REISEBERICHT - September 2009

Die Arbeit  lässt mich kaum los. Ich bin müde und brauche eine Auszeit und deshalb freue ich mich schon seit Tagen auf diesen Urlaub. Morgen geht’s los !

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Ausfahrt aus der Bucht von Marmaris

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Ritas Bein nach dem sie mit dem Fahrrad umgefallen ist

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Erster Abend

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In der Bucht bei Mohammed

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Das Restaurant

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Alte Hütten

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Mit Jo und Monica beim gemütlichen Schwätzchen und Hünerflügeln

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Jo "der Konstrukteur"

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Rita geniesst's

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Den Hügel haben Jo und ich  bestiegen

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Schireen, eine türkische Strassenmischung aber unheimlich lieb

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Herrliche Landschaften

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und einsame Buchten

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Blumen in der Marina von Göcek

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Zwischen teuren Booten liegt die SAMANTHA

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Vor der Stadt ein kleines Venedig oder Port Grimau

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Richtig Türkisch

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Hospital ?  Nein das Restaurant !

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Gibt es hier eine MIGROS  oder ist das auch eine türkische Nachahmung wie  Rollex und Addidas ?

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In der Bucht bei ALI

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Ali's Restaurant

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Ali und Rita

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Monica und Rita

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Das Gewitter

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Alle schützen sich mit den Tischtücher. Es regnet quer

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Sturzbäche

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Das Gewitter ist vorbei, wir fahren aus

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In der Quellenbucht

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Hier wird "full-service" angeboten

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der  Freiluft-Laden

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Die Küche. Einfach aber gut

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Rita in Urlaubsstimmung

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Auf dem Rückweg nach Marmaris. Maden Iskele

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Das Restaurant auf der Terrasse

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Super Essen

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Bizarre Felsküste

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Fahrt mit dem Touristenboot nach Dylan

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Die Schildkrötenbucht ist geschützt

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Das schilfbewachsene Delta

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Die Grabungsstätten

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Der Esel ist nicht so alt

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Rita findet einen Freund

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Die legendären Schildkröten

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Die Felsgräber von Dylan

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Stadtrundfart in Istanbul mit dem Bus

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Die Stadtmauer von Konstantinopel und heutigem Istanbul ist mehrere Kilometer lang

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Alt und Neu in Istanbul

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Die Balue Moschee, vergleichbar mit dem Petersdom, einfach gewaltig

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Die Moschee von innen

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Grosse Brocken fahren durch den Bosporus

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Die engste Stelle zwischen Europa und Orient

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Am goldenen Horn

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Vor dem Bosporus warten viele Schiffe auf die Durchfahrtserlaubnis.

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Blick über die riesige Stadt

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In den Gassen von Istanbul

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Wie ein Volksauflauf am Samstag nachmittag

 

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Am Fischmarkt

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Bunter Bazar

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Blumengestecke wie im Märchen

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Rudy's Schuhputzer

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Ein luxeriöses Restaurant mitten im Bazar

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Der Bazar oder Souk

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In der "Feressgasse" am abend bei einer Wasserpfeife

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Hotelzimmer-Waschnische bei 110 € , ha..ha..

4.9.09

Rita ist schon ganz nervös, wie immer wenn wir verreisen. Dabei ist ja alles wunderbar vorbereitet. Ich kam gestern Abend nach einer Woche erst um 2100 aus dem Ausland zurück und hatte keine Zeit mich um die Packerei zu kümmern. Aber wie es immer ist, Rita hat alles wunderbar vorbereitet, die Tasche ist bereit und wir können gleich losziehen. Unser Zug fährt um 0815 über Zug nach Zürich und weiter zum Flughafen wo wir genügend Zeit haben ein zu checken.
Pünktlich fliegt die
Türkisch-Airline ab in Richtung Istanbul. Auf dem Flug gibt es sogar Frühstück und der Kaffee schmeckt herrlich. Das sind schon einmal gute Vorzeichen für die nächsten 14 Tage.
In Istanbul müssen wir auf den Anschlussflug warten. Erst trinken wir noch einen Kaffee, dann wollen wir etwas frische Luft
draussen schnappen. Das war ein Fehler !  Wir drehen gleich wieder um, denn es gibt vor dem Flughafen wirklich nichts zu sehen und die Luft wie aus einem Haartrockner mit nahezu 40°C treibt einem gleich den Schweiss in Bächen den Rücken hinunter.
Oh je, wir haben nicht bemerkt, dass wir aus der Sicherheitszone raus sind, nun müssen wir wieder ( das 3.Mal heute ) alles auspacken, Gurt aus der Hose, PC aus der Tasche,
usw . danach alles wieder einpacken und anziehen, um dann 2 Stunden später das gleiche Prozedere ein 4.Mal zu erleben. Hier ist man wirklich sicher, hier wird kein Al-Kaida mitfliegen !
Hey, eben habe ich gedacht dass wir hier absolut sicher sein können, aber nun das :
Halb ausgezogen und aller gefährlichen Sachen entledigt muss ich durch den Scannerbogen und unsere Sachen werden durch den Röntgentunnel geschoben.
  Natürlich piepst nichts mehr und siehe da, hinter dem Monitor sitzt ein Uniformierter und löst gerade ein Kreuzworträtsel. Es lebe die Flugsicherheit !
Dann endlich, 3 Stunden später erneutes
Boarding , die Tasche hatten wir bereits in Zürich durchgecheckt, für den Flug nach Dalaman.  Auch hier, auf dem knapp 1 stündigen Flug bekommen wir Hünerfrikasse an Currysauce mit allem drum und dran serviert. Nicht schlecht für einen Flug, den wir unter www.billigflug.de gefunden haben !   Wir beide sitzen so ziemlich genau in der Mitte des Flugzeuges und da werden wir spät bedient weil die hinten und vorne mit dem Servieren begonnen haben. Genau so war es dann auch mit dem Kaffee. Sowie die eine Stewardess bei uns ist sagt sie, es sei zu spät für Kaffee, denn wir würden gleich landen. Der Steward, der danach vom hinteren Teil kommt, weiss scheinbar nichts von einer bevorstehenden Landung und schenkt uns gemütlich den Kaffee ein.
Wir haben dann wirklich nicht mehr viel Zeit um den Kaffe zu trinken und nichts bei der Landung auszuschütten, so
das ich mir noch fast die Zunge verbrannt hätte.
In Istanbul gelandet finden wir auch gleich ein Taxi und werden von einem „ Feldweibel“ sofort in eines der bereitstehenden Fahrzeuge verfrachtet. Auffallend ist die
grosse Polizistenschar, rund um den Flughafen. Erstaunlich ist auch, dass der Taxifahrer sehr anständig und angenehm fährt und weder Sicherheitslienien noch andere Strassenbenützer ausser Acht lässt.  Die Fahrt dauerte ganze 1 ½ Stunden, dann erreichen wir die Yachtmarina. Ich sehe nur hunderte von Booten, weiss aber nicht, wo die SAMANTHA liegt. Der Pförtner fragt nach dem Steg und Platznummer . Keine Ahnung. Gut dass er Englisch versteht. Als er dann anfängt die Namen der Stege zu benennen, kommt mir der Name „Hotel“ irgendwie bekannt vor. Also nickte ich und der Taxifahrer bringt uns zum Steg „Hotel“. Angespannt und etwas abgekämpft von der langen Reise finden wir die SAMANTHA bei der Nr 67.  Jetzt kabe ich nur noch ein kleines Problem zu lösen. Die SAMANTHA  liegt ein ganz schönes Stück vom Steg weg und dazwischen gibt es nur Wasser (das Meer). Über ein Nachbarboot auf die SAMANTAH zu gelangen ist auch nicht möglich. Weitsprung war schon in der Schulzeit nie meine stärkste Disziplin. Anlauf und hopp……..  , ich lande ohne mir den Fuss zu verdrehen und ohne ein erstes Bad zu nehmen. Sofort gebe ich bei der Mooring Leine und bringe das Schiff so nah an den Steg, dass Rita mit einem „Fähenschritt“ auf unser „Zuhause“ gelangt.
Eine kurze Aktion und das Schiff
ist bewohnbar, hat Strom und Wasser und die Betten sind bezogen.
Draussen ist es schon längst dunkel und wir haben Hunger und Durst. Das Hafenrestaurant scheint noch offen. Wir
steuren auf das Licht hin, wie die Motten und sind froh, dass man uns trotz später Stunde noch eine Kleinigkeit ( Spagetti Carbonara) und ein Bier serviert. Wir sind die einzig verbliebenen Gäste und geniessen den lauen Abend draussen.
Der erste Eindruck von der Süd-Türkei ist bestens.

