REISEBERICHT - März 2009

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Der Sandhaufen

 

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Hier müssen wir durch

 

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Maria die gute Fee

 

 

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Abendessen mit Mario und Fortunato

 

 

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Einwassern

 

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Mario und François kritisches Beobachten

 

 

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Da liegt Sie, bereit zum Ausfahren

 

 

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Ein hauch von Frühling

 

 

Angefangen hat alles schon im Januar.

Ich war ständig in Kontakt mit Maria, die "gute Fee von Sibari", und habe mich über die Situation der Hafenzufahrt erkundigt. Sibari hat seit mehreren Jahren ein Problem mit der Versandung des  Hafeneinganges. Von Zeit zu Zeit wird dann wieder eine Aktion durchgeführt und gegraben, so dass die Schiffe wieder ein- und auslaufen können. Sibari wäre ein super Hafen, der bis zu 1000 Boote beherbergen könnte und eine Goldgrube wäre, aber eben wäre, wenn sich irgend jemand finden würde, der das Problem der freien Hafenzufahrt lösen würde.  Entweder müsste ein Projekt der Molenverlängerung, das seit mindestens 5 Jahren auf dem Papier besteht, realisiert werden, dann wäre Ruhe, oder aber, es müsste ständig eine Maschine in Bereitschaft stehen, die den Durchgang freibaggert, wenn der Nordwind den Sand wieder in die Ausfahrt  verfrachtet.  Nur, man kann sich in Calabrien scheinbar nicht verständigen, denn die Marina-Betreiber-Firma hat eine Maschine, darf sie aber nicht gebrauchen, da irgend jemand anders für den Unterhalt des Kanals zuständig ist. Und dieser Zuständige kümmert es scheinbar wenig, ob durch seine Untätigkeit, der Hafen offen oder geschlossen ist. Dazu kommt noch, das die Hafenbehörde mit Sitz im nächsten Dorf, sich für die Navigation zuständig fühlt und , wenn es  denen beliebt, den Zugang zum Hafen sperren, egal, ob dadurch der Hafen langsam stirbt und viele Arbeitsplätze zu Grunde gehen. Für uns Segler wäre Sibari ein  super Winterplatz.

Die Reparaturen und Arbeiten werden sehr professionel und zu korrekten Konditionen durchgeführt  und  man kann  sich absolut auf das Management verlassen.

Nun, all das weiss ich schon eine Weile. Letzten Sommer wurde mir vom Hafenmanagement wie auch vom zuständigen Bürgermeister bestätigt, dass ein Auftrag zur Freilegung der Hafeneinfahrt erteilt wurde und bald beginnen sollte.

Im Sommer konnten die Arbeiten nicht durchgeführt werden weil  dabei das Wasser getrübt wird und das nicht gut für die Touristen ist. Im Herbst war das Wetter schuld und so wurde es Winter und bald Frühling.   Mit einem Brief  an den Bürgermeister und der Bitte an die Schweizer Botschaft um Unterstützung habe ich mich abgesichert, dass wir am 15.März unsere Überführung nach Marmaris planen können. Die Schweizer Botschaft hat sich ganz tüchtig ins Zeug gelegt und mit dem Bürgermeister Kontakt aufgenommen. Dieser hat uns dann allen bestätigt, dass die Arbeiten in Angriff genommen werden, so dass wir am 15.Mai auslaufen können.

Geplant war, dass François, Patrick und ich das Boot überführen.

Gerne hätte ich noch einen 4. Mann an Bord gehabt, aber die Vorlaufzeit war zu kurz, um noch jemanden an Bord zu bekommen.

Dann , kurz vor der Abreise, musste Patrick noch wegen eines Todesfalles in der Familie seine Mitreise absagen, so dass schliesslich François und ich alleine nach Sibari reisen.

