten Kombimaschine von Bosch).

Noch ein letztes Abendessen ( und Trinken ) in "unserer Pizzeria", dann ein letztes Schläfchen. Morgen gehts früh raus.

 

27.10.12

Um 0700 pünktlich kommt Giovanni und holt uns im Hafen ab, es regnet in strömen und ist saukalt.

Den Bus erwischen wir locker, auch den in Gagliari.

Der Flieger ist pünktlich. Wir sind froh, als wir auf den Sitzen festgeschnallt sind, denn dies ist der letzte Flieger von Easy-Jet für diese Jahr von Gagliari nach Basel. Wir hatten deshalb unsere Zeit so eingeteilt, dass wir diesen Flieger sicher nicht verpassen und das ist uns gelungen . Wie geplant erreichen wir Basel, wo wir mit Schneetreiben empfangen werden.

Fertig die warme Saison, weiter gehts im Frühjahr, wenn ich, wenns klappt, wieder mit den Söhnen unterwegs sein werde.