 

5.9.09

Es ist nicht mehr ganz Früh, als ich erwache. Rita ist natürlich schon längst auf und hat bereits einen Hafenrundgang mit Einkauf für’s Frühstück hinter sich. Was sie zu berichten weiss hört sich gut an. Saubere Toiletten, saubere Duschen, mittel grosser Einkaufsladen, Schwimmbad usw. Den Tag verbringen wir mit den üblichen Vorbereitungen, Anmelden im Hafenbüro, Zoll und Einkaufen. Beim Einkauf hole ich einige Packungen Schinken aus dem Kühlschrank. Schinken ist immer gut für ein Frühstück.  Ansonst kaufen wir nur gerade für 2 Mahlzeiten ein, denn wir wollen es langsam angehen und uns erst mit der Gegend vertraut machen und zweitens haben wir auch noch genug Esswaren an Bord. (Unsere Standardausrüstung).
An der Kasse, greift Rita plötzlich in den Einkaufswagen und holt die von mir rein geschmuggelten
Schinkenpackete heraus. Ich schaue ganz traurig zu, verschwinden doch die herrlichen „egg and bacon“ vor meinem geistigen Auge. Aber dann, als mir Rita genauer zeigt was sie aus dem Korb genommen hat, merke ich, wie lieb sie mich hat, denn mit diesen grünen Schinkenscheiben hätte ich mich bestimmt vergiftet und das will sie scheinbar  (noch) nicht. Der Verkäufer an der Kasse (Chef) lässt sofort andere Pakete holen, aber die sind ebenfalls von einer grünen Sau. Warum plädieren die „Grünen“ immer für artgerechte Haltung ?  Ich bin sicher dass bei uns der Schinken von Säuen, die im Dreck und nicht auf einer grünen Wiese weiden, nicht grün ist.
Wir wollten zwar nur wenig einkaufen, aber es gibt da doch zu viele leckere Sachen und 14 Tage sind ja auch eine lange Zeit und man
weiss ja nie, ob es in der Türkei auch noch andernorts Läden gibt (man hört ja so viel und wenn man die Türken bei uns sieht ist man ja auch nicht sicher ob es da auch überall Zivilisation gibt). Fazit ist, dass wir das, was nun in Säcken abgepackt zu unseren Füssen liegt, niemals in einem Mal zum Schiff schleppen können. Das sieht der Ladenbesitzer genau so und ordert seinen Kuli an, das Ganze in ein Dreirad zu laden und zum Schiff zu karren. Toller Service!
Am Nachmittag muss ich noch zum Zoll, um das Transit-Log zu ergänzen. Philippe hatte mir die Papiere mitgegeben und erklärt, dass ich noch eine letzte Rate von 30€ zu bezahlen hätte. Nach einem freundlichen Schwätzchen mit Herr
Deria vom Zoll will ich bezahlen. Er winkt ab und sagt, ich soll ihm doch 10 TK-Lira geben, das sei dann ok so. (5 €). Eigenartige Beamte haben die hier. Ich bin mich eigentlich eher das Gegenteil gewohnt.
Um 1700 sind wir geduscht und bereit. Wir wollen nun
  nach Marmaris zum Souk. Von weitem sehen wir am Hafeneingang einen Kleinbus stehen. Ich beginne zu laufen, um den noch zu erreichen. Rita findet das überhaupt nicht toll, bei immer noch 30°C einen Spurt hinzulegen. Aber es ist wieder einmal mehr die Türkische Freundlichkeit die uns rettet. Der Fahrer sieht uns und stoppt sein Gefährt nochmals und wartet bis wir schwer schnaufend eingestiegen sind und Platz genommen haben.
Klar, wir suchen im
Souk die Läden, in denen wir im 2004 schon, zusammen mit Georg und Anneliese gestöbert hatten. Wir werden fündig, bis auf den einen Juwelier, der in Frankfurt sein Studium gemacht hatte. Den gibt es nicht mehr. Aber dafür finden wir das Lederwarengeschäft, wo wir uns schon letztes Mal eingedeckt hatten. Auch diesmal kommen wir nicht ungeschoren da raus. Es ist einfach zu verlockend, bei diesen Preisen und dann noch 50% Rabatt,  recht gute Qualitätsware zu kaufen. Wir haben viel Spass und zum Schluss finden wir noch ein kleines Restaurant in der Hintergasse, in dem wir auf Anraten des Lederwarenverkäufers so richtig Türkisch essen und das noch für ganze 20 TKL (10€) für beide zusammen!
Mit dem Kleinbus geht die Reise zurück zum Hafen, wo wir mit einem
Absacker und einem Rauchöpferchen den Tag  ausklingen lassen.
Wir sind endgültig im Urlaub angekommen.