 

15.03.09

Es ist 0710 als wir uns am Bahnhof in Zug treffen um den Pendolino nach Milano zu besteigen. Es ist kalt und überall weiss.  Nach 3 Stunden Zugfahrt durch eine verschneite Innerschweiz und Nordtessin kommen wir recht pünktlich in Milano-Centrale-Bahnhof an.  An der Information erfahren wir, dass ein Bus alle 20 Minuten nach Malpensa zum Flughafen fährt. Tickets sind in der unteren Etage zu kaufen. Wir finden den Ticketschalter, müssen aber noch etwas in der Schlange stehen bis wir die Tickets in der Hand haben. Nun zum Bus. Wegen einer Baustelle ist noch ein kleiner Umweg zu laufen, um dann, als wir den Bus sehen, feststellen dürfen, dass dieser eben losfährt und zwar ohne uns. Wir fangen an zu Rechnen. 20 Minuten Wartezeit, dann eine Stunde Fahrt, das genügt nicht, um vor der Schalterschliessung bei Easy-Jet zu sein.

Taxi.  François bringt die Tickets zurück und bekommt die 14€ für 2 Tickets ausbezahlt.  Der Taxifahrer bestätigt uns, dass er etwa 40 Minuten braucht um uns bei Easy-Jet abzuladen, aber dafür gibt es einen Fixpreis von 85€.

Wir haben keine andere Wahl.

Tatsächlich schafft es der Taxifahrer in ca 45 Minuten, so dass wir gerade noch rechtzeitig einchecken können.

Mit dem Bus hätten wir es wohl kaum geschafft.

Endlich sitzen wir im Flieger nach Lamezzia Terme.

Hier gilt es nun eine Fahrgelegenheit nach Sibari zu finden.

Maria vom Hafen hat uns angeraten bei Europcar einen Wagen zu mieten, den wir dann dort in Sibari stehen lassen können.  Meine Buchung per Internet hat scheinbar nicht funktioniert, aber da wir ausserhalb der Saison sind ist das ja auch kein Problem.  

Trotz der versprochenen Vergünstigung in Zusammenhang mit einem Easy-jet-Flug mussten wir für 1 Tag ganze 135€ hinblättern.  (Später haben wir von einem Angebot von SIXT  mit 80€ gehört).   

Die Fahrt nach Sibari dauert ca 11/2 Stunden. Wir kaufen noch einiges für's Frühstück ein dann gehts zum Schiff.  Wie erwartet ist alles super in Ordnung, soweit wir dies noch bei der bereits eingesetzten Dunkelheit erkennen können. Bevor wir dann Essen gehen, will ich noch kurz zur Hafeneinfahrt um mich umzusehen. Hier angelangt  ist mein Erstaunen nicht schlecht. Mittenn im Kanal  ist ein etwa 4 Meter hoher Sandberg aufgetürmt !

Kopfschüttelnd steigen wir wieder ins Auto, wollen drehen und versinken im Sand bis zum Chassis.  Hier kommt mir meine langjährige Erfahrung in der Saudiarabischen Wüste zu gute, so dass wir nach einigem "puddeln" und mit Hilfe des Wagenhebers, bald wieder frei sind und uns die Laune mit  köstlichen italienischen  Leckerbissen in Cassano verbessern können. Hier in dieser Pizzeria war ich schon im Herbst mit Andreas nund seinen Töchtern. Der "Patrone" ein Italiener, der lange in Basel seine Pizzeria hatte, zeigt eine riesige Herzlichkeit und freut sich so über unser erneutes Erscheinen, dass er seine "mama" anweisst uns ganz besonders zu verwöhnen. Was wir da alles aufgetischt bekommen und wie gut wir da essen, werden wir nicht so schnell vergessen. Für die 60€ , darf man sagen, dass wir wie die Könige gegessen und getrunken haben  und zum Abschied müssen wir noch eine gute Flasche Wein als Geschenk akzeptieren.  Einfach Sagenhaft, wie herzlich die Leute da unten sind. Schön wäre halt nur, wenn sie auch in Sachen Kanalgraben, zuverlässig wären !

 

16.03.09

Gleich zur Büroeröffnung  stehen wir  bei Maria und erkundigen uns über die Situation.

Ausser Achselzucken, nichts.