 

6.9.09

Heute ist Sonntag. Es ist auch ein sonniger Tag. Das Quecksilber steht bereits um 0900 auf über 30°C und bis Mittag werden es sicher 38-40° werden. In der Früh nimmt Rita das Fahrrad und geht frisches Brot holen. Sie kommt bald wieder zurück, aber nicht nur mit Brot sondern auch mit einigen riesigen blauen Flecken und geschwollenem Schienbein. Am Anfang des Steges hat es sie in der Kurve hingehauen und bös verletzt. Nun werden alle denken, ich sei mit einem Tiger unterwegs.
Es ist 1100 als wir die Leinen los werfen und aus der Marina steuern.
Draussen erwartet uns ein herrlicher Wind und das Meer ist fast flach. Ideales Segelwetter !
Nach 5 Stunden sind wir in der Bucht von
Koycegiz  und setzen den Anker. Im 2004 hatten wir hier ein tolles Erlebnis im kleinen Strandhotel. Dort wollen wir wieder hin zum Essen, aber vorher müssen wir das stahlklare Wasser mit 27°C geniessen und das tun wir auch ausgiebig. Bei der Ausfahrt in Marmaris habe ich schnell bemerkt, dass der Motor nicht auf Touren kommt. Es ist nun an der Zeit, das Tauchzeug herauszuholen und bewaffnet mit einer Spachtel den Bewuchs am Propeller wegzumachen. Sonst ist das Schiff, wie ich feststellen kann, sauber und ohne irgendwelches Getier.
Nach dieser 20-minütigen Arbeit, ist alles wieder so wie es sein muss. Jetzt kann gebadet werden nach Herzenslust.
Beim Einnachten entern wir das Dingi und legen an einem Steg an, an dem viele Ausflugsboote liegen. Was wollen die alle hier?
  Im 2004 gab es die noch nicht. Am Strand finden wir die gleiche Hotelanlage, halbfertig und keinen Stein mehr verbaut wie vor 5 Jahren.  Dahinter das kleine Hotel mit dem sympatischen Besitzer.
Erst ein Bier gegen den Durst, dann die Türkischen Vorspeisen begleitet mit einem
Raki auf Eis danach 2Kg Fisch mit Kartoffeln, Reis und Salat, begleitet mit einer Flasche Rotwein. Alles abgerundet mit einem Eisbecher, Türkischem Kaffee und als Sahnehäubchen eine Shisha (Wasserpfeiffe).
Schlemmer…
schlemmer…!!
Die Rückfahrt mit dem Dingi geht ohne Probleme, obwohl sich das schaukelnde Meer mit dem eigenen Schaukeln kumuliert

 

 7.9.09

Mit leichtem Druck über den Augen wälze ich mich aus der Kabine.
Rita ist schon auf und sitzt im Cockpit. Der Gesichtsausdruck lässt nichts Gutes
  ahnen. So ist es dann auch. Rita hat die ganze Nacht kaum geschlafen weil es schaukelte und ihr mitten in der Nacht speihübel war. Gleich nach dem Frühstück legen wir los. Ein super Segeltag und wir machen dauernd 7-8 Kn.  Ziel Göcek.
Rita geht es nicht besonders gut, obwohl wir zwar guten Wind aber keine Wellen haben.
  Nach 5 Stunden drehen wir ab in die Bucht von Göcek. Rita fragt wie lange es wohl noch dauern würde. Mein GPS zeigt noch mind. 2 Stunden. Ich konsultiere das Revierbuch und sehe dass wir eine Bucht ganz in der  Nähe haben. Wir wollen mal sehen. Und tatsächlich, wir steuern bei Kapi Koyu in die Bucht und können dort mit Heckleinen und Mooring am Steg anlegen. Eine Mannschaft steht bereit und hilft beim Anlegen. Sofort geht’s Rita besser und die Moral steigt in rasantem Tempo. Gut so.  Nach einem Bad in der Bucht (auch hier stahlklares Wasser), wird ein Bierchen  getrunken.
Ein „Prost“ kommt vom Nebenschiff. Auch hier sitzt eine Schweizer Mannschaft an Deck.
Rita muss erst noch verarztet werden, denn beim Anlegen hat sie sich an einer Schraube der Fischrutenhalterung ein Loch ins Bein gebohrt. Danach geht sie auf die übliche Hafentour wo sie bald herausfindet, dass in der Bucht noch weitere 2 Boote mit Schweizer Flagge liegen. So nach und nach
begrüsst man sich.
Am frühen Abend sehen wir einem Boot zu, das mit rasanter Geschwindigkeit in die Bucht einfährt und mit dröhnendem Motor aufstoppt, rückwärts an den Steg steuert und auch dort wieder mit heulendem Motor sehr ruppig
manöveriert. Man hat gleich den Eindruck, hier komme die Russische Armee angerollt.
Kaum ist deren Schiff angebunden holen sich die 6 jungen Damen zu Trinken. Getrunken wird direkt aus den Flaschen. Jede hat entweder eine Flasche Wein oder Wodka vor sich stehen. Später kommt noch ein Mann aus dem Niedergang und ergänzt das Gelage. Nach und nach erscheinen dann noch 2 andere Typen und die Party wird immer wilder.
Rita und ich gehen nun zum Essen. Gleich nach dem wir uns im Freiluftrestaurant gesetzt haben
  werden uns 6 Vorspeisen vorgelegt. Rita isst einen Fisch und ich bestelle Calamaris gegrillt. Ich habe noch nie, so gute Calamaris gegessen.
Es hat schon länger eingedunkelt als wir unser Gelage beenden, und im Cockpit den Abend mit einem Rauchopfer beenden. Nebenan ist der Lärmpegel bereits auf Discostärke angewachsen. Widerlich, dass man sich so benehmen kann. Dank Ohrstöpsel und geschlossenen Luken schlafe ich den Schlaf der gerechten.

 

8.9.09

Beim Aufstehen fällt mir auf, dass es so ruhig in der Bucht ist. Die Russen sind weg. In der Bucht ist das Gesprächsthema „Die Russen“. Scheinbar sind die nachts um 0400 stockbesoffen ausgefahren und haben draussen in der Bucht herumgekurvt. Mohammed, der Restaurantbesitzer und sein Sohn sind dann hinausgefahren und haben das Schiff zurück an den Steg geholt. Gott sei dank sind diese Rüppel dann aber auch recht früh weggefahren. Danach war es ruhig. Rita und ich entscheiden uns, in dieser schönen Bucht einen „Hafentag“ einzulegen und das Baden und Essen zu geniessen. Mit dem Dingi machen wir einen kleinen Ausflug in die Nachbarbucht zum Schwimmen. Gegen Abend verschleiert sich der Himmel etwas und einige wenige Tropfen fallen.  Späten Nachmittag kommen eine ganze Reihe von Sunsail-Flottiliensegler an den Steg.
Ein Engländer scheint der Chef zu sein. Vom Restaurant aus, wo wir ein Bierchen trinken, sehe ich, dass der Kerl auf meinem Schiff herumturnt. Wenn ich etwas nicht mag, ist es, dass jemand ohne zu Fragen einfach mein Boot betritt. Macht man
nicht !
Erst habe ich noch nichts gesagt, aber später, als ich im Cockpit sitze und dieser Kerl wieder auf unser Schiff steigt, geht mir die Galle über und ich erkläre Ihm sehr bestimmt, dass er verschwinden solle und dass das keine Manieren seien ! Er zieht
seine Schwanz ein und verschwindet, aber seine „Gehilfin“ geifert noch lange hinterher. Saupack. Auf dem Boot, dem er beim Anlegen von unserem Schiff aus beim Anlegen geholfen hat, entschuldigt sich der Skipper sehr herzlich und das noch auf Schweizerdeutsch. Wir kommen dann auch ins Gespräch. Er ist Engländer, ist aber in Wollerau bei Zürich aufgewachsen und in die Schule gegangen. Zur Zeit skippert er bei Sunsail weil sein Geschäft wegen der Finanzkrise in die Brüche gegangen ist.  Klein ist die Welt !

 

9.9.09

Kurz bevor die Sonne im Zenith steht legen wir ab. Segeln vom allerfeinsten. Steifer Wind und keine Welle. Auch Rita gefällt es.
Später setzen wir den Anker in einer Bucht, denn uns ist es ums Baden.
  Unser Ziel ist eine Nachbarbucht von Kapi Koyu. Doch manchmal kommt es anders als man plant. Kaum sind wir aus unserer Badebucht heraus und ums nächste Kap herum, sehen wir eine weitere sehr schöne Bucht mit Restaurant und Steg.  Rechts-um und wir legen gleich dort an.  Neben uns legen Österreicher, eine 6 Mann-Crew  an. Die Augen sind dauernd auf Rita gerichtet, was mir überhaupt nicht gefällt, denn ich weiss ja um die Schwäche die Rita für Hansi hat und das ist ja auch einer der so spricht. Trotzdem muss ich einem von denen Dankbar sein, denn bei seinen Beobachtungen hat er gesehen, dass Rita rücklings von einer Art Wespe (ca 5 cm lang) angegriffen wird und als Gentelman, verscheucht er das Vieh.
Später gucke ich mir die Augen aus dem Kopf als ich eine Yacht mit
  Schweizerflagge einfahren sehe. Sehr souverän wird hier manöveriert und das mit einer Frau am Ruder !   Allingi sei gegrüsst. Wir Schweizer haben nicht nur Weltmeister im  Segeln, nein es gibt auch Frauen die das voll beherrschen. Ich werde neidisch. Rita verspricht mir dann  zum Trost, dass Sie morgen  beim Ausfahren das Ruder übernimmt.
Das Essen, besonders die Vorspeisen, übertreffen das bisher erlebte noch.
 

 

10.9.09

Es ist 1000. Wir legen ab. Rita ist am Ruder und macht das richtig gut. Auch ich kann mich nun mit meiner Frau sehen lassen ! Draussen ist es nicht gut bestellt mit Wind. Wir tuckern um Inseln und erforschen Buchten. Alles schön. Das wissen auch andere, denn es hat hunderte von Booten in der Gegend.  Es ist feucht und heiss, 35° und kein Lüftchen, innert Minuten ist man klatsch nass.
So hat es keinen Wert lange
draussen zu sein und wir fahren in den „Port   Göcek  ein.  Hier ist alles pikfein. Wir werden von 2 Marineros empfangen und an den Platz eskortiert. Einer kommt an Bord (nachdem er gefragt hat ober dürfe) und hilft an der Mooring, der Andere belegt die Leinen am Steg. (Das ist Service). Alles in der Marina sieht teuer aus, selbst die Büsche, an denen kein braunes Blatt hängt und der Rasen, der einem Golfplatz in nichts nachsteht.
Ich frage nach einem Elektroniker, denn mein Plotter im
Cockpit streikt. Schon bei den letzten Fahrten habe ich und danach auch  Philippe probleme mit dem Gerät gehabt. Der Frontoffice-Manager kommt persönlich aufs Schiff um zu sehen, was das Problem ist.  Er ruft an 2 oder 3 Stellen an und bestätigt dann, dass in ca 1 Stunde ein Techniker komme. Ich mach mir da nicht allzu grosse Hoffnung, aber man kann es ja versuchen.  Die Überraschung ist nicht schlecht, als wirklich nach ¾ Stunden ein Techniker da steht und sich der Sache annimmt. Er muss zwar 2 Anläufe nehmen, aber schliesslich funktioniert das Gerät wieder einwandfrei. Er versteht wirklich etwas davon, das merke ich aus dem Gespräch. Die Ursache ist ein defekter Steckport den er wechselt und neu verlötet. Der eine Schweizer, den wir schon in unserer ersten Bucht angetroffen haben, liegt am Steg nebenan. Später kommt er für ein Schwätzchen vorbei. Er schlägt uns vor, morgen zu Ali in die Kaltwasserbucht zu fahren, dort könnten wir uns wieder treffen. Sympatisch. Er heisst übrigens Jo und seine Begleiterin ist Monica.
Abends schlendern Rita und ich in den Gassen von
Göcek und essen in einer Hintergasse. Wir wollen  Türkisch essen. In einem Restaurant ( unter dem Vordach wo nur Einheimische sitzen) sehen wir, dass die Speisen auf den Tellern  sehr lecker ausschauen und entscheiden uns auch hier bei den Türken zu essen. Den Namen „ Kebab-Hospital „ verstehen wir überhaupt nicht. Ich schleiche mich erst einmal in die Küche um zu sehen, ob das etwas mit einem Hospital (Krankenhaus) zu tun hat. Ich finde aber gar keine Gemeinsamkeit mit einem Krankenhaus . Wir lassen uns nieder und essen natürlich wieder super gut.

 

11.9.09

Nach dem Frühstück gehe ich ins Hafenbüro um zu bezahlen. Dort sitzt eine junge Lybierin (sie hasst Gadafi), und freut sich, mit mir französisch zu sprechen, denn sie hat ihre Schulen und Ausbildung als Hotelfachfrau in Genf gemacht und sieht die Schweiz als ihre 2.Heimat. Trotz aller Sympatie zu der jungen Dame finde ich die 96€ plus Strom, für die Türkei doch etwas happig, aber wir sind ja im Urlaub und nicht auf Langfahrt.
Um 1300 legt Rita ab und fährt aus dem Hafen aus. Danach übernehme ich das Ruder und setze die Segel. Wieder
  das gewohnte Segel-Wohl-Gefühl. In dieser Bucht steht ein steifer Wind aber es bauen sich keine Wellen auf.  Anfänglich ist es leicht bewölkt. Nach und nach verdichten sich die Wolken und es beginnt auch leicht zu regnen. Kurz vor dem Ziel lasse ich Jo uns überholen, denn er kennt sich ja aus. Um 1700 liegen wir in der Bucht mit Anker und 2 Landleinen. Ali der Restaurantbesitzer hilft beim setzen der Landleinen. Praktisch.
Nach dem Eindunkeln holt uns Jo und Monica ab und wir legen mit dem Dingi am kleinen Steg an. Ein
Fussmarsch von 5 Minuten den Hügel hinauf bringt uns zu Ali. Ali ist ein Kosmopolit, hat Türkische Wurzeln, lebte schon an vielen Orten hat ein Thailänderin als Frau und spricht gut Deutsch obwohl er nie in Deutschland gelebt hat. Wir setzten uns an einen langen Tisch, an dem auch noch 2 Schiffsnachbarn ebenfalls Platz gefunden haben. Zusammen mit Ali essen wir Hünerfleisch an Currysauce, begleitet mit einigen Flaschen gutem rotem Wein und schwatzen bis lang in die Nacht hinein. Wir sind nicht gedrängt, denn es regnet nun kräftig und wir wollen unter dem schützenden Dach abwarten bis es aufhört.
Schliesslich wird es recht kühl, der Regen hört auf und wir ziehen uns zurück auf unsere Boote zum Schlafen.