Nach einem Besuch der "Baustelle"  wissen wir, dass heute nur eine der  geparkten Maschinen arbeitet, und die häuft noch mehr Sand in der mitte des Kanals auf.

Bei den folgenden Diskussionen im Hafenbüro beginne ich zu verstehen, dass hier alle die Kacke in der Hose haben und keiner sich getraut auch nur mit jemandem von der Obrigkeit zu sprechen.  Wenigstens erreiche ich, dass man bereit ist, mir den Weg zum verantwortlichen Ingenieur der Gemeinde zu zeigen und Maria macht einen Termin aus.

Um 1245 stehen François und ich im Büro von Ingenieur Oriolo, ein netter Mann, der von dem Versprechen des Bürgermeisters weiss, aber scheinbar erst jetzt und mittels vielen Telefonaten versucht, für unser Anliegen bei Gott weiss wem um Verständnis zu buhlen.

Morgen um 1000 sollen wir uns treffen, direkt beim Ausgang des Kanals.

Den Rest des Tages verbringen wir mit kleineren Arbeiten und Vorbereitungen am Boot und dem Einkauf.   Abends sind wir mit Mario und Fortunato zum Essen verabredet. Auch hier, für vernünftiges Geld ein sensationelles Abendesse. Ich platze fast aus den Nähten, denn bereits die Antipasti bestand aus etwa 12 verschiedenen Fischplatten. Nach den Spagetti frute di mare war dann der Hauptgang mit einer Fischvariation die Krönung. Jeder dieser Gänge, hätte als Tagesration genügt, so dass ich dann vor dem Dessert endgültig den Kampf aufgeben musste. Für Mario, der sich wegen unsren widrigen Umständen  zu sehr Sorgen machte, war es trotzdem eine Freude und Fortunato, der aus der SAMANTHA ein praktisch neu aussehendes Boot gemacht hat, genoss unser schönes Beisammensein ebenso wie wir.

 

17.03.09

Um 1000 sind wir auf der "Baustelle".  

Der Ingenieur trifft mit 3 anderen Leuten ein und die Maschinen sind alle an der Arbeit.

Die Baustelle ist richtig gut und professionel organisiert.

Scheinbar wissen die was sie tun.

Uns wird erklärt, dass  nun der grosse Sandhaufen weggefahren wird und danach will man mit dem Graben eines Durchganges für uns anfangern. All das ist für mich plausibel, denn ich rechne kurz aus, dass bis zum Abend tatsächlich der Sandhaufen weggeschafft werden kann.

Wir werden Morgen wieder vorbeischauen.

Vorerst muss nun das Boot ins Wasser und aufgetackelt werden,  damit wir Morgen ausfahren können

 

18.03.09

Gegen 1100 fahren wir wieder zum Kanal. Fortunato hat uns sein Auto geliehen, da wir unser Miertauto gestern abgeben mussten.

Ich staune nicht schlecht, wie weit die Grabarbeiten am Kanal fortgeschritten sind. Es fehlen noch 5-6 Meter, dann können wir ausfahren. Es wird vermutlich so gegen 3 bis 4 Uhr heute Nachmittag sein. Zurück beim Boot erledigen wir noch alle Restarbeiten.  Anfangs Nachmittag, nach ein Uhr höhre ich kein Maschinengeräusch mehr. Mit Fortunato's Auto gehts wieder zum Kanal.

Man höhre und staune.  Die Maschinen sind fein säberlich geparkt, noch ein Maschinist ist da und der parkt ebenfalls sein Gerät. Ich erfahre, dass ein "Ingeniere" gekommen sei und alle Arbeiten gestoppt habe. Es dürfe nicht ohne eine weitere Bewilligung irgendeiner Behörde weitergegraben werden.

So schnell es geht sind wir zurück im Hafenbüro, aber Maria, die einzige, die Englisch kann und mit der wir uns unterhalten können (in ganz CALABRIA), kommt erst um 1500 wieder ins Büro.