 

12.9.09

Als ich aufwache regnet es draussen und es ist recht unruhig. Bei einer kurzen Regenpause legen wir mit dem Dingi ab und gehen wieder zu Ali ins Freiluft-Restaurant. Auch Jo und Monica kommen. Bei Ali gibt es ein im Preis des Abendessens inbegriffenes Frühstück. Omelette, Brot , Käse , Marmelade  Tee oder Kaffee. Herrlich.
Hier
venehme ich, dass es nachts richtig stark gewittert und gestürmt hat.  War es der Rotwein oder die in den Urlaub mitgebrachte Müdigkeit ? Ich habe nichts bemerkt und seelig geschlafen.
Während wir uns köstlich am Frühstück laben knallt es fürchterlich. Dann folgen Blitze und Donnerschläge im Sekundentakt. Wir sind scheinbar mitten in der Hölle. Der Regen peitscht nun quer unter dem Dach durch. Alle
greiffen sich eine Tischdecke und schützen sich vor dem kalten Regen und Wind. Ali meint, das sei wirklich ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Jo und ich wechseln uns ständig ab um von oben her in der Bucht unsere Schiffe zu beobachten. Die Tanzen wie wild gewordene Pferde und reissen an den Leinen. Diese aber halten stand. Nach kurzem stehen im Restaurant die Stühle und Tische in 10 cm Wasser und vom Hang schiessen richtige Bäche herunter.
So schnell wie der Spuck angefangen hat, ist er auch schon wieder vorbei. Alles beruhigt sich und wir können zurück auf unsere Boote wo wir die Anker lichten und Fahrt in Richtung
Göcek aufnehmen. Dort ist unser nächster Treffpunkt.
Draussen auf offener See steht die Welle noch hoch. Rita
spühlt sich eine Tablette hinunter und legt sich schlafen. Ich freue mich an gutem Wind und setze volle Segel, bis wir wie an eine undurchsichtige Grenze kommen, wo der Wind  innerhalb von wenigen Metern um volle 180° dreht. Es sind nur noch ein paar Minuten gegenan und schon fahren wir wieder in Göcek in die „goldene“ Marina ein. Jo hat vorher für uns beide Plätze reserviert.
Weil es am Abend wieder leicht regnet verzichten wir auf den Gang in die Stadt und setzten uns zu viert im Hafenrestaurant auf die Terrasse. Rita hat Lust auf Pasta, die wir die ganze Zeit nun nie gegessen haben, und ich esse eine Lammkeule nach
otomanischer Art. Lecker lecker….
Mit Jo diskutieren wir über die Möglichkeit bei meiner SAMATHA hinten eine Badeleiter anzubringen. Bei der
Amel ist das der einzige für mich relevante Mangel, dass man nicht mehr alleine auf's Schiff kommt, wenn die seitliche Badeleiter nicht hängt. Seit ich einmal bei Elba ins Wasser gefallen bin (vor Anker) weil ich nicht aufgepasst habe, und danach nur über das Dingi wieder zurück auf’s Schiff kam, beschäftigt mich das Thema.
Bis anhin habe ich noch keine befriedigende Lösung gefunden.
  Jo, als Maschienenbau Ingenieur und versierter Schiffsbauer, hat sofort die richtige Idee.  Ich werde hinten , gleich über der untersten Treppenstufe am Spiegel einen Schlitz ausschneiden, innen in der Bagskiste wird ein „Leiterkasten“ eingebaut, der so konzipiert ist, dass oben drauf eine Kiste gebildet wird, die dann für das sichere Lagern meiner Benzinkanister dient. Im Kasten  eingelassen und nach hinten ausziehbar kommt die Badeleiter. Rausziehen und runterklappen, so einfach ist das. Hochklappen und einschieben und schon ist das Teil weg. Jo meint sogar, man könnte noch eine Sichtschutzklappe anbringen, dann wäre alles perfekt. Mit dieser Idee bin ich nun schwanger. Sehen wir, wann das Kind geboren wird.

 

13.9.09

Herrlichster Sonnenschein. Rita und Monica verdrücken sich auf den Markt in der nahen Stadt und ich geniesse die Ruhe und die Wärme mit einem guten Buch.
Um 1300 legen wir ab mit Ziel
  Kapi Koyu  zu Mohammed. Jo hat 2 Plätze reserviert. Es ist wieder so ein Segeltag, an den man sich gerne erinnert. Bereits um 1500 legen wir am Steg an. Nun ist Baden angesagt, denn seit 3 Tagen nun haben wir uns nicht mehr im Wasser getummelt wegen dem Wetter. Das wird nachgeholt.
Gut, dass wir rechtzeitig hier waren, es kommen wieder
Sunsail-Flottiliensegler, einer nach dem anderen und belegen den ganzen Steg. Diesmal sind es anständige Leute, mit einem anständigen Flottenchef. Aber alt sind die alle. Ich komme mir mit meinen gut 60 wie ein Ministrant vor unter all den alten Knäckern. Ich vermute, dass in dem Prospekt für diese Tour gestanden hat:
„letzte
  Segeltour vor dem nahenden Tod“ oder 
„versuchen Sie dem nahenden Tod noch davon zu segeln“. Anders kann ich mir das alle dabei glücklich und zufrieden sind, und das scheinen sie alle zu sein.
Beim Abendessen mit Jo und Monica, bestellen alle den so
heiss geliebten Calamari, gegrillt. Mohammed verwechselt das mit Octopus. Mein erstes Stück Octopus ist so zäh, dass ich meine , auf einem alten Fahrradreifen zu kauen. Die anderen haben scheinbar mehr Glück. Mohammed ist aber so nett und tauscht für mich den Fahrradreifen  gegen Calamari aus.  Neben uns liegt die Schweizer MAXI, mit 4 jungen netten Leuten, die wir bereits in Göcek gesehen haben.

 

14.9.09

Nach dem Frühstück fachsimple ich wieder mit Jo. Ihn schüttelt es ständig vor Lachen wegen meinen Unkentnissen. Immer wenn er nach irgendeinem Teil von meinem Schiff fragt, kann ich nur die Achseln heben und muss gestehen, dass ich nicht weiss von welchem Hersteller das Teil ist. Für mich ist lediglich wichtig, dass es funktioniert, und das tut das Meiste bei einer AMEL. Jo und ich machen einen Ausflug auf den nächsten Hügel. Der Aufstieg dauert 25 Min. Oben flattert eine türkische Fahne und man hat einen unbeschreiblichen Ausblick auf die ganze Bucht und das Festland. Da Jo schon über 25 Jahre in diesem Gebiet segelt, weiss er viel von der Geschichte und den Leuten zu erzählen. Es ist interessant und lehrreich. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein Europäer gerne dort niederlässt oder das Gebiet immer wieder besucht.
Trotzdem, Rita und ich wollen wieder weiter. Ich habe um 1200 bereits die erste Leine gelöst und bin gerade dabei die
Mooring frei zu machen, als Monica angedüst kommt und meint, wir sollen doch noch warten und erst einmal zu gegrillten Hähnchenflügel und Salat vorbeikommen.  Kann man da widerstehen wenn man Hähnchen so gerne mag wie ich ?
Schnell bin ich überzeugt, auch ohne den
süssen Augenaufschlag von Monica zu beachten, und schnell ist auch das Schiff wieder fest angebunden.
Nach dem Essen wird geplaudert und geschwatzt. Rita und Monica machen noch einen Ausflug mit den Hunden in der nahen Gegend, wo es ein „Dorf“ (3 Steinbaracken und eine Moschee) gibt. Hier leben die Familien mit Grosseltern, Eltern, Kindern inklusive Säuglingen unter einem Blechdach das
auf Steinmauern aufgesetzt ist. Wasser muss von weit her geschleppt werden und Strom ist sowiso ein Fremdwort. Zu Essen gibt es, was die Tiere produzieren und was an Spärlichem in dem Gärtchen vor dem Haus wächst. Trotzdem scheinen die Leute zu frieden zu sein . Sie sind sehr freundlich und wenn man am Haus vorbeigeht wird man sofort zum Tee eingeladen.
Pünktlich um 1640, mit Deutscher Präzision
,  genau wie angekündigt, kommen noch Horst aus München mit Frau angedampft. Es sind alte Freunde von Jo und ebenfalls in der Gegend zum Segeln. Horst hat ein Traditionsschiff, das aber zum Teil schon etwas auf Neu getrimmt. ist. Hier wurde Antik mit moderner Technik verheiratet. Rita und ich ziehen uns zurück bis zum gemeinsamen Abendessen, das wieder gemütlich bei Mohammed  stattfindet, denn eine andere Möglichkeit gibt es gar nicht.

 

15.9.09

Es ist bereits wieder 1100 als wir loslegen. Kein Wind. Wir motoren  die ersten 3 ½ Stunden um dann noch die letzten 3 Stunden zu segeln. Unser heutiges Ziel liegt auf dem Rückweg nach Marmaris in der Bucht von Koycegiz, das Restaurant bei Maden Iskele. Schon 2 Mal waren wir in dieser Bucht, haben uns aber nie nach Maden Iskele getraut, weil in meinem Küstenbuch ganz klar steht, dass es nicht empfehlenswert und dazu noch sehr teuer sei. Jo hat mir etwas ganz anderes erzählt und so peilen wir diesen Ort nun an.
Uns kommt ein
Marinero entgegen und fragt, ob wir hier auch essen würden, dann könnten wir bei den Moorings anlegen, sonst müssten wir mit Anker anlegen. Wir wollen essen, nicht nur weil ich es bequemer finde mit Mooring festzumachen, nein auch weil Jo uns das empfohlen hat. Die Marineros sind wie überall hilfsbereit und freundlich.
Es ist ein kleiner Hafen vom feinsten. Beim Abschnitt, wo
gebaded wird, treffen wir wieder die Mannschaft von MAXI, mit denen wir eine ganze Weile plaudern.  Es sind 4 junge Leute, der Mitbesitzer vom Boot, und 1 Männlein und 2 Weiblein. Die kannten sich alle vorher überhaupt nicht und haben sich dann in Marmaris auf dem Boot getroffen.  Sie haben Glück gehabt und es mache Spass.  Ab Morgen reisen dann nach und nach alle wieder einzeln ab, so wie sie gekommen sind.  Mir wäre das zu risikovoll für meinen Urlaub, aber eben, junge Menschen sind da etwas anders.
Für den Abend „stylen“ wir uns und steigen den Hang hinauf. Man hätte auch die Möglichkeit das Restaurant über ein Bähnchen zu erreichen. Ich habe diesen fahrenden Stuhl heute Nachmittag schon inspiziert, darauf aber weder ein Schild „Made in
Switzerland“, noch irgend eine türkische Zulassungsnummer gefunden. Abenteuer ja, aber mit diesem Fahrstuhl zu fahren, nein !
So erreichen wir heftig schnaufend nach einem steilen Anstieg unser Ziel.
 Richtig schön, auf einer Terrasse mit Ausblick auf’s Meer liegt dieses Restaurant. Es sind noch nicht viele Gäste da, dafür aber um so mehr Personal, alle in Uniform und die Mädels,eine hübscher wie die andere. Wenn der Chef hier  beim Kochen einen genau so guten Geschmack hat wie bei der Wahl seines weiblichen Personals, dann mal guten Appetit.
Und es ist so.
  Wir essen wie die Fürsten. Der Service ist perfekt. Der Wein ist gut und die beste Überraschung : die Rechnung ist nicht viel teurer als bei Mohammed oder Ali, aber wesentlich günstiger als in der Stadt.
Wir ärgern uns im Nachhinein, dass wir bereits schon 2x uns die Nacht haben durchschaukeln lassen, und diesen Ort gemieden haben, nur weil in dem blöden Küstenbuch etwas total falsches über diesen Platz steht. Vermutlich hat der Autor hier nicht seinen Obolus bekommen und daher schlechte Reklame gemacht oder aber man hat sich hier in den letzten Jahren zum Guten verändert.