Wir wissen, dass der Ingenieur der Gemeinde um 1400 aufhört zu arbeiten und erst Morgen wieder im Büro sein wird.  Um 1500 versucht dann Maria, den Ingenieur  über sein Handy  zu erreichen, ohne Erfolg.

Auch den Bürgermeister, der zur Zeit in Rom weilt, ist nicht an die Strippe zu kriegen.

Der Chef der Marina versucht noch über seinen Freund, den Vater des Bürgermeisters, an den Sohn heranzukommen um herauszufinden, was los ist. Abends um 1800 venehmen wir dann, dass Ingenieur Oriolo  sich Morgen darum kümmern wird. Es soll ein Papier fehlen, das besorgt werden muss!

François und ich analysieren  die Situation.  Wenn die morgen anfangen sich über ein Papier zu streiten, wird es mindestens Freitag, bis dieses vorliegt. In dem Falle, muss die Baufirma erst wieder die Leute mobilisieren und das wird sie sicher am Freitag nicht mehr tun.

Also wird es im günstigsten Fall am Montag erneut weitergehen, so dass wir , so Gott will, am Dienstrag ausfahren können. Diese Zeitrechnung beinhaltet die Annahme, dass die Behörden sich untereinander in Sekundenschnelle einig werden könnten und keine Palavermeetings vorort stattfinden und dass alle guten Willens sind und an einem Strang ziehen um ein Problem zu lösen.  In  Italien, dazu noch in Calabrien, mit solchen Annahmen zu rechnen, bedarf wohl einer schon fast strafbaren Naivität.

Betrübt sitzen wir am Abend im Boot. François kocht uns eine gute Mahlzeit und wir ertränken unseren Kummer mit 2 guten Flaschen Wein

 

19.03.09

Gleich in der Früh bereiten wir das Boot so vor, dass wir für einige Wochen verreisen und dann aber schnell bereit sind auszufahren, falls es dann doch mal klappen sollte.

Also, wir entscheiden uns endgültig diese Misere hinter uns zu

lassen, und bitten Maria, uns ein Taxi zum Flughafen zu besorgen. Kein Taxi ist frei und in der Lage uns zu fahren.

Super.  

Der Chef der Marina offriert uns dann , uns mit dem Hafeneigenen Kleinbus zu fahren, etwas günstiger als das Taxi.

Wir sind froh, dass wir überhaupt wegkommen und nehmen dankend an.

Mit etwas Glück erreichen wir den Easy-Jet Flug um 1415 nach Milano.

Aber, warum sollten wir nun plötzlich Glück haben ?   

Der Easy-Jet Flug ist voll.

Die einzige Möglichkeit ist noch mit einem teureren Flug um 1840 nach Milano zu fliegen.

Wir buchen und warten von 1100 bis 1840 im Flughafen.  

Die Air-One Maschine landet in Lignate, wo wir ebenfalls  mit dem Bus in die Stadtmitte fahren, dort aber um 2100

ankommen .

Der letzte Zug Richtung Schweiz ist um 2010 weggefahren.

Wir finden ein akzeptables Hotel ganz in der Nähe vom Bahnhof und verbringen dort die Nacht.

Zahnbürsten finden wir in einer öffentlichen Toilette  in einem Apparat neben den Kondomen, für 1€. so können wir uns wenigstens die Zähne putzen.

Nochmals gut Italienisch Essen, dann ab ins  Bett.

 

20.03.09

Nach dem Frühstück schlendern wir gemütlich rüber zum Bahnhof.

Um 0910 geht der Zug und mit 30 Minuten Verspätung treffen wir in Zug bei beissender Kälte und Schneegestöber unsere Frauen am Bahnhof.

 

21.03.09

Ich schreibe einen netten Brief an den Bürgermeister, frage Ihn, wann wir wohl die Möglichkeit haben werden auszufahren und wofür wir gute 2000€ und fast eine  Woche Arbeitszeit in den Sand gesetzt haben !

Wir werden versuchen im Mai, über die Feiertage nochmals einen Termin zu buchen, hoffentlich kann dann auch Patrick dabei sein.