 

16.9.09

Für den heutigen Tag haben wir uns für einen Ausflug eingeschrieben. Es sind eine Art Fischerboote, die die Touristen  durch das nahe gelegene Schilfgebiet fahren. Dort kann man antike Stätte und das Dorf Dylan besuchen. Wer will kann noch etwas weiter fahren um sich dann dort im Schlamm zu suhlen. (Bei uns machen das die glücklich gehaltenen Schweine auch). Rita und ich begnügen uns mit der Besichtigung der alten Stätten.
Pünktlich um 0900 sind alle auf dem uns zugewiesenen Boot versammelt. Trotzdem fährt der Kapitän nicht los. Nach einigem hin und her mit dem an Land stehenden Gehilfen kommen ganz gemütlich
  zwei Engländer Paare angeschlendert, steigen ein und machen es ich gemütlich. Jetzt scheinen alle da zu sein und wir fahren los.
Die Fahrt durch das interessante Delta mit den weiten Schilffeldern ist sehr schön. Unsre erste Station ist die alte Stadt Dylan mit Ausgrabungen und Ruinen. Man kann hier förmlich das Feudalleben der alten Türken nachfühlen.
 Wir werden ausgeladen und dürfen eine Eintrittskarte lösen um während einer Stunde die Grabungsstätten zu besuchen.
Nach der besagten Stunde sind alle auf dem Schiff,
ausser die Engländer. Nach einer guten viertel Stunde kommen dann auch die und die Fahrt geht weiter.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir das neue Dylan. Ein Touristenort nach altem bewährtem und billigstem Muster. Das ganze
Dorf schein  von den alten, dem Dorf gegenüberliegenden in die Felsen eingehauenen Grabstätten zu leben. Diese Grabstätten sind nicht zugänglich, trohnen aber über dem Dorf, für alle sichtbar und dominant. Sonst das Übliche.  Türkische Handarbeit, Badezeug, Plastikspielsachen, Buddahs, Barbiepuppen und sonstiger Kitsch, was Touristen  in der ganzen Welt als schön und Kaufenswert empfinden.
Das Boot wird bei einem Restaurant festgemacht. Es ist zufällig gerade Mittagszeit. Nur wenige
  setzen sich nieder, die meisten wollen ins Dorf, man weiss ja zum Voraus nicht, dass sich das gar nicht lohnt.
Um 1330 sollen wir wieder beim Boot sein.
Nachdem wir das Dorf einmal längs und einmal quer durchforscht haben und dann wissen, dass das für die Katz gewesen ist, melden wir uns im Restaurant beim Boot zurück und trinken einen Kaffee.
Nach und nach treffen die Mitfahrer alle ein. Die einen bestellen sich ein Menu und die anderen warten auf 1330.
Kurz vor 1330 kommen auch unsere Engländer wieder, setzen sich gemütlich an einen Tisch und bestellen ihr Mittagessen.
 
Einige der Mitfahrenden haben sich bereits im Boot niedergelassen und warten. Unsere Engländer stört das überhaupt nicht. Denen scheint die Welt zu gehören.
Nach bald ¾ Stunden sind dann auch die Engländer auf dem Schiff und die Rückfahrt kann angetreten werden.
Statt um 1400 sind wir dann um 1530 zurück am Ausgangspunkt. Wir machen sofort die Leinen los und nehmen Kurs auf Marmaris. Der Wind steht genau
Gegenan, mit 25 bis 30 Kn, so dass wir unter Motor bleiben um noch heute Abend in Marmaris anzukommen.
Es ist schon am Einnachten als wir endlich in die Marina einlaufen.
Gleich hinter uns
  läuft auch MAXI ein, obwohl wir uns heute nie begegnet sind. Wir kochen heute zum ersten Mal, lediglich damit wir das Eingekaufte verwerten können und nicht wegschmeissen müssen.

 

17.9.09

Heute ist Hafentag. Geruhsam gehe ich die Arbeiten an, denn nun muss die SAMANTHA für den Winter vorbereitet werden. Den Flug über Istanbul nach Zürich habe ich für den Teil Dalaman-Istanbul umgebucht, denn wegen des Wetters habe ich vorgeschlagen, dass wir früher nach Marmaris fahren, dann aber einen längeren Aufenthalt in Istanbul machen um die Stadt zu sehen.
Abends wird nochmals gekocht, denn wir hatten ja für 2 Mahlzeiten eingekauft. Es schmeckt auch richtig lecker, und die Abwechslung ist willkommen.

 

18.9.09

Hafenbüro. Vertragsverlängerung. Ich will das Boot noch ein Jahr hier liegen lassen um nächstes Jahr nochmals die herrliche Gegend zu geniessen. Zoll. Das Transit Log muss ausgedehnt werden. Die Lösung ist, das Schiff unter Zollverschluss zu legen, dann läuft die Uhr nicht weiter, bis wir uns wieder melden. Heute ist uns der Wind auch hold und lässt es zu, dass wir die Genua einholen können. Gestern war es nicht möglich und ich habe schon erwägt das Boot zu drehen um die Genua einzuholen. Heute bleibt mir das erspart. Den Ganzen Tag verbringen Rita und ich, alles sauber zu machen und das Boot einzumotten. Langsam aber gemütlich. Zwischendurch ein Bad im nahen Pool mit etwas Entspannung im Sprudelbecken.
Auf dem Weg zurück zum Schiff sehe ich einen Segelmacher. Ich
frage nach Fenderstrümpfen. Der Deal kommt zu Stande bei 90€ für 8 Fender. Wenn ich im Frühjahr wieder komme, müssten die Strümpfe an den Fendern sein und das Boot nicht mehr so versaut wie diesmal.
Die Schwester des Segelmachers hätte
ich auch gerne auf dem Schiff als Gallionsfigur. Ich hätte dann sicher das atraktivste Boot auf dem Mittelmeer.  Warum sieht man bei uns nicht die wahren Türken und Türkinnen, sondern nur so fette Kopftuchindianer ?
Hätten wir bei uns nur einen Bruchteil dieser netten und schönen Menschen, wäre die Integration der Türkei in die EU sicher schnell kein Thema mehr,
ausser bei Enuchen und Mönchen.
Am Abend
geniessen wir im Hafenrestaurant unseren Abend bei bestem Essen und guter Laune, denn heute ist auch unser Hochzeitstag.

 

19.9.09

Frühe Tagwache. Erst ein langer Spaziergang zu den WC - und Duschanlagen vom Hafen. Die sind vom feinsten, super modern und sehr sauber, nur eben halt weit weg vom Schiff. (Hier darf keiner den "Orient-Express" haben).
Als alles Gepäck von Bord geschafft ist, muss ich das Boot noch so legen, dass es möglichst weit vom Steg liegt. Alles fertig, muss ich jetzt auch noch auf den Steg kommen, aber wie ?  Das Boot neben uns ist ebenfalls weit weg und auf der anderen Seite liegt kein Schiff. Wie gut war ich in der Schule im Weitsprung  ist erneut die Frage. Nur, diesmal kann ich keinen Anlauf nehmen. Ich bete, dass mich die Engel hinübertragen, denn Baden, jetzt, wäre nicht so gut. He...hup... und ich schwebe dem Steg entgegen, erreiche den gerade mit den Fusspitzen und dann stehe ich aufrecht da! Das war Olympiawürdig.

Pünktlich um 0700
  steht unser Taxi bereit und fährt uns nach Dalaman. Heute sehen wir von der Landschaft wenigstens etwas. Bei der Hinfahrt war alles schon im Dunkeln und wir haben nichts gesehen.
Auffällig in der Türkei ist, dass überall die Fahnen wehen. Es ist ähnlich wie in der Schweiz. Die Türken haben ein sehr ausgeprägtes Nationaldenken und
sind , berechtigterweise, stolz auf Ihre Heimat.
Der Flug nach Istanbul ist kein Thema. Auch wieder bekommen wir zu Essen und werden gut behandelt.
Etwas besorgter macht mich der Taxifahrer am Flughafen. Als ich ihm die Adresse unseres Hotels unter die Nase halte, scheint er überfordert zu sein und fragt mehrere
Personen, inklusive Polizisten nach dem Weg.
Schliesslich schaffen wir es, ins Hotel einzuchecken. Wir sind direkt am Goldenen Horn und an einer
vierspurigen  Stadtautobahn.
Das Hotelzimmer ist eine Story für sich. Das Waschbecken ist im Vorzimmer. Die Toilette in einem kleinen Kämmerlein und da über der WC-Schüssel hängt eine Dusche. Mittels
einem Bodenablauf wird verhindert, dass zu viel Wasser ins Zimmer läuft. Es ist allerdings alles suber. Nur bei einem Preis von 110€/Nacht ist man sich bei uns schon etwas anderes gewohnt. Nebenbei, ein Kaffee (Expresso) aus der Kaffeemaschine  beim Frühstück, an Stelle einer braunen Brühe, kostet extra 2
Mit einem Taxi lassen wir uns
  mitten in die Stadt bringen. Hier besteigen wir einen Doppeldeckerbus um eine 2 stündige Site-Seeing -Tour durch die Stadt zu unternehmen. Istanbul ist faszinierend.
Nach der Tour machen wir uns zu
Fuss durch die Gassen. Wir sind total perplex über die Masse von Leuten, die sich durch die Stadt drängen. Es kommt mir vor wie hier bei uns an einem Gassenfest, am Winzerfest oder an der Sreetparade. Unglaublich. Rita will noch etwas Shoppen gehen. Ohne mich ! in diesem Gedränge macht mir das noch weniger Spass als bei normalen Konditionen. Hochzeitstag hin oder her, ich gehe da nicht rein !
Schliesslich landen wir im
Souk, auch hier Leute und Massen von Leuten aber das ist ja ok. Im Souk (Bazar) muss das so sein. Wir kaufen einige Kleinigkeiten und eine Wasserpfeife für zu Hause mit allem drum und dran.
Erst wird alles im Hotel abgeladen, dann lassen wir uns zum Fischmarkt fahren, wo wir bei der Bustour
fasziniert waren über die Art und Weise, wie man Fische ausstellen kann. Die Fische werden zu richtigen Ornamenten  angeordnet und so angepriesen.
Nahe dem Hotel steigen wir in ein Taxi. Kaum sind wir 500m gefahren, bemerke ich , dass das Taximeter bereits 15 TKL anzeigt. Dieses Schwein hat das Taximeter nicht auf  Null gestellt , wie das sonst von allen korrekterweise gemacht wird. Beim Fischhafen angekommen streite ich mich mit dem Taxifahrer, denn ich bin nicht bereit die 25 TKL statt die üblichen 10 zu bezahlen. Der Streit eskaliert. Leider ist kein Polizist in der nähe, sonst hätte ich den gleich gerufen. Da ich nicht 10 TKL als Kleingeld zur Hand habe, gelingt es mir nicht, dem Gauner einfach die 10 zu geben und davonzulaufen. Schlussendlich notiere ich seine ID-Nummer und zeige ihn bei der Polizei  an. Ob es was nutzt ?  Nur, ich mag solche Kerle nicht, haben wir doch in der Türkei auf der ganzen Reise nur nette und anständige Leute kennen gelernt.
Im Fischhafen essen wir natürlich Fisch. Dazu gibt es einen Salat. Wir sind beide der Meinung dass wir noch nie so guten Fisch und einen solch guten Salat gegessen haben. Es regnet. In einer nahe gelegenen Kaffeebar lassen wir uns noch nieder und trinken Tee (
Chai) und ich rauche eine Wasserpfeife. Rauchen ist in den Lokalen nicht mehr gestattet, wir sitzen unter dem Vordach.
Die Nacht wird entsprechend unruhig, der Verkehr ist die ganze Nacht sehr intensiv.

 

20.9.09

Draussen ist es regnerisch. Trotzdem wollen wir etwas sehen. Wir schlendern stundenlang durch die Sradt, lassen uns von Taxis, die billig sind von einem Ort zum Andern fahren. Mit einem Ausflugsschiff geniessen wir eine Fahrt an den Bosporus. Leider  sind Bazar und Geschäfte heute zu, denn es ist das Fest des Ramadan-Endes, was das Pendent zu unseren Ostertagen ist. Trotzdem geniessen wir diese Stadt.
Auf der Gasse lasse ich mir noch von einem Schuhputzer die Schuhe reinigen. Dass man mit solcher Inbrunst und Liebe
Schuhe pflegen kann ist mir ein Rätsel. So sauber waren die nicht einmal neu.
Kurz vor dem Hotel werden wir noch von einem Gewitter überrascht und der sintflutartige Regen macht uns bis auf die Unterwäsche triefend.
Mit dem Haarföhn trocknet Rita einiges an Klamotten um dann abends in einem kleinen Restaurant ganz in der nähe des Hotels nochmals mit mir einen weiteren kulinarischen Höhepunkt zu erleben. Dieses Restaurant ist ein
Geheimtip. Hier verkehren nur Einheimische, insbesondere solche mit dicken Goldketten, lauten Stimmen und speziell auserlesenem Raki und Wodka. So die Art der Reichen, Mafiosi und Drogenhändler.
Aber gut
wars !

 

21.9.09

Nachdem wir gestern noch das Zimmer gewechselt haben und dann in Richtung Hintergasse geschlafen haben, wollen wir heute nochmals in die Stadt, denn der Flieger geht erst um 1500. Doch ein Blick aus dem Fenster vernichtet alle Pläne in dieser Richtung. Es regnet. Schliesslich sitzen wir nach dem Frühstück im Zimmer, jeder mit seinem Buch und warten bis es Zeit wird das Taxi zu besteigen und zum Flughafen zu rauschen. Der Heimflug und die Bahnfahrt vom Flughafen nach Hause sind keine Besonderheit mehr. Im Gepäck haben wir schönste Erinnerungen  an Buchten, liebe Menschen, gutes Essen und eine faszinierende Stadt.

 

Im nächsten Frühjahr wollen wir nochmals in dieser Gegend segeln gehen. Leider ist es nicht so, wie ich gehofft habe, dass man auch in den Wintermonaten  dort gute Bedingungen hat. Vom November bis April sei es regnerisch und stürmisch und im Juli und August mörderisch heiss. Also diese Monate seien zu meiden.
Wir werden uns danach richten.
Also bis zum nächsten Frühjahr, wenn die SAMANTHA wieder aus dem Winterschlaf geholt wird.

Euer Kapitän
Rudy